Der Einsatz von Baumaschinen steht vor einem Umbruch bedingt durch den Fachkräftemangel und den Druck, sicherer zu arbeiten und Kosten zu senken, um noch produktiver zu werden. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Irankrieg die Spritpreise in die Höhe treibt. Die Antwort darauf sind Baumaschinen oder gar ganze Flotten, die immer engmaschiger vernetzt werden und deren Einsatz mithilfe von KI sowie von Assistenzsystemen gezielt gesteuert wird. Auf der Messe ConExpo-Con/Agg 2026 in Las Vegas gab Caterpillar einen Einblick, wie das in Zukunft aussieht – und warum diese näher ist, als mancher Bauexperte denkt. Schon heute lassen sich intelligente Technologien einsetzen, die skalierbar sind und nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe – für jeden Digitalisierungsgrad – der Kunden integriert werden können.
„Da Baustellen immer komplexer werden, zeigen wir in Las Vegas, wie eine einzige Plattform den gesamten Betrieb verbindet – und Kunden mit KI und Autonomie stärkt sowie Services neu definiert“, äußerte Caterpillar CEO Joe Creed. Herz des digitalen Caterpillar Eco-Systems ist VisionLink, das Bauunternehmern die Möglichkeit bietet, Prozesse zur Fuhrparkverwaltung zu digitalisieren. 2009 wurde die Plattform erstmals vorgestellt, als der Baumaschinenhersteller gemeinsam mit Trimble eine neue Generation der Telematik-Lösung auf den Markt brachte. Ziel war es damals, Maschinendaten auf einer einzigen Plattform zu bündeln und daraus wertvolle Erkenntnisse für den Maschineneinsatz zu gewinnen, um Baumaschinen am Laufen zu halten, den Zeitplan einer Baustelle einzuhalten und die Kosten unter Kontrolle zu bringen. Ein Ansatz, der zu dieser Zeit bereits als wegweisend galt.
Seitdem wurde VisionLink kontinuierlich weiterentwickelt: Zwischen 2015 und 2018 lag der Schwerpunkt nicht nur auf dem Ausbau der Telematik-Funktionen von Cat Maschinen, sondern Geräte verschiedener Marken zu verwalten, um darüber eine einheitliche Übersicht über alle Aktivitäten zu erhalten. 2023 erschien eine vollständig überarbeitete VisionLink-Generation mit neuem Interface und einer stärkeren Integration der digitalen Services von Caterpillar, um das Gerätemanagement zu vereinfachen, Routineaufgaben zu automatisieren und die wichtigsten Informationen schnell sichtbar zu machen. Mit Echtzeitzugriff auf Daten der Flotte liefert VisionLink, ob als Desktop- oder mobile Anwendung, Erkenntnisse, die Kunden benötigen, um schneller Entscheidungen zu treffen. Dazu gehören wichtige Betriebsdaten, um Leerlauf und Kraftstoffverbrauch auszuwerten oder den Wartungsbedarf im Blick zu behalten. Die Anzeige von Fehlercodes sorgt dafür, dass potenzielle Probleme frühzeitig erkannt werden und zur Optimierung des Service Workflows beitragen. Erzeugt die Maschine einen ausfallkritischen Fehler? Eine Push-Benachrichtigung schickt eine Warnung sofort auf das Smartphone.

Ergänzt wird dies durch eine nahtlose Integration mit Tools wie dem Online-Shop für Ersatzteile parts.cat.com. Das trägt zu einer schnelleren und kosteneffizienteren Wartung bei. Nicht zu unterschätzen ist außerdem die Dokumentation von Wartungs- und UVV-Terminen. Ein anderer Aspekt von VisionLink: Arbeitet eine Maschine unerlaubt nachts oder am Wochenende? Der Nutzer erhält eine SMS auf sein Smartphone. Mithilfe von Geofencing lässt sich außerdem ein virtueller Zaun um den Einsatzradius von Baumaschinen ziehen, um sich so unbefugtes Entfernen der Maschine anzeigen zu lassen. Selbst sicherheitsrelevante Kennzahlen wie Geschwindigkeitsüberschreitung oder die Benutzung des Sicherheitsgurts lassen sich aus den VisionLink-Daten zur Unfallprävention nutzen.
Mit Daten von rund 1,6 Millionen vernetzten Maschinen entwickelt sich das System stetig weiter und wird intelligenter – kontinuierlich kommen neue Funktionen dazu. Diesen Februar gab Caterpillar die Zusammenarbeit mit Geotab bekannt. Damit sollen auch Straßenfahrzeuge in die Plattform VisionLink integriert werden. Somit ergibt sich eine einheitliche, vollständige Flottenlösung aus einer Hand. „Unsere Kunden wollen ihre ganze Flotte verwalten – ganz gleich, wo ihre Maschinen im Einsatz sind. Da rund 30 Prozent ihrer Assets auf der Straße unterwegs sind, ermöglicht uns die Zusammenarbeit mit Geotab, auch diese Fahrzeuge einzubeziehen. Kunden betreiben heute eine Vielzahl von Anlagen in ihren Flotten – von Pick-ups über Betonmischer bis hin zu Planierraupen. Nun erhalten sie vollständige Flottendaten“, erklärt Ogi Redzic, Chief Digital Officer von Caterpillar. Geotab nutzt fortschrittliche Datenanalysen und KI, um die Leistung und den Betrieb von Flotten zu verbessern, die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken. „Unsere Geräte, Kameras und Asset Tracker bieten eine einfache Installation, automatisches Pairing sowie eine unkomplizierte Kalibrierung und integrieren die Daten von Straßenfahrzeugen über MyGeotab in Caterpillars VisionLink. Dadurch erhöhen sich die Effizienz im Asset und Flottenmanagement, die Sicherheit wird verbessert und Berichte werden automatisiert“, äußert Neil Cawse, Gründer und CEO von Geotab, zur Zusammenarbeit.
Die nächste Evolutionsstufe bei Baumaschinen läutet der neue Cat KI-Assistent ein, der bereits auf der ConExpo-Con/Agg 2026 im Fokus stand. Er begleitet in Zukunft den gesamten Arbeitstag eines Fahrers, kann als Coach agieren, sicherheitsrelevante Hinweise geben, Arbeitsabläufe verbessern und Sprachbefehle verarbeiten. „Hey Cat“ – wenn ein Fahrer einer Baumaschine auf diese Weise ein Gespräch mit seinem Arbeitsgerät beginnt und anschließend eine Arbeitsanweisung durchgibt, setzt der neue Cat KI-Assistent den Sprachbefehl um. Perspektivisch ist vorgesehen, den KI-Assistenten in die Maschinenkabine zu integrieren, um Fahrer während des Betriebs per Sprachsteuerung zu unterstützen. Er gibt Tipps zum vorausschauenden Fahren, beantwortet Fragen und hilft, Fehler zu vermeiden. Das macht den Betrieb einfacher, sicherer und effizienter.
Der KI-Assistent personalisiert Empfehlungen zu Ausrüstung, Ersatzteilen, Wartung und mehr. Er priorisiert Aufgaben und überwacht den Zustand der Maschinen. Per Sprachbefehl an den KI-Assistenten können künftig auch Werkstattmitarbeiter schnell den richtigen Abschnitt aus einer Bibliothek von Tausenden von Betriebs- und Wartungshandbüchern aufrufen. So bietet der KI-Assistent Schritt für Schritt Anleitungen für Reparaturen, weist auf häufige Probleme hin und schlägt zusätzliche Verschleiß oder Ersatzteile vor, um die Arbeit abzuschließen, indem er auf Ersatzteilkataloge oder die Wartungshistorie zurückgreift. Dafür nutzt er Daten von Caterpillar, die auf der Helios Unified Data Platform gespeichert sind. Daten von rund 1,5 Millionen vernetzten Assets weltweit werden dort verarbeitet und über 16 Petabyte an Daten verwaltet. Dazu zählen auch historische Kauf- und Nutzungsdaten sowie Informationen vernetzter Maschinen. „Der Cat KI-Assistent wird ein Copilot im Fahrerhaus, ein Diagnostikpartner in der Werkstatt und eine intelligente Entscheidungsgrundlage im Büro“, kündigt Ogi Redzic an. Neu ist seit der ConExpo-Con/Agg 2026, dass der Cat KI-Assistent mit personalisierten Empfehlungen in bestehenden Cat Apps startet.


Ein weiterer Baustein im Technologiekomplex sind Assistenzfunktionen, welche die Sicherheit von Arbeitsmaschinen betreffen und einen entscheidenden Beitrag zum Arbeitsschutz auf Baustellen leisten. Durch sensorbasierte Umfeldüberwachung, intelligente Warnmechanismen und teilautomatisierte Steuerungsfunktionen unterstützen sie Maschinenführer dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und gefährliche Situationen zu vermeiden. Moderne Systeme erfassen beispielsweise Personen im Gefahrenbereich, überwachen Abstände zu Hindernissen oder stabilisieren die Maschine automatisch in kritischen Fahrsituationen. Solche Technologien reduzieren nicht nur das Unfallrisiko erheblich, sondern entlasten auch das Bedienpersonal, indem sie komplexe Arbeitsabläufe kontrollierbarer machen. Große Sicherheitsrisiken gehen etwa von toten Winkeln hinter Maschinen aus. Daher wurde neu die Assistenzfunktion zur Kollisionsvermeidung entwickelt, die ebenfalls auf der ConExpo-Con/Agg 2026 in Las Vegas im Fokus stand. Sensoren unterstützen dabei, eine gefährliche Situation beim Rückwärtsfahren zu erfassen, indem das System Personen und Hindernisse erkennt und visuelle sowie akustische Warnungen abgibt. Außerdem kann es in Zukunft Bewegungen blockieren und Notbremsungen auslösen, um Unfälle zu verhindern. Im nächsten Schritt schließt sich der Kreis zu VisionLink: Denn dort werden Daten solcher Ereignisse eingespeist, sodass Manager einen Überblick über die Risikomuster auf der Baustelle im Zeitverlauf erhalten. In Summe tragen Assistenzsysteme wie zur Kollisionsvermeidung dazu bei, menschliche Fehler zu minimieren und einen zuverlässigeren Baustellenbetrieb zu gewährleisten.
Auch das Rad, Arbeitsabläufe zu automatisieren, dreht sich weiter. Cat Grade Precision Automation heißt die neue Funktion, die ein präzises Planieren mit 2D- und 3D-Automatisierung ermöglichen soll und die auf der Messe in Las Vegas eine der wesentlichen Innovationen war. Das System ist kompatibel mit Trimble, Topcon und Leica. Außerdem ist es nachrüstbar auf andere Baumaschinen-Marken. Es lässt sich ebenfalls in VisionLink integrieren, um die Fernübertragung von Dateien, die Integration von Drohnenvermessungen und die Produktivitätsverfolgung zu ermöglichen. „Unsere Kunden müssen mit weniger erfahrenen Fahrern mehr erreichen und das Ganze sicherer und effizienter. Unser Portfolio holt sie dort ab, wo sie stehen“, fasst Jaime Mineart, Chief Technology Officer von Caterpillar, die Anforderungen an vernetzte Baumaschinen zusammen.
April 2026

