Wenn Böschungen modelliert und Flächen auch außerhalb der unmittelbaren Maschinenstandfläche bearbeitet werden müssen, kommt es auf die Reichweite an. Genau dafür ist der neue Cat M322 SLR mit seiner Superlong-Reach-Ausrüstung ausgelegt und er macht sich ordentlich lang: 10,9 Meter misst der Ausleger, weitere 7,4 Meter der Stiel. In dieser Konfiguration kommt der Böschungsbagger auf über 18 Meter Reichweite. Seinen Ersteinsatz bei der Firma S. Steger absolviert die Baumaschine an der B 247 in Thüringen, wo die Bundesstraße zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza bei laufendem Betrieb ausgebaut und modernisiert wird. Dort ist der Böschungsbagger in seinem Element.
„Immer wieder haben wir Anfragen nach so einer Maschine erhalten, vor allem wollten Mietparks so ein Gerät in ihr Mietprogramm aufnehmen und es mit Personal vermieten“, so Michael Sündner, Projektleiter für Sonderlösungen der Zeppelin Abteilung Customizing. Sie entwickelte eine Kleinserie und baute einen Mobilbagger M322 gemäß Kundenanforderungen zu einem Böschungsbagger um.

Das Unternehmen S. Steger setzt einen solchen erstmals samt Bedienpersonal an der B 247 ein. Für entsprechende Einsätze griff der Betrieb in der Vergangenheit auf Mietgeräte zurück, entschied sich nun jedoch, eine eigene Maschine bei der Zeppelin Niederlassung Leipzig und Fred Kraus zu erwerben. „Wir haben lange diskutiert und gerechnet“, so Stefan Steger, der Böschungsarbeiten für andere Unternehmen anbietet, wie eben an der B 247, und so sein Geschäftsmodell erweitert. Der Unternehmer denkt schon weiter: Mit dem Profilieren von Straßenböschungen ist das Einsatzspektrum längst nicht ausgeschöpft. Überall dort, wo Arbeitsbereiche weit vom sicheren Standplatz der Maschine entfernt liegen, kann der Böschungsbagger seine Reichweite ausspielen, etwa an Gewässern, bei Uferbefestigungen, beim Entschlammen oder bei der Sanierung abgerutschter Böschungen. Auch beim Bau von Lärmschutzwällen kann die weitreichende Arbeitsausrüstung gefragt sein.
Seine Feuertaufe erlebt der neue Böschungsbagger allerdings erst einmal im Straßenbau entlang der B247 und dort gleich auf einer Baustelle großen Formats. Die knapp 24 Kilometer lange Projektstrecke wird im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) realisiert. Betreiber ist die Via Mühlhausen Thüringen GmbH & Co. KG. Welche Dimension die Baustelle hat, zeigt die Maschinen- und Materialschlacht: Rund 1,8 Millionen Kubikmeter Erde werden bewegt und etwa 280 000 Tonnen Asphalt eingebaut. In Spitzenzeiten sind bis zu 250 Beschäftigte sowie mehr als 60 schwere Bagger, Raupen und Walzen und rund 90 Lkw im Einsatz. Mitten in diesem Großaufgebot übernimmt der Cat M322 SLR eine Spezialaufgabe: Er bringt Böschungen auf Profil und erreicht dabei Arbeitsbereiche, die weit von seinem Standplatz entfernt liegen.
Beim Profilieren geht es um mehr, als Erdmassen lediglich in Form zu bringen. Die Böschungen müssen den planerischen Vorgaben entsprechen und zugleich dafür sorgen, dass Oberflächenwasser kontrolliert abfließen oder versickern kann. Für den Bagger heißt das: Material über größere Distanzen präzise abziehen, verteilen und die Böschung auf das geforderte Profil bringen.

Damit der Cat M322 SLR mit seinen 27 Tonnen Einsatzgewicht seine Reichweite sicher ausspielen kann, braucht er einen entsprechenden Gegenpol. Das 5,7 Tonnen schwere Kontergewicht am Heck gleicht die durch die weit nach vorne reichende Arbeitsausrüstung entstehende Hebelwirkung aus und unterstützt die Standsicherheit der Maschine, wenn der Bagger Material verteilt, modelliert und die Böschung auf das vorgegebene Profil bringt. Auch die Bedienung wurde auf solche Arbeitsabläufe abgestimmt: Zeppelin passte die Joystick-Lenkung an die Anforderungen des Böschungseinsatzes an. Darüber lässt sich der Bagger steuern, während die Hände des Fahrers an den Bedienelementen bleiben. Gerade beim Profilieren langer Böschungsabschnitte kann der Fahrer die Maschine damit versetzen und unmittelbar weiterarbeiten. Das ist insbesondere dann von Vorteil, wenn sich die Arbeiten über längere Abschnitte entlang des Straßenkörpers erstrecken und der Bagger Stück für Stück mit dem Arbeitsfortschritt mitwandert.
Ein wesentlicher Unterschied zu den häufig im Böschungsbau eingesetzten Kettenbaggern ist das Radfahrwerk des Cat M322 SLR. Für einen stabilen Stand sorgen robuste Mobilbaggerreifen mit einer kantigen Schulter und verstärkter Flankenkonstruktion. Seine Mobilität spielt der 129 kW (176 PS) starke Cat M322 SLR gerade auf einer langgezogenen Straßenbaustelle aus: Der Bagger kann seinen Einsatzort entlang der Trasse auf eigener Achse wechseln, ohne für jedes Umsetzen auf einen Transport angewiesen zu sein.
Oktober 2026

