Ein OP-Saal und die Kabine eines Cat Radladers 966 XE könnten kaum weiter auseinanderliegen: Laura Skokanitsch hat diesen Spagat geschafft. Nachdem sie nach der Schule noch zu jung für die Ausbildung zur Rettungsassistentin war, entschied sie sich für eine Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin. Doch inzwischen hat sie ihren Arbeitsplatz getauscht. Heute sitzt sie am Steuer der Baumaschine und übernimmt damit die Verladung und Bearbeitung von Sand und Kies.

Aufgewachsen ist Laura Skokanitsch im Kieswerk ihrer Eltern, das seit 1989 besteht, von ihrem Opa aufgebaut wurde und sich in Gilching vor den Toren Münchens befindet. Doch es war nicht von vornherein ausgemacht, dass sie dort im Familienbetrieb einsteigen würde und ihn in der dritten Generation fortführt. Im Gegenteil: Ihre Eltern haben sie nie dazu gedrängt. Als Kind war das Kieswerk wie ein großer Sandkasten für sie. Zwischen Kieshaufen, Lkw und Baumaschinen war sie früh mittendrin.
Beruflich führte ihr Weg zunächst jedoch in eine andere Richtung: Nach der mittleren Reife machte sie eine Ausbildung zur OP-Schwester an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Selbst während dieser Zeit schaute sie täglich im elterlichen Betrieb vorbei. Da hatte sie längst Feuer gefangen: Sie wollte Lkw fahren lernen. Weil sie gerade 18 Jahre alt war, brauchte es dafür sogar eine Sondergenehmigung für die IHK-Prüfung zur Berufskraftfahrerin und den großen Führerschein.
Dass sie diesen geschafft hat, war knapp. Das lag nicht an ihren Fahrkünsten, sondern daran, dass sie am praktischen Prüfungstag erst die Zwischenprüfung ihrer eigentlichen Ausbildung beenden und dann sofort zur praktischen Führerscheinprüfung nach Ingolstadt eilen musste. „Es stand Spitz auf Knopf, rechtzeitig anzutreten. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, dass ich es geschafft habe“, meint sie.

Seitdem fragen Unternehmen an, ob sie einspringen kann, wenn auf Baustellen quasi Not am Mann ist. Während ihrer restlichen Ausbildung fuhr sie in der Nachtschicht Sattelzüge mit Thermomulden, wenn eine neue Fahrbahn auf der Autobahn asphaltiert wurde. „Ich habe immer Glück gehabt, dass ich Leute kennengelernt habe, die mir diese Möglichkeit gegeben haben, die mich unterstützt, mich motiviert und an mich geglaubt haben. Dafür bin ich vielen besonders dankbar“, sagt sie.
Damit räumt sie ein, dass ihr nicht alles von Anfang an in den Schoß fiel. „Es war nicht immer einfach. Manches habe ich auch gar nicht gewusst. Ich kannte beispielsweise nicht die Schwimmstellung und wusste nicht, dass die Radladerschaufel selbstständig der Bodenkontur folgt und ich mit den Joysticks nicht nachkorrigieren muss. So musste ich mir vieles selbst beibringen oder ausprobieren. Durch andere habe ich viel gelernt“, erklärt die 24-Jährige. Darum schätzt sie, was sie sich erarbeitet hat. „Ich kann nicht alles von Anfang an kennen und können, da ich es nicht in einer Ausbildung gelernt habe, und mein Papa immer meinte: Probier’s selber aus. Aber ich bin neugierig und freue mich, wenn mir jemand zeigt, was ich besser machen kann.“
Stillstand scheint jedenfalls nicht ihre Sache zu sein. Was ihr an Wissen oder Erfahrung fehlt, versucht sie sich anzueignen. Und hat sie ein Ziel vor Augen, bleibt es selten bei der Absicht. Sich neues Wissen anzueignen, treibt sie an. Darum machte sie mit 21 Jahren die Fuhrunternehmerprüfung. Inzwischen hat sie einen BF3-Schein. Auch einen Schweißkurs hat sie absolviert. Eine Fortbildung zur Umweltbaubegleitung und ein Zertifikat zur Abfallbeauftragten kann sie bereits vorweisen. Der Betrieb ihrer Eltern gewinnt nicht nur Sand und Kies, sondern betreibt auch Recycling. Ein Geschäftszweig, in dem sie Potenzial sieht und auf den sie sich entsprechend vorbereiten will. Aktuell konzentriert sie sich auf eine Weiterbildung für Bürotätigkeiten.

Mittlerweile kann sie im Unternehmen verschiedenste Aufgaben übernehmen. Das reicht vom Umgang mit der Waage über Tätigkeiten in der Werkstatt und Büroarbeiten bis hin zum Steuern der Baumaschinen. Da gibt es nur eine Ausnahme: Ans Steuer des Cat Kettenbaggers 349 E lässt sie ihr Vater nur selten. Denn das sei seine Lieblingsmaschine. Ihr Revier sind die Radlader. Und hier wartet inzwischen eine neue Maschine auf sie: ein Cat 966 XE, den sie unbedingt haben wollte. „Unser bisheriger Radlader hatte bereits über 13 000 Betriebsstunden auf dem Zähler. Als Schlüsselmaschine in unserm Kieswerk muss er jederzeit zuverlässig einsatzbereit sein. Das war zuletzt nicht mehr ausreichend gewährleistet“, berichtet Laura Skokanitsch. Auf der Messe IFAT in München kam sie mit Henri Frey von der Zeppelin Niederlassung München ins Gespräch. Zunächst ging es um eine Gebrauchtmaschine. Doch die vielen kurzen Fahrwege und häufigen Ladevorgänge im Kieswerk rückten schließlich den Cat 966 XE in den Fokus. Für dieses Einsatzprofil sei das Antriebskonzept des XE interessant, erklärte der Verkaufsrepräsentant. Das überzeugte auch Laura Skokanitsch. Heute bewegt sie mit dem Cat 966 XE und seiner 4,8 Kubikmeter großen Schaufel Sand und Kies, schiebt Haufwerke, beschickt Siebanlagen und belädt Lkw. Was für sie als Kind ein großer Sandkasten war, ist längst ihr Arbeitsplatz geworden. Und den hat sie sich Schritt für Schritt selbst erschlossen.
KASTEN:
Frau am Bau
Frauen sind in klassischen Bauberufen und erst recht am Steuer von Baumaschinen nach wie vor deutlich in der Minderheit. Zwar beträgt ihr Anteil unter allen Beschäftigten im Bauhauptgewerbe inzwischen elf Prozent. Betrachtet man jedoch ausschließlich die klassischen bauhauptgewerblichen Berufe, sind lediglich 2,3 Prozent der Beschäftigten weiblich. In den Ausbauberufen liegt der Frauenanteil bei 2,7 Prozent. Etwas stärker bewegt sich inzwischen der Nachwuchs: Unter den gewerblichen Auszubildenden in bauhauptgewerblichen Berufen bereits 4,8 Prozent Frauen. Das zeigen die 2026 veröffentlichten Zahlen des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie auf Basis der Beschäftigtenstatistik vom Juni 2025. Warum Frauen selten Bauberufe ausüben, hat auch historische Gründe: Frauen waren in Westdeutschland lange Zeit in zahlreichen Tätigkeiten des Bauhauptgewerbes nicht vorgesehen. Bis 1994 bestand dort ein Beschäftigungsverbot, das Frauen unter anderem von eigentlichen Betriebsarbeiten und der Beförderung von Roh- und Werkstoffen bei Bauten ausschloss. Anders war die Situation in der DDR. Frauen konnten dort, wenn auch vergleichsweise selten, als Maurerinnen und Betonbauerinnen arbeiten oder Baumaschinen in den Tagebaustätten bewegen. 1994 fiel das Beschäftigungsverbot im Westen. Doch mehr als drei Jahrzehnte später sind Frauen in klassischen Bauberufen und erst recht am Steuer von Baumaschinen noch immer nicht die Regel. Laura Skokanitsch zeigt mit ihrem Cat 966 XE, dass sich daran etwas ändern kann.
Oktober 2026

