Wenn der Cat 319 die Lücke im Fuhrpark schließt

Auf der bauma in München stand der Cat 319 im Scheinwerferlicht und weckte das Interesse des Hildesheimer Abbruch- und Recyclingunternehmers Jürgen Hoffmann. Er suchte nach einem kompakten Bagger: Ein Cat 315 war ihm zu klein, ein Cat 325 zu groß. Die Baumaschine auf der Messe mit 21,6 Tonnen Einsatzgewicht passte in die Lücke. Also machte der Firmenchef in München bei Harald Koschny, dem leitenden Verkaufsrepräsentanten der Zeppelin Niederlassung Hannover, Nägel mit Köpfen und orderte das erste von der Zeppelin-Gruppe verkaufte Modell auf der Messe, das nun in den Abbrucheinsatz geht.

Anders als auf einer großflächigen Erdbaustelle definieren bestehende Gebäude, Grundstücksgrenzen und andere Hindernisse den Aktionsradius der Baumaschine auf innerstädtischen Baustellen rund um den Firmensitz, Hannover und Braunschweig. Nicht der große Hochhausabbruch steht bei dieser Maschine im Mittelpunkt, sondern der Rückbau kleinerer Objekte, bei denen Kompaktheit und Leistung zusammenkommen müssen. „Baustellen werden immer enger. Da sind Maschinen mit kompakter Bauweise gefragt“, so Harald Koschny. Genau für solche Einsatzbedingungen wurde der Kurzheckbagger entwickelt: Der Heckschwenkradius des Cat 319 beträgt 1 750 Millimeter. „Wenn wir im innerstädtischen Bereich Häuser zurückbauen, können wir kaum unseren Cat Kettenbagger 336 einsetzen. Er wäre dafür viel zu schwerfällig. Außerdem haben wir nicht immer Aufträge mit einem Volumen von 100 000 Kubikmeter umbauten Raum, sondern bearbeiten auch kleinere Projekte“, so Jürgen Hoffmann. Für solche Einsätze braucht er eine wendigere Maschine.

Mehr Beweglichkeit bringt auch der Verstellausleger der Baumaschine mit 2,60 Meter Länge ins Spiel: Er ermöglicht es, den Arbeitsbereich flexibel an die jeweilige Aufgabe anzupassen. So kann der Bagger sowohl nah an der Maschine als auch auf größere Reichweite arbeiten. Das zahlt sich insbesondere beim Abbruch und unter beengten Platzverhältnissen aus. 600 Millimeter breite Gummibodenplatten gehören ebenfalls zur Konfiguration. Beim Transport spielt die kompakte Bauweise ihre Vorteile ebenso aus. Der Cat 319 kommt auf eine Transportbreite von 2,80 Metern und lässt sich damit problemlos per Tieflader zu den Baustellen bringen. Da im Tiefbau nicht jede Einsatzstelle direkt mit dem Tieflader erreichbar ist und die Maschine mitunter einen Teil der Strecke auf der Straße zurücklegen muss, kommen die Gummi-Pads gelegen.

Wolfgang und Jürgen Hoffmann (links und rechts) mit Harald Koschny (Mitte), dem leitenden Verkaufsrepräsentanten der Zeppelin Niederlassung Hannover. Foto: Zeppelin

Kompaktheit und Flexibilität allein reichen im Rückbau nicht aus. Sobald ein Anbaugerät ins Mauerwerk greift oder schweres Material aufgenommen und bewegt werden muss, ist Stabilität gefragt. Müssen Gebäudeteile beseitigt oder Fundamente freigelegt werden, kommt es zudem auf Kraft an. Ein anderes Mal braucht es wiederum Fingerspitzengefühl, wenn einzelne Betonplatten, Träger oder Fassadenteile gezielt aus der Konstruktion gelöst werden müssen, während unmittelbar daneben Bauteile unversehrt bleiben sollen. Dann wird aus dem Bagger ein Präzisionswerkzeug: Ausleger und Anbaugerät müssen sich exakt positionieren und die vorhandene Kraft fein dosieren lassen.

Gleichzeitig muss der Cat 319 ausreichend Leistung für unterschiedliche Anbaugeräte mitbringen. Sortiergreifer, Tief- und Schwenklöffel sollen nicht nur beim eigentlichen Rückbau zum Einsatz kommen, sondern auch beim Sortieren und Verladen der anfallenden Materialien. Mineralische Bestandteile können anschließend aufbereitet und wieder als Baustoff eingesetzt werden. Damit fügt sich die Maschine in das Leistungsspektrum von Hoffmann ein: Neben Abbruch und Entkernung gehören Schadstoffsanierung, Tieflader- und Schwerlasttransporte, Baustoffhandel sowie Beton- und Bauschutt-Recycling zum Leistungsspektrum. Für die Arbeiten stehen eigene Maschinen zur Verfügung, darunter zwei Cat Kettenbagger der Modellreihe 336, ein Cat Mobilbagger M318D, ein Cat Minibagger 301.8 sowie die Cat Radlader 972, 950 und 908. Im bestehenden Maschinenpark soll der Cat 319 damit jene Lücke schließen, die bereits den Ausschlag für die Kaufentscheidung auf der bauma gegeben hatte.

„Ich erwarte mir von unserem neuen Arbeitsgerät Zuverlässigkeit“, erklärt Jürgen Hoffmann. Verschiedene Assistenzsysteme wie eine serienmäßige 2D-Steuerung, Abziehautomatik oder Kontrollwaage unterstützen den Einsatz des Cat 319. Eine vollintegrierte 3D-Steuerung ist optional verfügbar. Da der Cat 319 künftig auch Aushubarbeiten übernehmen soll, wird bereits überlegt, die 3D-Steuerung bei Bedarf nachzurüsten.

Wie anspruchsvoll Rückbauarbeiten werden können, hat sich in der Vergangenheit bei Abbruchprojekten des Hildesheimer Abbruch- und Recyclingunternehmens gezeigt. Eines der größten Projekte in der 73-jährigen Firmengeschichte war der Rückbau der AOK am Pferdeturm in Hannover, bei dem ein fast 90 Tonnen schwerer Longfront Bagger Cat 365 mit über 30 Meter Reichhöhe zum Einsatz kam. Dieser stellt das bisher größte Gerät der Firmengeschichte dar.

Nicht ganz so hoch fiel der Abbruch des letzten der drei Hochhäuser in Dripsenstedt aus, die vor rund fünf Jahrzehnten errichtet und damals als „Leuchttürme modernen Lebens“ bezeichnet wurden. Dort arbeitete ein 63-Tonnen-Bagger mit einer fast drei Tonnen schweren Abbruchschere bis in rund 25 Meter Höhe. Firmenchef Jürgen Hoffmann saß dabei selbst im Bagger. Dass er weiß, was eine Maschine im Rückbau leisten muss, kommt somit nicht von ungefähr. Der 63-Jährige steuert seit 35 Jahren Baumaschinen und arbeitet seitdem mit Zeppelin zusammen. Er koordiniert die Baustellen, während sein Bruder Wolfgang sich vom Büro aus um die kaufmännischen Aufgaben kümmert. Das Familienunternehmen besteht seit 1953, inzwischen ist die dritte Generation an Bord. Mit dem Cat 319 erweitert Hoffmann seinen Maschinenpark nun bewusst nicht um noch mehr Größe, sondern um eine Maschine für jene Rückbauprojekte, bei denen Beweglichkeit, Kraft und Fingerspitzengefühl zusammenkommen müssen.

Oktober 2026