130 000 Kubikmeter Material werden mit einer Spezialgrabenräumschaufel aus der Isar geholt

Kies, Sand, Holz und Wurzeln – das lagert sich alles im Lauf der Zeit in der Isar ab. Wie wichtig es ist, diese von der Gewässersohle im Zuge eines Hochwasserschutzes auszubaggern, zeigte sich angesichts schnell ansteigender Flusspegel aufgrund von Starkregen in den letzten Wochen dieses Jahres. Aber auch im Zeitraum 2015 bis 2022 kam es im Bereich der vereinigten und kleinen Isar verstärkt zu Ablagerungen. Dies wurde bei den letzten flächigen Vermessungen der Gewässersohle 2021 und 2022 durch das Wasserwirtschaftsamt Landshut festgestellt. 130 000 Kubikmeter Material hat darum der Seilbaggerbetrieb Gran aus Buch am Erlbach in seiner Funktion als Nachunternehmer aus der Isar herausgeholt, um die wasserrechtlich festgelegte Höhe der Gewässersohle wiederherstellen und im Fall eines 100-jährigen Hochwassers die Wassermengen der Isar im Landshuter Stadtgebiet problemlos abführen zu können. Vorsorglich wurde auch Kies in Teilbereichen der Gewässersohle der großen und kleinen Isar entnommen. Um den Auftrag stemmen zu können, musste das auf Massenerdbewegung und Nasskiesabbau spezialisierte Unternehmen Gran seinen Kettenbagger, festgezurrt auf einem schwimmenden Stelzenponton, an den Einsatz anpassen, um das spezielle Grabwerkzeug als Festanbau zu verwenden.

Um Kies aus der Isar zu entnehmen, war eigens ein drei Meter breiter Grabenräumlöffel konstruiert worden.

Eigens war darum ein drei Meter breiter Löffel konstruiert worden, der die Anforderungen der Isar berücksichtigte. „Es stellte sich schnell heraus, dass wir Anpassungen vornehmen mussten, sonst hätten wir das Tagespensum von rund 5 000 Tonnen Aushub nicht einhalten können“, erklärt Geschäftsführer Andreas Gran. Ursprünglich sollte sein Bagger in klassischer Erdbauausrüstung das Ausbaggern übernehmen. Doch diese Baumaschine war mit ihrer Ausrüstung schnell an ihre Grenzen gestoßen. Deswegen ließ Andreas Gran einen drei Meter breiten Speziallöffel für Wasserbau mit einem Fassungsvermögen von 3 500 Litern bei der Firma Resch-Ka-Tec bauen. Involviert waren dabei die Zeppelin Niederlassung München und Anbaugeräteverkäufer Jens Heerdegen, um dem Baggerbetrieb ein passendes Werkzeug zum Aushub anbieten zu können. Dieses war als Grabenräumlöffel so konstruiert worden, dass das Isarwasser über Entwässerungslöcher zügig abfließen konnte. Zurück blieb in der Regel rolliges Material mit einer feinen Körnung, das mit Schlamm und Wurzeln vermischt ist. „Wir hatten es hier mit Ablagerungen zu tun, die mal 30 bis 40 Zentimeter ausmachten oder bis zu zwei Meter betrugen“, erklärt Andreas Gran. Das war nicht die einzige Hürde, vor der er stand.

Ein gebrauchter vier Meter langer Baggerstiel wurde umgebaut, für den Wassereinsatz extra ausgeschäumt und mit einer Verachtert-Aufnahme CW 55 ausgestattet. Fotos: Zeppelin

„Zu Beginn der Arbeiten hatten wir mit der Reichweite Probleme, um mit dem Bagger vom Ponton aus an die fünf Meter tiefe Flusssohle der Isar zu kommen“, so Andreas Gran. Ein gebrauchter vier Meter langer Baggerstiel wurde darum entsprechend für den Einsatz an der Baumaschine umgebaut, für den Wassereinsatz extra ausgeschäumt und mit einer Verachtert-Aufnahme CW 55 ausgestattet. Doch um den langen Stiel am Ausleger anbauen zu können, waren entsprechende Berechnungen sowie Überlegungen nötig. Immerhin: Die Traglast gab die Konstruktion her. „Wir haben den Gegenballast von zehn auf 14 Tonnen am Heck ab Werk schon erhöhen lassen und können dadurch mit dem Ausleger 2,8 Tonnen mehr Traglast abdecken“, meint Andreas Gran. Möglich machen das ein breiterer Unterwagen sowie ein optimiertes Kontergewicht. Kritische Größe war jedoch die Ausladung: So muss der volle Löffel in etwa zehn Metern Reichweite von maximal 15 Metern Klappschuten mit dem ausgebaggerten Kies beladen werden können. „Anpassen mussten wir außerdem unsere Rohrbruchventile und haben sie von 380 auf 400 Bar umgestellt, damit wir die Massenbewegung sicher und ohne Beschädigung durchführen konnten, wenn der Löffel voll beladen ist und dann der gestreckte Stiel unter Druck ist“, ergänzt er. Probleme bereitete außerdem die ursprüngliche 3D-GPS-Steuerung. Aber auch dafür hat sich Andreas Gran Unterstützung geholt. Die alte Steuerung wurde demontiert und Trimble Earthworks 3D mit dem speziellen Unterwasserkit für den Unterwassereinsatz innerhalb von zwei Tagen neu aufgebaut. Dazu wurden die GPS-Sensoren, die unter Wasser arbeiten, für den Unterwassereinsatz in einem separaten und abgedichteten Gehäuse verbaut. Dann wurden noch die Kabel in Leerschläuche verlegt, sodass der Bagger sofort nach der Einstellung und Einweisung durch die Firma Sitech loslegen konnte. „Manchmal kamen wir jedoch mit der Konstruktion an die Grenzen des Machbaren, aber wir haben bei diesem Projekt das, was damit möglich war, voll ausgeschöpft“, erklärt Andreas Gran. Geplant hat er, damit weitere Maßnahmen für Wasserwirtschaftsämter auszuführen. So wurde der Erdbauer bereits gebeten, Biotope entlang der Isar anzulegen. Der Löffel wurde explizit für Maßnahmen wie das Auskoffern gebaut. In Zukunft sollen weitere Baustellen damit ausgeführt werden, kündigt der Unternehmer an, dessen Betrieb sich auf massive Erdbewegung, den Sand- sowie Kies- beziehungsweise Nasskiesabbau und Abräumarbeiten konzentriert. 2004 machte sich Andreas Gran als Maschinenführer in der Region Landshut selbstständig. Inzwischen hat er drei Mitarbeiter beschäftigt – ein vierter soll dazukommen. Es ging in kleinen Schritten los. Erst wurde ein Bagger gekauft, dann ein Dumper angeschafft. Irgendwann kamen dann starre und schwenkbare Löffel dazu und die Aufträge wurden immer umfangreicher, wie das Beispiel an der Isar zeigt.  

August 2024