Über Indusi hinweg

Das Schienennetz der Bahn steht unter Sanierungsdruck – und mit ihm wachsen die Anforderungen an die Baukapazitäten. Bis 2035 sollen über 40 Strecken grundlegend modernisiert werden. Die Firma Lebensieg aus Winsen stellt sich auf diese Entwicklung ein und hat sich mit zwei Cat Zweiwegebaggern M323F für die steigenden Anforderungen im konventionellen Gleisbau ausgerüstet.

Auf den Baustellen wechseln die Fahrer innerhalb der Kolonne regelmäßig die Maschinen. Bereits seit 2003 arbeitete Tim Lebensieg bei den DB Fahrwegdiensten. Dort war er nicht nur als Teamleiter für Vegetation sowie Fahrwegpflege verantwortlich, sondern kümmerte sich außerdem um die Fremdvergabe an Dritte im Bereich Zweiwegetechnik. „Somit kannte ich die Gegebenheiten und Anforderungen, die bei Arbeiten an der öffentlichen Eisenbahninfrastruktur gelten“, erklärt er. 2011 machte er sich in Winsen selbstständig – zunächst im Nebenerwerb mit Erdbau- und Pflasterarbeiten. 2013 vollzog er den Schritt in die hauptberufliche Selbstständigkeit und entwickelte sein Unternehmen konsequent in Richtung Bahnbau. Heute ist die Firma Lebensieg Erdbau & Verkehrswegeunterhaltung bundesweit im Bereich Zweiwegetechnik tätig.

Von 2011 bis 2013 arbeitete er zusätzlich als Zweiwegebaggerfahrer im Gleisbau bei einem in Lüneburg ansässigen Unternehmen. Zu Beginn seiner Selbstständigkeit vermietete er sich ausschließlich als Zweiwegebaggerfahrer und sammelte dabei umfangreiche Erfahrungen auf unterschiedlichsten Baustellen im gesamten Bundesgebiet. Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 wagte er den nächsten unternehmerischen Schritt und stellte seinen ersten Mitarbeiter ein. Heute beschäftigt das Unternehmen sechs Triebfahrzeugführer und hat sich als spezialisierter Dienstleister für Zweiwegetechnik im Bahnbau etabliert.

Tim Lebensieg bietet seine Cat Zweiwegetechnik bundesweit inklusive Fahrer an und übernimmt Arbeiten als Nachunternehmer. Foto: Lebensieg

Für das immer stärker wachsende Betätigungsfeld benötigte Lebensieg schließlich einen eigenen Zweiwegebagger und wandte sich auf der NordBau 2023 an Jörg Saake, Zeppelin Vertriebsleiter Zweiwegetechnik, sowie Bernd Gerlach, leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Hannover. Er erhielt die Möglichkeit, einen Cat M323F ausgiebig zu testen. Dabei zeigte sich die Stärke der Technik insbesondere im Oberleitungsbau – einem Bereich, den das Unternehmen gezielt bedient. Beim Handling des Trommelblocks übernimmt die Maschine eine zentrale Funktion: Sie hält den Trommelblock, während Fahrdraht oder Tragseil kontrolliert abgewickelt beziehungsweise aufgewickelt wird, und sorgt gleichzeitig während der Fahrt für die notwendige Seilspannung. „Ein großer Vorteil ist, dass der Bagger über die Indusi-Magnete rollen kann und sich nicht jedes Mal ausheben muss“, erklärt Tim Lebensieg. Dafür sorgt der hydrostatische Schienenradantrieb des Cat M323F. Er gewährleistet eine erhöhte Bodenfreiheit, sodass die Sicherheitseinrichtungen im Gleisbett beim Fahren unbeeinträchtigt bleiben. Der Zweiwegebaggerfahrer kann sich dadurch vollständig auf seine eigentliche Arbeit, beispielsweise das Einziehen von Oberleitungen, konzentrieren. „Inzwischen fordert die Bahn als Auftraggeber bei Baustellen – wie zuletzt in Augsburg – sogar genau diesen Antrieb. Auch bei Arbeiten für die Münchner U-Bahn geht es praktisch nicht mehr ohne“, berichtet Tim Lebensieg.

Eine weitere Besonderheit des bis zu 23,9 Tonnen schweren Zweiwegebaggers sind seine kompakten Abmessungen. Durch das Kurzheck beträgt der Heckschwenkradius lediglich rund 1,56 Meter. Dadurch ist profilfreies Arbeiten möglich und der Schienenverkehr auf dem benachbarten Gleis kann häufig weiterlaufen. „Das kam uns im vergangenen Jahr zugute, als wir beim Bau einer Lärmschutzwand unterstützt haben. Auf dem Nachbargleis lief der reguläre Zugverkehr weiter. Während wir problemlos arbeiten konnten, musste ein anderer Bagger aufgrund seiner größeren Abmessungen pausieren“, berichtet der Unternehmer. „Was Standsicherheit, Reichweite und Hubvermögen betrifft, haben wir ebenfalls keinerlei Einschränkungen. Das gilt selbst dann, wenn wir mit dem Mulcher Bäume und Sträucher entlang der Bahnstrecke schneiden und mit dem Ausleger weit arbeiten müssen. Wir gehen damit regelmäßig an die Leistungsgrenze der Maschine und haben mit ihr sogar bereits fünf Waggons mit Gleisschotter und Mineralgemisch gezogen.“

Der Cat M323F wird im Unternehmen unter anderem zum Wechseln von Schwellen und Schienen eingesetzt. Beim Unterbau von Gleisen übernimmt der Bagger Erd- und Profilierungsarbeiten. Um größtmögliche Flexibilität zu gewährleisten, entschied sich Tim Lebensieg für den Schnellwechsler OQ Rail. Grabenräumlöffel, Zweischalen- und Sortiergreifer, Tiltrotator sowie Mulcher lassen sich damit innerhalb kürzester Zeit wechseln.

Katharina und Tim Lebensieg (Mitte) mit Jörg Saake (links), Zeppelin Vertriebsleiter Zweiwegetechnik, sowie Bernd Gerlach (rechts), leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Hannover. Foto: Zeppelin

Inzwischen gehört ein zweiter Cat Zweiwegebagger M323F zum Maschinenpark des Unternehmens. Bereits heute bietet Tim Lebensieg seine Zweiwegetechnik bundesweit inklusive Fahrer an und übernimmt Arbeiten als Nachunternehmer für namhafte Bauunternehmen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen seine Leistungen sowohl mit eigener Zweiwegetechnik als auch unabhängig von den eigenen Maschinen an. So unterstützt der Bahnbauspezialist Auftraggeber beispielsweise mit qualifizierten Zweiwegebaggerfahrern und Triebfahrzeugführern im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung. Dadurch können Kunden flexibel auf personelle Engpässe reagieren oder kurzfristig zusätzliches Fachpersonal für ihre Projekte einsetzen.

Für die Zukunft verfolgt Tim Lebensieg jedoch noch weitergehende Pläne. „Wir wollen künftig nicht nur eigene Maschinen einsetzen, sondern auch Personal ausbilden und qualifizieren“, kündigt er an. Wer auf dem deutschen Schienennetz mit einem Zweiwegebagger Bauaufgaben ausführt, muss die Grundlagen des Eisenbahnbetriebs sicher beherrschen. Genau diese Kenntnisse möchte Lebensieg zukünftigen Zweiwegebaggerfahrern vermitteln. Dazu gehören unter anderem das sichere Ein- und Ausgleisen, das Arbeiten mit Lasten, fachgerechtes Beladen, der Umgang mit Schnellwechselsystemen sowie der Einsatz verschiedenster Anbaugeräte.

Neben dem Firmensitz im niedersächsischen Winsen hat der Unternehmer inzwischen ein rund 8 500 Quadratmeter großes Betriebsgelände übernommen. Dort sollen künftig Schulungen in Theorie und Praxis stattfinden. Langfristig schwebt ihm ein eigenes Übungsgleis vor, auf dem angehende Triebfahrzeugführer sämtliche typischen Arbeitsabläufe im Bahnbau realitätsnah trainieren können. „Haben Triebfahrzeugführer ihre Ausbildung abgeschlossen, werden sie oft direkt ins kalte Wasser geworfen. Aktuell ist es kaum möglich, die erlernte Theorie in Ruhe in praktische Routine umzusetzen. Auf den Baustellen müssen sie sofort funktionieren. Für den Aufbau von Erfahrung bleibt während der kurzen Sperrpausen kaum Zeit“, beschreibt Tim Lebensieg seine Erfahrungen aus der Praxis. In diese Lücke möchte der zertifizierte Ausbilder für Baumaschinenführer stoßen, der zugleich als anerkannter Prüfer für Triebfahrzeugführer tätig ist. Selbst sitzt er heute nicht mehr täglich auf den Maschinen. „Ich springe ein, wenn einer unserer Fahrer Urlaub hat oder krank ist. Wichtig ist mir vor allem, dass unsere Mitarbeiter ihre Ruhezeiten einhalten – auch wenn der Zeitdruck auf Baustellen durch die Sperrpausen enorm ist.“ Mit moderner Zweiwegetechnik, qualifizierten Mitarbeitern und dem geplanten Ausbau der eigenen Ausbildungskapazitäten stellt sich die Firma Lebensieg auf die wachsenden Anforderungen des deutschen Gleisbaus ein.

August 2026