Netze, Kabel und Rohre mit Zukunftspotenzial

Firmenchefs geben auf: Das ist das Ergebnis einer im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung von DIW Econ und dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) durchgeführten Studie zur Unternehmensnachfolge im Baugewerbe. Befragt wurden dafür mehr als 2 500 Bauunternehmen. Rund 47 Prozent der Inhaber planen, sich zwischen 2021 und 2030 aus ihrem Unternehmen zurückzuziehen. Tatsächlich fortgeführt werden dürfte jedoch nur ein Bruchteil dieser Betriebe. Von den rund 163 000 Unternehmen mit Rückzugsplänen werden nach Einschätzung der Studie lediglich etwa 12 000 bis 15 000 eine Nachfolge finden. Ein Betrieb, dem das gelungen ist, ist Vebau aus Erfurt. Firmengründer Walter Apel übergab das Unternehmen 2024 an Andrés Sommer. Dieser hatte zunächst die Betriebsleitung übernommen, wurde 2024 Gesellschafter und baut die Standbeine seither konsequent aus, angetrieben von der Energiewende. Rohrleitungs-, Kabel- und Tiefbau werden entsprechend weiterentwickelt. Das Unternehmen tritt zunehmend als Infrastrukturpartner für Energieversorger, Kommunen und Projektentwickler auf und übernimmt Projekte von der Planung bis zur Inbetriebnahme aus einer Hand.

Zeichen für Wachstum sind Investitionen in den Maschinenpark, darunter eine Flotte aus Cat Minibaggern wie zwei 301.8, ein 302.7 und ein 305, ein Cat Radlader 908 sowie ein Cat Kettenbagger 325, geliefert von Thomas Riemer von der Zeppelin Niederlassung Erfurt. „Die Flotte an Baumaschinentechnik wird für vielfältige Aufgaben gebraucht“, so Andrés Sommer. Allen voran bringt die Energiewende neue Aufträge – insbesondere im Rohrleitungsbau, mit dem das Unternehmen groß wurde. Vebau verlegt Gas-, Wasser- und Fernwärmeleitungen, installiert Druckrohrleitungen, übernimmt Schweißarbeiten und stellt die Inbetriebnahme sicher. Dass diese Nachfrage kein Strohfeuer ist, zeigen die Zahlen: 2025 wurden rund 55 bis 56 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen gedeckt – mit steigender Tendenz. Bis 2030 sollen es rund 80 Prozent sein, was einen deutlich beschleunigten Ausbau von Netzen und Infrastruktur erfordert.

Die Energiewende bringt neue Aufträge – Investitionen in die Maschinenflotte folgten. Foto: Zeppelin

Damit reicht die Bedeutung der Projekte über das einzelne Bauvorhaben hinaus: Netzausbau, Integration erneuerbarer Energien und Modernisierung bestehender Infrastruktur sichern die Energieversorgung und treiben den strukturellen Wandel voran. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Systeme – etwa durch den steigenden Bedarf an Netzen und Flexibilitäten.

Im Kabel- und Leitungsbau werden von Vebau Stromkabel bis 30 kV verlegt. Ein wesentliches Standbein sind Erschließungsarbeiten für Batteriespeicher-, PV- und Windkraftanlagen. „Da ist ein regelrechter Hype rund um Windparks entstanden“, so der Firmeninhaber. Für solche Projekte sind umfangreiche infrastrukturelle Leistungen notwendig: von Baustraßen und Zufahrten über Montage- und Lagerflächen bis hin zu Baugruben für Fundamente inklusive Bodenverbesserung. Auch Abbrucharbeiten im Zuge des Repowerings übernimmt Vebau, und zwar alles aus einer Hand.

Andrés Sommer, Gesellschafter von Vebau, baut konsequent die Standbeine des Unternehmens weiter aus. Foto: Zeppelin

Zum Portfolio gehören außerdem Niederspannungsleitungen sowie Telekommunikations- und Glasfasernetze. Die Fachkräfte beherrschen Kabelzug- und Einblastechnik, übernehmen Wartungsarbeiten an Trafostationen, Fernwärmeanlagen und Straßenbeleuchtung und sind auch bei Störungen und Havarien im Einsatz. Hinzu kommen Tiefbauarbeiten für Umspannwerke, Hausanschlüsse für sämtliche Medien sowie Leistungen für den Breitbandausbau. Vebau fungiert dabei auch als Bindeglied zwischen Behörden, Energieversorgern und Endkunden.

Ein Wettbewerbsvorteil liegt in der breiten Eigenleistung: von Trassenplanung über CAD-gestützte Dokumentation bis hin zu GPS-Vermessung und GIS-Datenerfassung. Die Kombination aus ganzheitlicher Projektabwicklung, modernem Maschinenpark und eingespielten Teams ermöglicht eine wirtschaftliche und terminsichere Umsetzung komplexer Infrastrukturprojekte. Passend dazu der Slogan: „Vielfalt ist unsere Referenz.“

„Was uns auszeichnet, sind kurze Entscheidungswege, qualifizierte Fachkräfte und die nötigen Zertifizierungen im Versorgungsbau“, so Andrés Sommer. Der Einstieg ins Windparkgeschäft gelang über eine Empfehlung aus der Region. „Seitdem bauen wir unsere Kompetenzen weiter aus.“ Eine besondere Stärke liegt im Verlegen von Kabeltrassen – etwa bei der Anbindung von Windkraftanlagen ans Netz und der Zuleitung zu Umspannwerken. „Man muss zeigen, dass man zuverlässig ist.“

Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit Partnern wie Zeppelin. „Man kauft eine Baumaschine nicht nur wegen der Technik, sondern auch wegen der Betreuung und dem Service“, so Andrés Sommer. Vebau setzt auf die Niederlassung Erfurt, die Beratung durch Thomas Riemer und den Service. „Dahinter steckt die nötige Manpower für einen reibungslosen Betrieb des Maschinenparks“, ergänzt dieser. Die Maschinen müssen dem Anspruch der Vielseitigkeit gerecht werden. „Unsere Bagger haben Vollausstattung“, erklärt Andrés Sommer. Löffelpaket und Tiltrotator gehören zum Standard, beim Cat Kurzheckbagger 325 kommt eine 3D-Steuerung zum Einsatz, die etwa für den Wegebau von Windparks benötigt wird.

Andrés Sommer ist gelernter Straßen- und Tiefbauer und kennt die Anforderungen von der Pike auf. „Ich bin in die Führungsrolle hineingewachsen.“ Nach Stationen als Vorarbeiter, Polier und Betriebsleiter folgte der Schritt zum Geschäftsführer. 2021 wechselte er zu Vebau. „Dass ich später als Gesellschafter die Verantwortung übernehmen würde, war so für die Unternehmensnachfolge geplant.“ Dabei kann er auf ein wachsendes Team von rund 73 Mitarbeitern bauen. 2025 wurde zudem die BST Tiefbau GmbH übernommen, um die Kompetenzen im Wasserleitungsbau zu stärken – auch hier spielte die Unternehmensnachfolge eine Rolle. „Wir investieren Schritt für Schritt und bauen unsere Standbeine aus“, so Andrés Sommer, der sich über die momentane hohe Auslastung seines Betriebs freut.  

August 2026