Unterschiedliche geologische Schichten durchziehen die Lagerstätte der Theodor Stephan KG in Burbach (NRW) und erfordern eine selektive Gewinnung. Lange hatte der Tonabbau in der Grube „Auf dem Kreuz“ Vorrang. Eine 15 bis 30 Meter dicke darüberliegende Basaltschicht, die als Erosionsschutz diente, wurde jahrzehntelang nur abgetragen und als Abraum eingebaut. Mit der Entscheidung, eine vollumfängliche Wertschöpfung der Lagerstätte zu betreiben, rückt inzwischen das Hartgestein stärker in den Fokus. Das stellt neue Anforderungen an den Maschineneinsatz.

Typisch für das primäre Abbaugebiet ist der als Kreuzton bekannte hellbrennende Schieferton, der durch Verwitterung entstanden ist. Eine besondere mineralische Zusammensetzung sowie eine ungewöhnliche Kornverteilung sorgen dafür, dass er sich gut formen und gießen lässt sowie durch gute Trocknungseigenschaften und konstante Qualität auszeichnet. Daher ist das Rohmaterial in der Keramikindustrie gefragt – ob für Fliesen, Sanitärkeramik, Klinker oder Ofenkacheln. Darüber hinaus dient der Ton als funktionaler Füllstoff in Farben und Lacken sowie in Kunststoffen und Gummiprodukten. Seine gleichmäßigen Eigenschaften machen ihn zudem zu einem geschätzten Material für Glasuren. Auch in technischen Anwendungen sowie im Baubereich, etwa bei Deponieabdichtungen oder zur Bodenverbesserung, kommt der gewonnene Ton zum Einsatz.
Doch vor der Verarbeitung, Aufbereitung und Veredelung der rohen Tone durch Misch- und Mahlwerk steht der selektive Abbau an. Dieser folgt einem klar definierten, strikt getrennten Prozess, um eine ungewollte Vermischung von verschiedenen Sorten zu vermeiden. Erst muss der über der Tonschicht liegende Basalt abgetragen werden. Viele Jahre wurde der Basaltabbau vernachlässigt. Doch Arndt Nikolaus Loh, der das Unternehmen in vierter Generation führt, treibt die vollständige Verwertung des Abbaugebiets voran. „Bislang stand der Tonabbau im Vordergrund. Doch vor ein paar Jahren entdeckte man die hochwertige Qualität des Basalts, der widerstandsfähige Eigenschaften hat und daher im Tiefbau gefragt ist. Fünf Jahre lang dauerte das Planfeststellungsverfahren, bis wir den Basalt separat abbauen konnten“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter. Basalt wird zu Frostschutzkörnungen, Schotter, Bruchsteinen und zur Befüllung von Gabionen aufbereitet. Auch Splitte werden produziert – eine neue Anlage, um die Produktion mit Edelsplitten auszubauen, ist geplant, um das Geschäftsfeld stetig zu erweitern.


Die Basaltförderung erfolgt auf zwei Gewinnungsarten: Da der Tagebau über mehrere unabhängige Basaltschichten verfügt, wird je nach Situation entweder per Sprengbetrieb oder per Bagger aufgelockert. Für letzteres ist ein neuer Cat Kettenbagger 352 gefordert, der erst kürzlich von der Zeppelin Niederlassung Hanau und ihrem Verkaufsrepräsentant Moritz Caspar geliefert wurde. Die Baumaschine nimmt einen Reißzahn zur Hilfe, um das kluftige Gestein zu lösen. Ausgerüstet ist der Bagger mit einer Panzerverglasung. Weil es auf Grab- und Reißkräfte ankommt, erhielt er einen ME-Ausleger. Das wirkt sich wiederum auf die Produktivität aus. „Wir versprechen uns von dem Gerät mehr Leistung, absolute Zuverlässigkeit und einen niedrigen Spritverbrauch“, erklärt Arndt Nikolaus Loh. Der Bagger legt das Material mit einem Felslöffel einem Cat Kettenbagger 336 vor, der flexibel nach Bedarf zu große Steine mit einem Hammer vorzerkleinert und dann die Doppelbrecher-Anlage Jonsson L120-330 beschickt. Diese kombiniert Backen- und Kegelbrecher und ist somit ein mobiles Schotterwerk. Sie gilt mit einer Länge von 27,3 Metern sowie einem Gesamtgewicht von 132 Tonnen als eine der größten mobilen Brecheranlagen weltweit. Eine Tagesleistung von 2 000 bis 3 000 Tonnen ist machbar. Neben der Produktionsleistung zeichnet den Doppelbrecher aus, dass sämtliche Antriebe über ein dieselelektrisches Aggregat versorgt werden und die Anlage daher alternativ auch elektrisch betrieben werden kann. Die erste Brechstufe sorgt für die Grobzerkleinerung des aufgegebenen Basaltrohmaterials. In der zweiten Brechstufe samt Siebdeck werden dann die fertigen Körnungen hergestellt und per Förderband aufgehaldet. Ein Cat Radlader 966M fährt das Material auf Halde und belädt Kunden-Lkw.

Der Ursprung des mittelständischen Unternehmens liegt im Herzen der Schwerindustrie: In Essen wurde die Theodor Stephan KG 1902 gegründet. Sie widmete sich zunächst der Förderung von Formsanden und der Verwertung von Schlacken. Doch schon früh verlagerte sich der Schwerpunkt vom Sand zum Ton. Mit dem Erwerb der Tongruben „Stoss“ und „Auf dem Kreuz“ in den Jahren 1919 und 1938 begann der schrittweise Aufbau eines eigenständigen Rohstoffgeschäfts. Technologisch setzte das Unternehmen immer wieder Akzente: 1969 nahm man erstmals eine Walzenschüssel-Mühle zur Mahltrocknung von Ton in Betrieb – ein Schritt, der die Aufbereitung grundlegend veränderte. Wenige Jahre später folgte der nächste Einschnitt: In den 70er-Jahren stellte der Betrieb vom Untertagebau auf Tagebau um und passte sich damit den geänderten Anforderungen an. Mit dem Erwerb der Grube „Augusta-Oelkaut“ im Taunus kam 1979 eine weitere Lagerstätte hinzu: Neben Ton wurden nun auch Rohkaoline gewonnen. Aus einem Zulieferer der Schwerindustrie war ein spezialisierter Rohstoffanbieter geworden, der sich kontinuierlich an neue geologische und industrielle Rahmenbedingungen angepasst hat, wie das Beispiel Basalt zeigt. Darüber hinaus hat die Theodor Stephan KG mittlerweile einen weiteren Baustoff ins Visier genommen: Bentonit. Neben Einsatzfeldern in Landwirtschaft, Gartenbau und Industrie spielt Bentonit insbesondere im Tiefbau eine wichtige Rolle, etwa in Stützflüssigkeiten, als Dichtungsmaterial oder bei Bohrarbeiten. Die konsequente Erschließung aller Rohstoffschichten ist damit nicht nur ein betrieblicher Schritt, sondern eine strategische Entscheidung für eine wirtschaftlich durchdachte Nutzung der Lagerstätte.
August 2026

