Batterieelektrischer Cat Radlader 950 GC arbeitet bei BioIN im Kompostwerk

Innovationen werden selten über Nacht geboren – sie müssen reifen. Zwischen ersten Gesprächen über einen batterieelektrischen Radlader und dem heutigen Praxiseinsatz des Cat 950 GC Electric liegen Entwicklungsarbeit, technische Anpassungen, die Inbetriebnahme einer Ladeinfrastruktur und die Abstimmung zwischen Hersteller Caterpillar, Händler Zeppelin und Kunde, der BioIN GmbH aus Ingolstadt. Bis die Vorserienmaschine, die erste im Dauereinsatz in Deutschland in der Abfallwirtschaft, konstant ihre tägliche Arbeit in der Biogasanlage und im Kompostwerk leistet, muss die eine oder andere Anpassung im Tagesgeschäft bewältigt werden.

Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen dazu beitragen, der neuen Technologie den Schritt zur Marktreife zu ebnen. Sie dienen aber auch den BioIN-Gesellschaftern, bestehend aus der Büchl-Gruppe sowie den Ingolstädter Kommunalbetrieben (IN-KB), als fundierte Entscheidungsgrundlage für den künftigen Einsatz elektrischer Arbeits- und Baumaschinen, um Potenziale, Herausforderungen und Wirtschaftlichkeit der Elektromobilität unter realen Einsatzbedingungen zu bewerten.

Peter Meißner (Zweiter von links), BioIN-Geschäftsführer, und Horst Feghelm (Zweiter von rechts), BioIN-Betriebsleiter, mit dem BioIN-Maschinisten Nico Feghelm und Theresia Brändle (links), Zeppelin Senior-Produktmanagerin für mittelgroße Radlader, sowie Fabian Schäfer (rechts), Zeppelin Vertriebsrepräsentant.

2022 wurde daher eine Vorvereinbarung mit Zeppelin geschlossen und damit von dem Betrieb signalisiert, dass Potenzial für das batterieelektrische Antriebskonzept besteht. Konkret wurde es für BioIN auf der bauma 2025, als Einzelheiten über den Maschineneinsatz besprochen wurden, der direkt nach der Messe für den batterieelektrischen Radlader für zweieinhalb Monate beginnen sollte. Vorausgegangen war diesem Test, dass zusammen mit den Teams von Caterpillar und Zeppelin die nötige Infrastruktur geschaffen wurde. Das bedeutete, Kabel zu verlegen, einen Hypercharger aufzubauen und die bestehenden Stromspeicher anzuschließen. Fahrer von BioIN brauchten eine umfassende Einweisung – insbesondere im Hinblick auf E-Antrieb, Aufladung, Reinigung und die tägliche Sichtkontrolle. „Wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht“, so Peter Meißner, BioIN-Geschäftsführer. Die zentrale Frage bei dem Einsatz: Wie lange reicht die Batterie und wann muss die Maschine wieder geladen werden? Das beschäftigte BioIN nicht nur für den Maschinentest, sondern auch für den nächsten Schritt, als im Februar 2026 ein Cat Radlader 950 GC Electric als Miet-/Leasingmodell den Betrieb aufnahm.

Die batterieelektrische Baumaschine unterstützt im harten Betriebsalltag, wo rund 25 000 Tonnen Bio- und 10 000 Tonnen Grünabfälle der Ingolstädter Kommunalbetriebe sowie der Landkreise Eichstätt, Neuburg, Alb-Donau und der Stadt München pro Jahr verwertet werden. Der Haupteinsatz: Mit ihrer vier Kubikmeter großen Hochkippschaufel fährt sie in die Haufwerke und beschickt eine Siebanlage mit Gärresten. „Da kommt es auf Effizienz an“, meint Peter Meißner. Zu den weiteren Aufgaben gehört das Umschichten von Mieten, das Umschlagen von Haufwerken sowie das Beladen von Walking-Floor-Lkw. Hier sind wiederum Genauigkeit und Geschwindigkeit gefragt.

Bewegt wird das Arbeitsgerät durchschnittlich vier bis sechs Stunden am Tag, ohne dass eine Zwischenladung fällig ist. „Wir haben keinen Dauerbetrieb von acht Stunden am Stück, sodass wir mit der geladenen Batterie gut über den Tag kommen. Wichtig ist für uns aber eine volle Auslastung, das heißt, eine intensive tägliche Nutzung der Maschine und dass sie was bewegt“, erklärt Peter Meißner. Dafür wird ein integriertes Onboard-Ladegerät mit 22 kW für Wechselstrom genutzt. „Das hat gut funktioniert“, so das Resümee. Doch das Unternehmen wollte im Fall der Miet-/Leasingmaschine auf seinen eigenen Stromspeicher zugreifen. Zeppelin Rental sorgte dann für die passenden Verteilerschränke, Kabel und Strecker, sodass die Maschine direkt an dem Speicher nach 16 Uhr aufgeladen werden kann. Denn die Batterie soll über Nacht bis zum Arbeitsbeginn am nächsten Tag voll werden und der Radlader wieder vollständig einsatzbereit sein. „Entscheidend ist für uns, dass wir am Morgen mit dem Radlader losfahren können“, macht Peter Meißner klar. Die Maschine hat ein Batteriemanagementsystem, das den Ladezyklus der vier Batterien überwacht und kontrolliert, dass es nicht zur Tiefenentladung kommt. Somit wird sichergestellt, dass die Lebensdauer der Batterien erhalten bleibt.

Grünen Strom produziert BioIN am Standort selbst per Photovoltaikanlage und mit der seit 2012 betriebenen Biogasanlage. Mit dem Biogas, das aus Bioabfall erzeugt und zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird, können jedoch nicht nur rund 2 500 Einfamilienhäuser mit Strom versorgt werden, sondern vorgesehen ist es auch, den mittelgroßen Cat Radlader 950 GC Electric zu betreiben. „Wir können daher die Baumaschine auch einsetzen, wenn mal keine Sonne scheint, und somit selbst mit einem so energieintensiven Radlader dieser Größe arbeiten. Der batterieelektrische Radlader ist für uns eine Chance, den selbst produzierten Strom bestmöglich zu nutzen. Unser langfristiges Ziel ist es, klimaneutral zu werden und alle mobilen Maschinen auf elektrischen Betrieb umzustellen“, macht Peter Meißner deutlich.

Der 950 GC Electric verfügt über ein Einsatzgewicht von 19,7 Tonnen. Im Vergleich zum Modell mit konventioneller Antriebstechnik gibt es den gleichen Antriebsstrang für die Achsen. Der batterieelektrische Antrieb besteht aus zwei Elektromotoren für den Antrieb und die Hydraulik sowie Leistungselektronik-Komponenten mit dem Inverter für die Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom. Die Kabine ist in der Elektro-Version gleich geblieben. Unverändert sind auch der Vorderwagen, das Hubgerüst und die Hydraulik. Der batterieelektrische Radlader ist im hinteren Bereich aufgrund seiner Batterien um 33 Zentimeter länger. Sicherheitshalber ist er daher am Standort von BioIN auf maximal 20 km/h begrenzt. „Eigentlich hätte ein Cat Radlader 938 aufgrund der Größe besser zu uns gepasst“, erklärt Peter Meißner. Doch eine Maschine in der 16-Tonnen-Klasse gibt es von Caterpillar aktuell noch nicht in der batterieelektrischen Ausführung, sondern nur das nächstgrößere Modell. Das bedeutete jedoch eine Umstellung für die Fahrer. „Die Fahrwege sind eng. Die Fahrer hatten anfangs Respekt wegen der Maschinengröße, wenn sie dann unter der Freihalle Lkw beladen“, so Horst Feghelm, BioIN-Betriebsleiter. Maschinisten, die bislang gewohnt waren, Baumaschinen mit Dieselmotor zu steuern, mussten sich auf die neue Technologie einlassen. „Es geht nicht nur um das direktere Ansprechverhalten, auf das sie sich einstellen mussten. Sie müssen mit dem Radlader auch eine größere Schaufel bewegen. Nicht alle waren auf Anhieb überzeugt, doch das hat sich inzwischen geändert. Wir haben dem Team erklärt, warum wir diesen Schritt gehen wollen“, so Peter Meißner. Hinter das Steuer lässt das Unternehmen nur diejenigen Maschinisten, die damit umgehen können. „Überrascht hat uns alle dann das Leistungspotenzial und die Performance des Radladers“, räumt Peter Meißner ein. Horst Feghelm ergänzt: „Das Gerät reagiert schnell. Das merkt man vor allem beim Umsetzen der Haufwerke, wenn die Schaufel eindringt. Sie kommt tiefer rein und der Radlader kann auch höher reinfahren.“ Umgewöhnen mussten sich die Fahrer auch dahingehend, dass sie ihr Arbeitsgerät laden und für genügend Saft sorgen. „Wird das vergessen oder wird der Lader nicht korrekt angeschlossen, müssen wir den Betrieb umplanen, Mitarbeiter anders einsetzen und auf einen anderen Lader zugreifen“, so Peter Meißner. Auch das war ein Lernprozess für das Fahrer-Team.

Die Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz des Cat 950 GC Electric könnten Signalwirkung für die gesamte Büchl-Gruppe haben. Denn auch ihre weiteren Entsorgungs- und Recyclingbetriebe beziehungsweise Standorte befassen sich mit dem Umstieg auf elektrische Antriebe. „Auch für Caterpillar und Zeppelin ist dieser Praxiseinsatz von besonderer Bedeutung, weil wir unter realen Einsatzbedingungen wertvolle Erkenntnisse über Leistung, Energieverbrauch, Ladeverhalten und Verfügbarkeit des batterieelektrischen Radladers gewinnen. Diese Erfahrungen fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Serienmaschinen ein“, erklärt Theresia Brändle, Zeppelin Senior-Produktmanagerin für mittelgroße Radlader. Daher begleitet sie zusammen mit dem Team der Abteilung Service-Technik-Schulung den Einsatz, aber auch der Service der Zeppelin Niederlassung München und ihr Vertriebsrepräsentant Fabian Schäfer stehen bei Fragen zur Verfügung.

Für Peter Meißner und Horst Feghelm zählt am Ende die Wirtschaftlichkeit. Neben der Reduzierung von Emissionen soll der batterieelektrische Radlader zeigen, ob sich alternative Antriebstechnologien im harten Recyclingalltag dauerhaft bewähren und wirtschaftlich betreiben lassen. „Wir müssen uns überlegen, ob das Gerät wirtschaftlich Sinn macht und dabei die Maschinengröße den höheren Anschaffungskosten gegenüberstellen. Aktuell arbeiten wir mit drei Radladern, vielleicht reichen in Zukunft auch nur zwei Maschinen aus“, ist ein Gedanke von Peter Meißner. Ein anderer betrifft das Thema Laden. „Es beginnt beim eigenen Speicher, der nicht konstant durchweg funktioniert hat. So konnten wir unseren günstigen PV-Strom nicht nutzen und mussten den Strom von der Biogasanlage beziehen. Auch das muss bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung berücksichtigt werden. Nur wenn Technik zuverlässig funktioniert und mit hoher Auslastung im Einsatz ist, rechnet sie sich auch“, meint der BioIN-Geschäftsführer. Am Ende muss der Stromverbrauch in Relation zum Dieselverbrauch gesetzt werden. Und das auf die Laufzeit gesehen, die bei BioIN im Schnitt bei acht bis zehn Jahren liegt. Peter Meißner weiß, dass eine neue Technologie wie Elektro­mobilität eine große Transformation darstellt. „Ein Radlader ist nur „ein“ Gerät in unserem Maschinenpark. Will man die Elektrifizierung vollumfänglich umsetzen, muss man auch Pkw und Lkw sowie die gesamte Lade- und Energieinfrastruktur mitdenken. Das ist kein einzelnes Investitionsprojekt, sondern ein langfristiger Transformationsprozess für das gesamte Unternehmen. Ob der batterieelektrische Radlader am Ende die günstigere Option ist, ist abschließend noch nicht zu beantworten. Derzeit sind wir noch dabei, das herauszufinden“, so das aktuelle Fazit des Geschäftsführers.

August 2026