Baumaschinen für den Export – gebrauchte Cat Radlader und Kettenbagger nach Umbau von Stufe-IIIB-Motoren

Sie trennen nicht nur mehr als 10 705 Kilometer Luftlinie: Peru und die Zeppelin Niederlassung Hamm, sondern um von Deutschland nach Südamerika zu gelangen, sind einige Anstrengungen erforderlich. Insbesondere, wenn es sich dabei um gebrauchte Baumaschinen handelt. Denn um diese außerhalb der EU aufgrund der schlechten Dieselqualitäten in den Empfängerländern exportieren zu können, müssen Geräte zuvor umgebaut werden, sofern sie einen Motor der Stufe IIIB besitzen. Dass der Baumaschinenlieferant Zeppelin inzwischen dabei einige Erfahrungen vorweisen kann, zeigen erfolgreich in den Einsatz gebrachte Radlader und Kettenbagger der Marke Cat in Ländern, die nicht so strenge Emissionsvorschriften an diese stellen.

Ob Cat Radlader der K-Serie, Kettenbagger der E-Serie oder Dumper der B-Serie: Sie alle weisen einen Stufe-IIIB-Motor mit elektronisch geregelter Abgasreinigungstechnik auf. Dessen Abgasrückführung, die Nachbehandlung und die Partikelfilter brachten für den Export von gebrauchten Baumaschinen eine große Herausforderung: Die modernen Motoren sollten nur mit aschearmem Motorenöl und Dieselkraftstoff mit einem Schwefelgehalt unter 15 ppm betrieben werden, so die Vorgabe seitens Caterpillar, sonst können die Abgaswerte nicht eingehalten werden. In den Ländern mit strengen Abgasvorschriften – wie eben Deutschland – kein Problem. In anderen Ländern außerhalb Europas, wie Peru, sind diese Betriebsmittel nicht verfügbar.

Cat 962K Export
Ist für Saudi-Arabien vorgesehen: ein Cat 962K, den Marc Büsing (links), Gebrauchtmaschinenmanager, und David Friedrichs, Vertriebsleiter Gebrauchtmaschinen, verkauften.

„Deswegen wurde der Weg des Rückbaus der Abgasreinigungsanlage gewählt, um einen sicheren und störungsfreien Betrieb zu gewährleisten und das Problem zu umgehen“, so David Friedrichs, Vertriebsleiter Gebrauchtmaschinen bei Zeppelin. Im Zuge des Umbaus werden unter anderem die Verbrennung und das Abgasnachbehandlungssystem an den höheren Schwefelgehalt im Dieselkraftstoff angepasst. „Wir waren nicht nur der erste, sondern sind immer noch der einzige Händler von Caterpillar, der bislang so einen Umbau vornimmt und gelten weltweit als einer der Vorreiter.  So ein Rückbau ist immer dann sinnvoll, wenn Geräte der K-, E- oder B-Serie eine preisgünstige Alternative darstellen und der dortige Markt nichts Entsprechendes hergibt“, meinte Kurt Kerler, Bereichsleiter Gebrauchtmaschinen. Inzwischen hält er rund um den Globus Vorträge vor anderen Caterpillar Händlern, um Umbaumaßnahmen nicht nur in Europa, sondern in Asien und Amerika voranzutreiben. „In Gesprächen treten viele Fragen auf. Viele wissen gar nicht, dass für einige Cat Maschinen für viele Länder und bis zu einem Schwefelgehalt von nicht mehr als 2 000 ppm gar kein Umbau erforderlich ist. Noch müssen wir Überzeugungsarbeit leisten, aber wir konnten schon mehrfach den Beweis antreten, dass mit solchen Baumaschinen erfolgreich gearbeitet werden kann“, machte er deutlich. Dabei gehe es nicht ausschließlich um Caterpillar Händler alleine, sondern vor allem um freie Händler und Endkunden im In- und Ausland.

2016 baute die Niederlassung Berlin den ersten Cat Radlader 966K mit Stufe- IIIB-Motor um. Ziel der Baumaschine war Ghana, um dort das Laden von Sand und losem Schüttgut zu übernehmen. „Die große Frage war aber, ob der Rückbau trotzdem einen stabilen Betrieb vor Ort sicherstellen kann. Denn das ist Grundvoraussetzung für Kunden, denen aufgrund der Distanz keine schnelle Rücknahme oder ein Ersatzgerät zur Verfügung steht“, berichtete David Friedrichs. Er ging damals auf Nummer sicher, indem er die Garantie auf 500 Betriebsstunden erhöhte und mit seinem Wort geradestand, die Maschine wieder auszuführen, sollte sie nicht zuverlässig laufen. Dieser Schritt war jedoch nicht erforderlich. Um Langzeiterfahrungen zu sammeln, werden alle 500 Betriebsstunden von dem Gerät Ölproben genommen. „Grundsätzlich können ausländische Kunden, die sich für eine Gebrauchtmaschine mit Stufe- IIIB-Motor entscheiden, auf die Unterstützung und den Service von Zeppelin verlassen“, so der Vertriebsleiter.

349EL Export Gebrauchtmaschine
Erstmals wurde auch ein Cat Kettenbagger 349EL für den Einsatz in Guinea in Westafrika umgebaut. Fotos: Zeppelin

Inzwischen folgten auf den Cat 966K der erste Cat Kettenbagger 349EL, Baujahr 2012 mit 6 822 Betriebsstunden. Ihn vermittelte Roger Immig, Vertriebsleiter Gebrauchtmaschinen, an einen Caterpillar Händler in Guinea in West-Afrika. „Der Bestand an Maschinen mit Stufe IIIA geht in diesen Ländern langsam zu Ende. Weswegen ein Umbau eine interessante Alternative darstellt“, so Immig. Dieser wurde von der Zeppelin Niederlassung Hamm vorbereitet. Außerdem rüstete Zeppelin weitere Radlader mit Stufe-IIIB Motoren für den Export um. Als ein Cat 950K, Baujahr 2013, rund 4 887 Betriebsstunden aufwies, war seine Zeit gekommen, ihm ein zweites Maschinenleben einzuhauchen. Diesen bereitet die Zeppelin Niederlassung Hamm für den Export vor. Dafür griff sie ebenfalls auf Umbaukits von Caterpillar zurück. Mit diesen wird beispielsweise die Abgasnachbehandlungsanlage von Maschinen und Industriemotoren entfernt und das Motormapping verändert, um den Betrieb in Ländern mit gemäßigten oder ohne Richtlinien zu ermöglichen – ein Eingriff, den nur Cat Händler wie Zeppelin vornehmen können. Das bedeutet aber auch: Die Maschine darf nicht mehr in ihr Ursprungsland rücküberführt werden.

Das Gleiche machten Zeppelin Servicemitarbeiter aus Hannover auch für einen Cat 962K, der über den Cat Händler in Kasachstan für einen Einsatz in Saudi- Arabien vorgesehen war. Dorthin hatten Gebrauchtmaschinenmanager Marc Büsing und David Friedrichs den Radlader verkauft, als sie die Anfrage erhielten, einen 20-Tonnen Lader zu suchen, der wenige Betriebsstunden und einen guten technischen sowie optischen Zustand aufwies. Für den Umbau wurde auf die Erfahrungen zurückgegriffen, welche die Kollegen in Berlin bereits gemacht hatten. Dabei hielten sie sich genau an die Anleitung von Caterpillar, welche Teile wann zu wechseln sind. Hauptkomponenten wurden totgelegt und eine neue Software programmiert und eingespielt. „Die Maschine verliert ihre CE-Zertifizierung, sodass sie und der Motor neu gelabelt werden müssen“, erklärte Marc Büsing. Der Rückbau der Abgasreinigungsanlage konnte innerhalb eines Tages ausgeführt werden. Zeppelin musste nicht nur die Baumaschine zusätzlich kundengerecht für den Industrieeinsatz mit einer Feuerlöschanlage, Schaufel mit Schneidmesser und einer Gabel ausrüsten, sondern auch für die Zollabwicklung und den Transport sorgen. Aber das ist täglicher Alltag im weltweiten Geschäft mit Gebrauchtmaschinen.

März/April 2017