Fernsteuerung Cat Command schafft neue Einsatzmöglichkeiten

Was auf Messen wie der kommenden steinexpo oder der NordBau auf den ersten Blick wie eine technische Spielerei wirkt, hat längst seinen Weg in die Praxis gefunden: Die Fernsteuerung Cat Command wurde für Einsatzbereiche entwickelt, in denen Menschen potenziellen Gefahren ausgesetzt sind. Heute reicht das Spektrum von der Kampfmittelbergung über Abbrucheinsätze bis hin zum Rohstoffabbau. Wie zuverlässig und sicher die Technologie aus der Distanz funktioniert, zeigt Zeppelin auf den beiden Fachmessen in Neumünster und in Homberg-Nieder-Ofleiden. Die Besonderheit dabei: Die Maschine arbeitet weiterhin auf der Baustelle. Der Fahrer künftig nicht unbedingt.

Wie von Geisterhand wird der Cat Kurzheckbagger 319 präzise einen Beton-Legostein anheben und ihn millimetergenau auf seinem Platz absetzen. Was Besucher der NordBau erleben können, steht beispielhaft für einen Technologiewandel, der in Richtung Automatisierung geht. Mit Cat Command zeigt Zeppelin, wie sich Baumaschinen mithilfe einer Konsole remote aus sicherer Entfernung steuern lassen und führt auf der Fachmesse außerdem mit einer stationären Kommandostation eine weitere Variante vor. Von Neumünster aus werden im knapp 2 200 Kilometer entfernten Caterpillar-Vorführ- und Schulungszentrum im spanischen Málaga mehrere Maschinen in Echtzeit ferngesteuert. Gleiche Technologie, anderer Einsatz: Auch auf der steinexpo rückt Zeppelin die Fernsteuerung in den Fokus: Bei den mehrmals täglich stattfindenden Maschinendemos wird demonstriert, wie sich ein Cat Radlader 966XE mit einer mobilen Konsole bei direktem Sichtkontakt bedienen lässt. Zu sehen sein wird, wie er in Echtzeit auf die Steuerbefehle wie Start und Stopp, Füllen und Entleeren der Schaufel sowie Heben und Senken des Hubgerüsts reagiert, ohne dass ein Fahrer hinter seinem Steuer sitzt. Zudem wird auch hier die Variante mit der Kommandostation vorgestellt, über die Cat Baumaschinen in Málaga auf dem Demogelände von Caterpillar aus der Ferne gesteuert werden.

Variante Kommandostation. 

Die Wurzeln der Fernsteuerung bei Caterpillar reichen bis ins Jahr 1968 zurück. Auch wenn die Anwendung damals noch in den Kinderschuhen steckte und von der heutigen Technologie meilenweit entfernt war, zeigt der lange Zeitraum, seit wann mit dem Gedanken gespielt wurde, Arbeitsgeräte remote zu bewegen. Mittlerweile hat sich viel getan. So wächst die Zahl der Cat Geräte, die damit ferngesteuert Lade-, Planier- und Aushubarbeiten ausführen. Peu à peu wird daran gearbeitet, weitere Baumaschinen wie Kompaktmaschinen für die Remote-Steuerung aus sicherer Entfernung freizuschalten. Für sie stehen zwei unterschiedliche Lösungen zur Verfügung. Mit einer mobilen Konsole lassen sich Cat Kettenbagger der Baureihen 313 bis 395 sowie Radlader von 950 bis 982 aus bis zu 400 Metern Entfernung und bei direktem Sichtkontakt bedienen. Die Betriebsbefehle werden über Funk direkt an die Elektronik der Maschine gesendet. Dies führt zu einer Echtzeit-Steuerung, sodass die Baumaschine genau die Funktionen und Steuerbefehle ausübt, die der Bediener vorgibt, während er dabei stets in Sichtkontakt bleibt und so die Maschinenbewegung kontrolliert. Der Vorteil: Eine Konsole erfordert keine Kommunikationsinfrastruktur vor Ort. Für den Fall, dass der Bediener stolpert und die Konsole nicht mehr im Griff hat, gibt es eine Sicherung. Denn sobald sich die Konsole um 45 Grad oder mehr neigt, schaltet sich die Baumaschine automatisch ab.

Wo sich die Maschine außerhalb des direkten Sichtfelds bewegt, kommt die Kommandostation ins Spiel. Die Station, in der Regel in einem mobilen Container untergebracht, umfasst einen Fahrersitz, so wie er auch in Baumaschinen verbaut ist, plus Steuerelemente und Displays. Auf ihnen werden die Maschinendaten und Kamerabilder in Echtzeit dargestellt, worüber die Baumaschine gesteuert sowie ihre Bewegungen visualisiert werden. Darüber lassen sich auch alle notwendigen Einstellungen durchführen oder Assistenzsysteme anzeigen, um beispielsweise den Baggerfahrer zu unterstützen. Zum Beispiel erleichtert die Grade-Technologie das Abziehen mit dem Löffel. Doch da geht noch mehr: Assistenzsysteme wie Cat Payload liefern dem Fahrer dabei in Echtzeit die Information darüber, wie viel Material sich im Löffel befindet. So lässt sich ein Unter- oder Überladen von Lkw vermeiden.

Variante mobile Steuerkonsole. Fotos: Zeppelin

Der Fahrer bewegt die Maschinen mit Universal-Joysticks. Das ermöglicht es ihm, über längere Zeiträume ermüdungsfrei zu arbeiten. Maschinenvibrationen, die der Bediener sonst spürt, sind hinfällig. Wer nicht in die Maschine steigen muss, kann auch nicht herunterfallen oder sich den Fuß umknicken. Typische Arbeitsunfälle werden folglich stark reduziert. Hinzu kommt: Ein Fahrer kann auch von einer Station aus eine Gruppe von bis zu fünf Maschinen via Schnellzugang nacheinander bedienen, ohne zur Maschine fahren zu müssen. Der Wechsel nimmt gerade einmal ein paar Sekunden in Anspruch.

Per Funk werden – wie bei der Konsole – die Eingaben direkt an die Maschinenelektronik übermittelt. Die Bedienelemente bieten dieselbe Ansprechzeit wie die in der Fahrerkabine. So behält der Maschinist die präzise Kontrolle bei allen Arbeiten. Auch die Kommandostation ist auf einen Notfall vorbereitet: Steht der Fahrer vom Sitz auf, hält die Baumaschine an. Oder wenn die Datenübertragung unterbrochen ist, stoppt die Maschine aus Sicherheitsgründen sofort. Zudem besteht die Möglichkeit, einen A-Stopp-Hand-Sender einzuschalten, mit dem die Remote-Verbindung zur Maschine jederzeit getrennt und auch nur über diesen Sender wiederhergestellt werden kann.

Bereits heute zeigt sich, wohin sich der Baumaschineneinsatz entwickelt: Der Arbeitsplatz des Maschinisten verändert sich – der Fahrer muss nicht mehr zwangsläufig in der Kabine sitzen, um die volle Kontrolle über seine Maschine zu behalten.

August 2026