Schneller, höher, weiter: Das letzte Quäntchen können die Fahrer aus ihrem Arbeitsgerät herausholen, wenn sie wissen, welche Einstellungen sie vornehmen können. Wie sie das Ansprechverhalten einer Baumaschine beeinflussen und entsprechend ihrer Vorlieben anpassen, erfahren sie bei der Einweisung in neue Technik, die verpflichtend für die Inbetriebnahme ist. Eine solche gab es ganz coronakonform auch für Frank Sauer, der einen neuen Cat Radlader 938M erhalten hat, als ihm die grundlegenden Funktionen gezeigt wurden. Auf was er achten muss, wenn er damit Hackschnitzel, Rindenmulch, Humus, Blumenerde oder Kompost verlädt, zeigte ihm Philip Schill, Zeppelin Servicetechniker der Niederlassung Böblingen. Wie tief Mitarbeiter wie er bei der Einweisung in die neue Technik eintauchen und wie intensiv Fahrer wie Frank Sauer einstiegen wollen, entscheidet nicht nur der Kenntnisstand des Maschinisten, sondern hängt auch von der Anwendung ab.
Im Fall des Cat Radladers 938M wird im Wechsel mit einer sechs Kubikmeter großen Hochkippschaufel, einer 2,9 Kubikmeter großen Erdbauschaufel und einer Palettengabel gearbeitet. Verschiedene Schaufelpositionen und insbesondere deren Eindringverhalten in die verschiedenen Haufwerke können abgespeichert und abgerufen werden. „Das lasse ich in der Regel den Fahrer selbst einstellen. Auch das an- und abkoppeln machen wir zunächst gemeinsam, dann einzeln. Denn wichtig ist die sichere Verriegelung“, meint Philip Schill. Sicherheitsaspekte gehören zu jeder Einweisung dazu. Aufgrund der Hochkippschaufel muss der Bediener die Kamera für sein Sichtfeld im Blick behalten – auch das kann eine Umstellung sein, an die sich ein Maschinist gewöhnen muss. Ob alle Optionen neuer Technik einer Baumaschine angewendet werden und der Fahrer sie komplett ausschöpft, hängt an jedem einzelnen, wie weit er sich damit auseinandersetzen will, sind die Erfahrungen des Zeppelin Mitarbeiters. Deutlich umfangreicher fällt dagegen die Einweisung bei neuen Kettenbaggern aus, wie er sie ebenfalls jede Woche vornimmt, was durch zahlreiche Assistenzsysteme wie die 2D-und 3D-Steuerung bedingt ist. „Da gibt es unendlich viele Fragen und der Kenntnisstand variiert stark. Mancher Maschinist wird einfach ins kalte Wasser geworfen und hat keinerlei Vorkenntnisse, andere kennen nahezu jeden YouTube-Film dazu auswendig. Man merkt schnell, ob jemand Bock hat, sich mit neuer Technik zu beschäftigen und anhand ganz spezieller Fragen, wie interessiert jemand ist, Neues zu lernen und anzuwenden“, so Philip Schill. Doch auch Spielereien gehören dazu. Etwa, wenn es darum geht, den Reifenluftdruck in Relation zum Untergrund einzustellen, was bei der Einweisung ebenfalls erfolgt. Da hat jeder seine eigenen Wünsche: Frank Sauer bevorzugt es komfortabel.

Für seinen Umschlagplatz, den er 2019 von seinem Vater geerbt hat, hat der Unternehmer die Baumaschine bei Wilfried Gries, leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Böblingen, angeschafft. Schon sein Vater hat mit einem Radlader aus den USA gearbeitet und Rinden verarbeitet. „Er war von Cat einfach überzeugt – es sind gute Maschinen. Warum sollte ich da wechseln? Schließlich bin ich vorher schon Radlader gefahren. Jetzt ist zwar mehr Elektronik verbaut, aber ich habe die nötigen Funktionen alle ausprobiert und sie funktionieren tadellos“, so Frank Sauer. Er unterhält einen Fuhrbetrieb und ist tagsüber mit seinem Lkw auf Baustellen unterwegs. In den Abendstunden wechselt er das Lenkrad gegen die Joystick- Steuerung. Denn er betreibt zugleich ein Lohnunternehmen und dafür setzt er die Baumaschine ein. 3 000 Quadratmeter des 10 000 Quadratmeter großen Umschlagplatzes hat er an das Unternehmen Zollikofer vermietet. Der Spezialist lagert dort Hackschnitzel. Für den Umschlag war ein Radlader nötig, den Frank Sauer zur Verfügung stellt. „Damit kann ich weitere Dienstleistungen anbieten“, führt er aus. Privatkunden holen bei ihm Rindenmulch, Blumen- oder Komposterde ab – auch dafür sorgt das Ladegerät. Im Frühjahr, wenn die Gartensaison losgeht, herrscht Hochbetrieb. Ein Maschinenausfall käme höchst ungelegen. Deswegen wird bei der Einweisung in die Gerätetechnik auf Aspekte der Maschinenwartung eingegangen – wird sie regelmäßig durchgeführt, sorgt sie für den Werterhalt und verhindert unnötigen Verschleiß. „Fahrer sollten vor Betriebsstart etwa die Füllmenge der Betriebsmittel kontrollieren“, rät Philip Schill. Ein obligatorischer Wartungsrundgang und eine Sichtkontrolle sollten vor jedem Maschinenstart obligatorisch sein. Das war Frank Sauer wiederum bekannt und wird von ihm praktiziert. Schließlich will er sein neues Arbeitsgerät lange nutzen.
Mai/Juni 2021

