Im Takt massiver Massenbewegungen

Wenn auf einer der größten Infrastrukturbaustellen Europas, dem Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark, dutzende Gewerke und ein eng getakteter Bauablauf aufeinandertreffen, bleibt für einen Nachunternehmer ein ganz begrenzter Spielraum. Baumaschinen müssen laufen. Gewaltige Massen müssen bewegt, aus- und eingebaut sowie mitunter wieder verdichtet werden. Vereinbarte Leistungen sind auf den Punkt auszuführen. Mittendrin in diesem Umfeld bewegt sich das Lohnunternehmen Hoffmann aus Bebensee, das eine Schlüsselrolle in der Erdbewegung spielt. Wer hier bestehen will, muss weit mehr leisten als Erdarbeiten auszuführen. Gefordert sind organisatorisches Geschick, schnelle und pragmatische Entscheidungen sowie die Fähigkeit, die eigene Leistung nahtlos in den Takt eines Großprojekts einzufügen. Kleine Verzögerungen können sonst weitreichende Folgen für nachgelagerte Arbeitsschritte haben und sich auf den weiteren Bauablauf auswirken.

Die Bandbreite der Aufgaben reicht vom Abtrag und Transport großer Bodenmassen über die Herstellung und Unterhaltung von Baustraßen bis hin zur Vorbereitung neuer Arbeitsbereiche für nachfolgende Gewerke. Entsprechend vielfältig muss die Maschinentechnik sein. Für die Erdarbeiten kommen knapp 50 Cat Baumaschinen zum Einsatz, darunter Kettenbagger der Typen 352, 350, 340, 336, 330 LRE, 323 und 315. Ergänzt werden sie durch Cat Mobilbagger M318, M316 und M314. Für die Entladung von Schiffen sind der Cat Umschlagbagger MH3260 und der Cat Deltalader 289D3 vorgesehen. Lade- und Logistikaufgaben stemmen Cat Radlader 980, 966XE, 938, 926, 908 und 906. Material transportiert eine Flotte von Cat Dumpern 730 und 725. Das Abtragen und Einbauen von Material übernehmen Cat Raupen D6XE und D2 LGP, während Cat Walzenzüge CS66B für die Verdichtung sorgen.

Insgesamt sind 128 Maschinen und 22 Schlepper plus Kleingeräte im Einsatz, die gemanagt werden müssen. Für Geschäftsführer Matthias Hoffmann und seine Schwester Martina Kropp, die für die Bauleitung verantwortlich ist, gehört diese Abstimmung zum Tagesgeschäft. Alles dreht sich um Fragen wie: Welche Maschine wann an welchem Bauabschnitt benötigt wird? Wo werden zusätzliche Kapazitäten gebraucht? Und wann müssen sie umgesetzt werden? Maschinen, ihre Wartung und die Betankung, aber auch die Einsatzplanung der Geräte und von rund 70 Mitarbeitenden müssen täglich aufeinander abgestimmt werden. Nur so ist der Nachunternehmer überhaupt in der Lage, bei einem Projekt dieser Größenordnung mitzuwirken. „Die Anforderungen sind wirklich hoch. Die ersten zwei Jahre haben wir 24/7 gearbeitet. Ich bin stolz, dass wir hier auf dieser bedeutenden Baustelle unseren Teil beitragen können“, erklärt Matthias Hoffmann. Seine Partnerin Bibi Jodlowski, die hinter dem Steuer eines Cat Radladers 980 sitzt, fungiert dabei als Bindeglied zwischen Fahrern und Bauleitung. Denn auf einer Baustelle dieser Größenordnung reicht es nicht aus, Maschinen effizient zu bedienen. Die Fahrer müssen jederzeit wissen, welche Aufgabe ansteht, wo sie eingesetzt werden und wie sich ihre Arbeit in den Gesamtprozess einfügt. Neben aller Produktivität hat die Sicherheit einen immensen Stellenwert. Unterstützt werden die Maschinisten deshalb durch Rückfahrkameras, KI-gestützte Kameratechnik und Assistenzsysteme wie Cat Detect zur Personenerkennung. Die Systeme prüfen das direkte Maschinenumfeld. Das hilft, den Überblick auf einer Großbaustelle zu behalten, die permanent in Veränderung ist.

Sicherheit ist jedoch nur ein Teil der digitalen Unterstützung auf der Baustelle – unverzichtbar ist die 3D-Steuerung für die Ausführung der Erdarbeiten, die den Fahrern Soll- und Ist-Werte in Echtzeit anzeigt und ihnen dabei hilft, Planum, Böschungen und Dämme präzise herzustellen. Gerade bei einem Großprojekt mit hohen Anforderungen an die Ausführungsqualität lassen sich Nacharbeiten reduzieren und Arbeitsabläufe effizienter gestalten. „Ohne 3D wäre das Projekt undenkbar“, meint Matthias Hoffmann.

Seitdem sein Unternehmen 2021 in das Projekt einstieg und mit sechs Traktoren, einem Bagger und einer Raupe in Tag- und Nachschicht loslegte, haben sich die Aufgaben im Zuge des Baufortschritts verändert. Während zu Beginn vor allem vorbereitende Erdarbeiten entlang der Küste und die Herstellung der Baustelleninfrastruktur im Vordergrund standen, verlagerte sich der Schwerpunkt. Parallel zur Entstehung der großflächigen Baugrube wurden Material umgelagert und neue Arbeitsbereiche für nachfolgende Gewerke vorbereitet. Die Anforderungen an die Maschinenkoordination stiegen mit der Entwicklung der Großbaustelle kontinuierlich. Mit der Inbetriebnahme des eigens für das Projekt errichteten Arbeitshafens gewann dann die Baustellenlogistik weiter an Bedeutung. Seitdem werden große Mengen Material angeliefert, umgeschlagen und auf dem Baufeld verteilt. Für das Lohnunternehmen Hoffmann bedeutet das, Maschinen und Personal über große Entfernungen hinweg präzise aufeinander abzustimmen, Bodenmassen zu bewegen, zwischenzulagern und an anderer Stelle wieder einzubauen. Ein Teil des aus dem Tunnelgraben gewonnenen marinen Aushubs wird beispielsweise auf dem Baufeld gelagert und anschließend beim Aufbau neuer Dammkörper und Verkehrswege wiederverwendet.

Kernaufgabe des Erdbauers ist es, Materialströme über Jahre hinweg flexibel zu steuern. Mit dem Fortschritt der Baumaßnahme passte das Lohnunternehmen Hoffmann seinen Maschinenpark laufend an die veränderten Anforderungen an und investierte in die nötige Technik bei der Zeppelin Niederlassung Hamburg. Das ist zum einen dem harten Dauereinsatz geschuldet. Viele Maschinen erreichen innerhalb kurzer Zeit hohe Laufleistungen. Zum anderen muss auf die anspruchsvollen Bodenverhältnisse reagiert werden. „Es handelt sich unter anderem um verschiedene Tone. Wir haben es mit schwerem Erdbau zu tun“, erklärt der Unternehmer. Daraus resultieren auch besondere Anforderungen an die Maschinenausstattung. Kettenbagger und Raupen verfügen beispielsweise über breite Bodenplatten, um den Bodendruck zu reduzieren und auch auf weichen Untergründen ausreichend Traktion zu bieten. Für Arbeiten mit großer Reichweite setzt das Lohnunternehmen Hoffmann wiederum auf zwei neue Cat 330 LRE. Der Long-Reach-Bagger ermöglicht es, Böschungen und Materialflächen auch aus größerer Distanz zu bearbeiten und reduziert dadurch Umsetzvorgänge auf der Baustelle. Matthias Hoffmann hat viele Ideen, welche dem Team die Arbeit erleichtern. So werden mehrere überdimensionale Steinharken eingesetzt, die den Boden von Findlingen befreien. „Ohne das „Auskämmen“ der Steine wäre eine Bodenstabilisierung nicht möglich“, berichtet Matthias Hoffmann. Auch mehrere 3,80 Meter breite Grabenräumlöffel haben sich auf der Baustelle bewährt.

Unter diesen Bedingungen kommt es nicht nur auf einen leistungsstarken Maschinenpark an, sondern auch auf die Fähigkeit, sich Tag für Tag auf wechselnde Anforderungen einzustellen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Organisation, aber auch an den Baumaschinenlieferanten Zeppelin und die Niederlassung Hamburg. Feste Ansprechpartner für den Nachunternehmer sind Niederlassungsleiter Lars Käselau, Gebietsverkaufsleiter Dirk Carstensen und Serviceberater Sebastian Fälchle, die den Lohnunternehmer seit Projektbeginn begleiten und ihm auch bei Fragen am Wochenende oder Feierabend zur Verfügung stehen. Wenn sich kurzfristig Anforderungen auf der Baustelle ändern oder zusätzliche Technik benötigt wird, müssen schnelle Entscheidungen getroffen werden. Da bleibt keine Zeit für lange Abstimmungen. Dass Matthias Hoffmann seit rund 20 Jahren auf Zeppelin in Hamburg setzt, zahlt sich gerade unter diesen Bedingungen aus. „Als wir das erste Mal über das Projekt und die ersten Maschinen gesprochen haben, kam die deutliche Ansage: Ich brauche einen Partner, der 24/7 bereitsteht. Das ist nicht verhandelbar“, erzählt Lars Käselau. „Mit unserem Team aus 25 Außendiensttechnikern, von denen immer einer nachts oder am Wochenende Notdienst hat, konnten wir das 24/7-Versprechen geben. Sollte der Notdienst schon bei einem anderen Kunden im Einsatz sein, finden wir eine Alternative. Benötigte Ersatzteile werden dabei über Nacht direkt nach Fehmarn versendet. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich das Unternehmen entwickelt hat. Da bedarf es Weitsicht und einer ordentlichen Portion Risikobereitschaft.“

Für das Lohnunternehmen Hoffmann steht und fällt der Auftrag damit, Baumaschinen verfügbar zu halten. Wartung, Ersatzteilversorgung und Reparaturen müssen abgestimmt sein, damit die benötigten Maschinen möglichst ohne Verzögerung einsatzbereit auf der Baustelle stehen. Treten technische Probleme auf, zählt vor allem eines: schnelle Hilfe. Deswegen hat auch der zuständige Zeppelin Serviceberater Sebastian Fälchle eine wichtige Rolle auf der Baustelle. Regelmäßig ist er vor Ort, um den Bestand von Wartungs- und Verschleißteilen im Lagercontainer zu prüfen und dann nachzubestellen. Auch die Wartungen werden durch ihn koordiniert. „Muss ein Schiff entladen werden, stehen Wartungen hintenan“, sagt Martina Kropp, die sich immer direkt mit Sebastian abspricht.

Auf einer Baustelle dieser Größenordnung entscheidet am Ende nicht allein die Leistung einzelner Maschinen, sondern das Zusammenspiel von Menschen, Technik und Organisation. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung für das Lohnunternehmen Hoffmann, das dort ein großes Rad dreht und sich auf der Baustelle durch Leistung und Flexibilität einen Namen gemacht hat.

Kasten:

Zahlen, Daten, Fakten

            Länge:

•    Der rund 18 Kilometer lange Absenktunnel wird Lolland in Dänemark und Fehmarn in Deutschland verbinden.

     Der Tunnel enthält:

•    eine Eisenbahnstrecke: zwei Gleise in separaten Röhren, elektrifiziert

•    eine Autobahn: vier Spuren, je zwei in einer Fahrtrichtung mit durchgehendem
Seitenstreifen in einer separaten Röhre

     Konsortien für den Bau des Tunnels:

•    Fehmarn Belt Contractors (FBC): Aushub- und Landgewinnungsarbeiten

•    Femern Link Contractors (FLC): Tunnelelementfabrik, Absenktunnel sowie Portale und
Rampen

•    Femern SICE Cobra (FSC): elektrische und mechanische Anlagen

•    Beauftragte Bauunternehmen u.a.: Wayss & Freytag und Max Bögl

     Größe:

•    Dänische Baustelle: Insgesamt über 500 Hektar. Davon Tunnelelementfabrik inklusive Produktionsanlagen und Arbeitshafen: rund 220 Hektar beziehungsweise 310 Fußballfelder

•    Deutsche Baustelle an Land: rund 90 Hektar beziehungsweise 130 Fußballfelder. Arbeitshafen: knapp 10 Hektar beziehungsweise 14 Fußballfelder. Die deutsche Tunnelbaustelle erstreckt sich entlang bestehender Trassen über rund drei Kilometer landeinwärts. 

August 2026