Auf dem Schongauer Schrottplatz der Firma Drosdz Rohstoffrecycling wartet hinter jedem Haufen eine andere Aufgabe: Mal braucht es dafür die Kraft einer fünf Tonnen schweren Schrottschere, mal ist die Präzision eines Polypgreifers gefragt und manchmal genügt ein Magnet, um den Materialfluss am Laufen zu halten. Kaum ist ein Arbeitsschritt erledigt, steht der nächste an. Das erfordert eine Umschlagmaschine, die ihre Rolle ebenso schnell wechseln kann wie die Anforderungen auf dem Platz – fast wie ein Chamäleon. Stahlschrott und Altmetalle aus dem Maschinenbau und der Automobilzuliefererindustrie müssen für Stahlwerke oder Gießereien vorsortiert, geschnitten und verladen werden. Das Recyclingunternehmen Drosdz hat sich deswegen für einen Cat Umschlagbagger MH3032 mit dem ersten vollhydraulischen Schnellwechsler Zeppelin Quick Connect (ZQC) entschieden. Es ist die erste Maschine, die in dieser Konstellation entwickelt wurde und in den Schrotteinsatz ging.
Das thermische Schneidbrennen war jahrzehntelang ein etabliertes Verfahren im Schrottrecycling. Doch die neue Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) hat seit August 2022 die regulatorischen Anforderungen verändert – seitdem gelten strengere Emissionsgrenzwerte. Das wirkt sich auf das Arbeiten mit einer Schrottschere aus, die nun in Betrieben häufiger zum Einsatz kommt, weil mechanisches Schneiden an Bedeutung gewinnt. Die weitere Entwicklung: Für Schrottplätze wird es im Zuge des Fachkräftemangels schwieriger, Mitarbeiter zu finden, die mit einem Schweißbrenner arbeiten wollen. „Beides führte bei uns zu Anfragen, sodass Zeppelin den vollhydraulischen Schnellwechsler ZQC entwickelt hat, der auch mit einer Fünf-Tonnen-Schere an einem Cat Umschlagbagger arbeiten kann“, erklärt Michael Sünder, Zeppelin Projektleiter von der Abteilung Customizing, die diese Lösung für den Einsatz in der Schrott- und Altmetallverarbeitung auf den Weg gebracht hat.

Sie basiert auf dem Oilquick-Schnellwechsler OQ80i und erlaubt den Wechsel einer fünf Tonnen schweren Schere und einer vier Meter Stielverlängerung mit einem Mehrschalengreifer. Eine Anwendung, die der Recyclingbetrieb Drosdz erst einmal testen wollte, bevor er damit tagtäglich arbeitet. „Die Möglichkeit, eine solche Schere in dieser Maschinenklasse einzusetzen, ist marktweit einzigartig und bietet hohe Flexibilität im täglichen Betrieb“, unterstreicht Henning Jansen, Leiter der Zeppelin Niederlassung München. Das erkannte auch Drosdz, sodass der Entsorger darauf zurückgriff und eine solche Lösung dort bestellte. „Mit so einem Schnellwechsler-System haben wir bereits in der Vergangenheit gearbeitet. In der Umschlagtechnik hat sich einiges getan, sodass wir nun einen neuen Weg mit Cat gehen“, erklärt Georg Hartmann, Vorstand von Drosdz Recycling. Vorgabe war dabei, die vorhandenen Arbeitswerkzeuge zu übernehmen. Sie mussten dafür an den vollhydraulischen Schnellwechsler angepasst werden.
„Mit dieser Lösung müssen wir nicht zwei Geräte vorhalten, sondern haben einen Bagger, der sich auf dem Platz gut versetzen lässt und gleich mehrere Arbeitsschritte wie das Vorsortieren, Zerkleinern, Verladen und Aufnehmen von Material übernehmen kann“, so der Drosdz-Vorstand. Mit dem Schnellwechsler lässt sich ein Werkzeugwechsel schnell direkt aus der Kabine durchführen, ohne dass der Fahrer auch nur einen Fuß vor die Kabinentür setzen muss. „Das Arbeiten ist deutlich sicherer und komfortabler. Schließlich wollen wir dem Fahrer einen Arbeitsplatz mit Wohlfühlatmosphäre bieten, nicht zuletzt, weil er große Verantwortung trägt und den entscheidenden Anteil an der Wertschöpfung hat“, meint Georg Hartmann. Kurze Rüstzeiten sorgen dafür, dass der Materialfluss kaum unterbrochen wird. Damit die fünf Tonnen schwere Schere nicht zulasten der Standsicherheit geht, wurde ein 1,7 Tonnen schweres Zusatzkontergewicht am Cat MH3032 angebaut, sodass der Umschlagbagger damit an die 35 Tonnen Gesamtgewicht erreicht. Mit seiner Vier-Meter-Stielverlängerung und dem Mehrschalengreifer wird eine Reichweite von 13 Metern erzielt. Die Reichhöhe zum Aufhalden von Material liegt bei bis zu 15 Metern. Das Thema Sicherheit setzt sich in der Kabine des Materialumschlaggeräts fort. Sie erreicht im ausgefahrenen Zustand 5,8 Meter über dem Boden. Somit hat der Fahrer eine gute Sicht auf die mobile Presse, wenn er diese beschickt.

Dank der elektrohydraulischen Vorsteuerung lässt sich der Cat Umschlagbagger präzise und feinfühlig bedienen. Die Maschine kann individuell auf Fahrer und Einsatz abgestimmt werden, während die Hydraulik nur die tatsächlich benötigte Leistung bereitstellt. Das sorgt für eine exakte Kontrolle der Anbaugeräte, schnellere Arbeitszyklen und einen effizienten Kraftstoffeinsatz, auf den das Management achtet.
Gleichzeitig schafft die elektrohydraulische Architektur die Voraussetzung für intelligente Assistenzsysteme, welche die Sicherheit im täglichen Materialumschlag unterstützen. Dazu zählt etwa die Hub- und Schwenkbegrenzung E-Fence, die wiederum von Vorteil im Halleneinsatz ist. Sie hält den Arm innerhalb eines vordefinierten Arbeitsbereichs von der Kabine fern. Dies wird mit der neuen Swing-Assist-Funktion kombiniert, welche die Schwenkbewegung automatisch an einem vom Fahrer festgelegten Punkt stoppt.
Doch Technik allein genügt auf einem Schrottplatz nicht. Ebenso wichtig ist die Verfügbarkeit. Denn wenn der Materialfluss ins Stocken gerät, macht sich jede ungeplante Standzeit sofort bemerkbar. „Steht die Maschine, steht der halbe Platz“, bringt es Georg Hartmann auf den Punkt. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Service und Ersatzteilversorgung. „Wir erwarten eine persönliche Betreuung. Am Ende des Tages werden Geschäfte mit Menschen gemacht – Digitalisierung hin oder her. Probleme bleiben nicht aus und es kommt in dem Fall darauf an, wie schnell man sich um uns kümmert“, meint der Vorstand. Zeppelin Verkaufsrepräsentant Henri Frey ist dann gefordert, eine Lösung zu finden.
„Vor über zehn Jahren ist Zeppelin in das Segment Materialumschlag und Recycling eingestiegen, um dort Kunden für Cat Maschinen zu begeistern. Wir haben seitdem unser Produktprogramm stark ausgebaut und entwickeln uns stetig weiter“, so Henning Jansen. Der Cat MH3032 mit ZQC ist dafür ein gutes Beispiel. Dieser ist prädestiniert, Materialflüsse auf dem Platz von Drosdz effizient zu steuern. Die Aufbereitung beschränkt sich am Standort Schongau jedoch nicht nur auf Stahlschrott und Altmetalle. Aufgrund der Nähe der ortsansässigen Papierfabrik UPM hat sich das Recycling von Altpapier zu einem weiteren zentralen Standbein entwickelt – allein in diesem Bereich arbeiten bis zu fünf der rund 30 Mitarbeiter und ein weiterer Umschlagbagger. „Wir haben kurze Wege zu unseren Kunden, was ein großer, aber nicht der einzige Vorteil ist: Außerdem sind wir sehr breit aufgestellt, was uns flexibel macht“, skizziert Georg Hartmann die Stärken des Portfolios. Zum Geschäft gehört ein Containerdienst. Entsorgt werden Gewerbe-, Industrie- und Baustellenabfälle. Hinzu kommen Kunststoffe sowie Altholz. Drosdz gehört zum Firmenverbund der Scherrieble-Gruppe aus Esslingen, die rund 150 Mitarbeiter beschäftigt. „Die Branche steht vor Veränderungen durch neue Umweltauflagen, den Fachkräftemangel und schwankende Stoffströme. Auch wir spüren die Folgen der einsetzenden Deindustrialisierung. Unsere Antwort darauf: Wir sind vor Ort präsent und, falls nötig, für unsere Kunden auch am Samstag und Sonntag da. Ich denke, dass Dienstleistungen für einen Betrieb wie Drosdz in Zukunft noch wichtiger werden, aber eben auch Lösungen, mit denen wir flexibel auf solche Herausforderungen reagieren können“, macht Georg Hartmann klar. Mit dem Cat MH3032 und dem vollhydraulischen Schnellwechsler setzt Drosdz darauf, sich wie ein Chamäleon an wechselnde Bedingungen anzupassen.
August 2026

