Wie Dreger Tiefbau Digitalisierung auf die Baustelle bringt

Wie viel Digitalisierung braucht es, um Fortschritt auf Baustellen zu ermöglichen, ohne dabei die Mitarbeiter zu überfordern und sie trotzdem mitzunehmen? Vor dieser Gratwanderung stehen viele Baufirmen – auch die Firma Dreger Tiefbau aus Sassenberg im Münsterland. Sie hat einen Kompromiss gefunden, indem sie moderne Technik nutzt, aber mit Augenmaß, wie Unternehmer Daniel Dreger versichert. Denn nach wie vor sind für ihn handwerkliche Fähigkeiten die Grundlage – Digitalisierung kann Know-how und Erfahrung nicht ersetzen. Erst wenn das handwerkliche Fundament stimmt, kann moderne Technik ihr volles Potenzial entfalten und Mitarbeiter unterstützen. „Wir mussten viel lernen, Mitarbeiter erst mal heranführen und uns umstellen“, skizziert er den Weg, den sein Unternehmen geht, um digitaler zu werden. Mit der Investition in Technik allein sei es ihm zufolge nicht getan. „Es reicht nicht, einem Polier einen Roverstab in die Hand zu drücken und dann zu sagen: Wir sind digital“, stellt er klar.

Auch wenn der Tiefbau zum Firmennamen gehört, so macht das Unternehmen Dreger Tiefbau weitaus mehr: Zu den Geschäftsbereichen gehören der Straßenbau, der Erdbau sowie Abbrucharbeiten. Inzwischen kommen immer mehr Aufträge aus dem Bereich Renaturierung. „Man merkt, dass viele begradigte Flüsse wieder ihren ursprünglichen Verlauf erhalten“, so Daniel Dreger. Aufträge führen er und seine 35 Mitarbeiter in erster Linie für öffentliche Auftraggeber aus. Dazu zählen Gemeinden, Kommunen, Städte und Versorger in der Region.

Digitalisierung kann handwerkliche Fähigkeiten unterstützen, ist Daniel Dreger überzeugt.

2011 hat sich Daniel Dreger direkt nach der Meisterprüfung in Sassenberg im Münsterland selbstständig gemacht. Aufgewachsen zwischen Baumaschinen und Baustellen, kam Daniel Dreger schon früh mit dem Bauhandwerk in Berührung. Seine Familie ist seit Generationen im Hoch-, Tief- sowie Garten- und Landschaftsbau tätig, sodass er bereits als Jugendlicher im elterlichen Betrieb mitarbeitete. Handwerkliches Können und Ausbildung sind für ihn darum die Voraussetzung, dass das Zusammenspiel mit den verschiedenen Gewerken überhaupt erst funktioniert und am Ende kein Pfusch am Bau, sondern qualitativ hochwertige Arbeit entsteht. „Wir entscheiden darum ganz bewusst, welche Technologien für uns sinnvoll sind und was wir nutzen wollen. Moderne Cat Baumaschinen und digitalisierte Prozesse helfen, auf die steigenden Anforderungen der Branche zu reagieren und wettbewerbsfähig zu bleiben. Allerdings darf man sich nicht blind darauf verlassen“, erklärt der Unternehmer mit klarer Leidenschaft für das Handwerk. So wie bei 3D-Steuerungen. „Exakte Ergebnisse setzen korrekte Geländedaten, eine sauber kalibrierte Maschine und zuverlässige Korrektursignale voraus. Fehler entstehen meist nicht durch die Steuerung selbst, sondern durch ungenaue Ausgangsdaten, Verschleiß an der Maschine oder schwierige Empfangsbedingungen auf der Baustelle. Bevor man solche Systeme einsetzt, muss man grundsätzlich wissen, wie man ein Planum anlegen muss. Nur so kann man nachvollziehen, wenn eine Korrektur nötig ist. Man muss heute immer noch einen Plan in die Hand nehmen und ihn lesen können“, erklärt er.

Der Einstieg in die Digitalisierung erfolgte zunächst über die Vermessung. Mit einem Roverstab wurden Gelände, Höhen und Punkte erfasst. „Wir haben unseren Polier damit auf die Baustellen geschickt, um das Gelände abzustecken und Punkte und Höhen zu ermitteln“, berichtet Daniel Dreger. Aus den aufgenommenen Punkten entstanden im Büro digitale Geländemodelle und Planungsdaten. Sie bildeten die Grundlage für die spätere Maschinensteuerung und sorgten dafür, dass Vermessung, Planung und Bauausführung deutlich enger miteinander verzahnt werden.

Mit wachsender Routine folgte der Schritt zu 3D.

Als der Umgang mit dem digitalen Modell verinnerlicht war, folgte der nächste Schritt: die Baumaschinen selbst in den digitalen Prozess einzubinden. Zunächst wurden sie mit 2D-Steuerungen ausgestattet. Gemeinsam mit Zeppelin und der Niederlassung Hamm wurden die Systeme schrittweise aufgebaut und auf die Anforderungen des Unternehmens abgestimmt. Bei den ersten Schritten unterstützte Verkaufsrepräsentant Alf Fischer das Unternehmen nicht nur mit der Bereitstellung der Technik; er führte Daniel Dreger auch an die neue Anwendung heran und begleitete die Implementierung in die Praxis. Mit wachsender Routine folgte schließlich der Schritt zu 3D. Eine 3D-Steuerung wurde auf Baumaschinen wie einem Cat Kettenbagger 323 und einem Cat Deltalader 299 installiert. Nun standen den Fahrern die Planungsdaten direkt in der Kabine zur Verfügung. „Mir war wichtig, dass die Mitarbeiter die Technik nicht nur bedienen, sondern auch verstehen können. Digitalisierung beginnt nicht mit der Software, sondern mit den Mitarbeitern, die damit arbeiten. Erfahrung, Augenmaß und Fachwissen bleiben entscheidend – die 3D-Steuerung hilft dabei lediglich, die Vorgaben präziser umzusetzen. Denn fällt das System aus, sind die Maschinisten auf sich gestellt und müssen trotzdem wissen, was zu tun ist“, so der Unternehmer. Damit neue Technik sinnvoll eingesetzt wird, setzt er konsequent auf Weiterbildung. „Wenn einer kommt und mir überzeugend darlegt, warum er eine bestimmte Weiterbildung machen möchte, dann kriegt er die auch“, sagt er. Denn digitale Werkzeuge können ihre Stärken nur dann ausspielen, wenn die Mitarbeiter die dahinterliegenden Prozesse verstehen und sicher beherrschen.

Die Digitalisierung beschränkte sich damit längst nicht mehr auf Vermessung und Maschinensteuerung. Je mehr Daten digital auf den Baustellen erfasst wurden, desto stärker rückte die Frage in den Fokus, wie sich Informationen ohne Medienbrüche bis ins Büro weiterverarbeiten lassen und wie die Mitarbeiter von zeitaufwendigen Verwaltungsaufgaben entlastet werden können. So wurde schrittweise die Zeiterfassung eingeführt. Poliere erhielten ein iPad und erfassen darüber die Stunden für sich und ihre Kollegen auf den Baustellen. Um Aufmaße einfacher und genauer zu erstellen, investierte das Unternehmen zudem in eine Drohne. Wo früher Flächen und Massen aufwendig vor Ort ermittelt wurden, genügt heute ein Überflug. Innerhalb kurzer Zeit entstehen digitale Geländemodelle, aus denen sich Mengen berechnen, Baufortschritte dokumentieren und Abrechnungen erstellen lassen.

Wo früher Flächen und Massen aufwendig vor Ort ermittelt wurden, genügt heute ein Überflug mit einer Drohne. Fotos: Dreger Tiefbau

„Digitalisierte Prozesse liefern uns heute eine deutlich bessere Datengrundlage für fundierte Entscheidungen“, meint Daniel Dreger. Das Ziel sei klar: „Wir möchten so weit wie möglich papierlos arbeiten. Doch der Aufwand, bis alles reibungslos funktioniert, wird oft unterschätzt“, beobachtet er. Als die Großbaustelle Digitalisierung in seinem Betrieb richtig Fahrt aufnahm, hat er eine eigene Stelle geschaffen, die seine Partnerin Jennifer Di Gesualdo übernahm. Sie kümmert sich um alle Themen rund um die IT. „In kleinen Schritten versuchen wir die Umstellung umzusetzen. Wir mussten uns Gedanken machen über Strukturen, Abläufe und Prozesse. Bevor man die Informationen miteinander verknüpft, muss man sie bündeln und zuordnen. Doch das setzt voraus, dass man auch die gleiche Sprache spricht. Wir haben viel über Begrifflichkeiten geredet, etwa wie Baumaschinen intern bezeichnet werden. Wenn zehn Mitarbeiter dieselbe Maschine unterschiedlich benennen, wird Digitalisierung plötzlich kompliziert. Hier mussten wir einen einheitlichen Weg finden. Unser Ansatz war, dass wir gemeinsam lernen, was wir wie am besten verändern“, erklärt sie.

Trotz der Möglichkeiten neuer Technologien oder der Digitalisierung setzt Daniel Dreger weiterhin auf einen klassischen Erfolgsfaktor: den persönlichen Kontakt. „Wir sind nah am Kunden, hören genau hin und verstehen die Herausforderungen auf der Baustelle – auch die technischen“, sagt er. Diese Kombination aus technischem Know-how und praktischem Verständnis sei für ihn entscheidend. Digitalisierung macht er nicht zum Selbstzweck, sondern „sie muss das Arbeiten auf den Baustellen einfacher machen und unterstützen.“

August 2026