Wenn ich diese Zeilen schreibe, ist es Ende Juli, der Sommer ist in vollem Gange und hinter uns liegen turbulente politische Wochen. Der Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat einen personellen Dominoeffekt ausgelöst, der auch das Verkehrsministerium erreicht hat. Und das lässt uns in der Bauwirtschaft natürlich aufhorchen. Kaum ein anderes Ressort hat so großen Einfluss darauf, ob Deutschland seine Infrastruktur modernisiert, Investitionen auf die Straße bringt und damit seine Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
Nach einem unerfreulichen Kommunikationschaos wurde Steffen Bilger schließlich als neuer Bundesverkehrsminister angekündigt und vereidigt. Dafür bringt er gute Voraussetzungen mit. Er gilt als profilierter Verkehrspolitiker, kennt die Abläufe im Ministerium und hat die Rückendeckung des Bundeskanzlers. Gleichzeitig ruhen auf ihm die Erwartungen einer ganzen Branche und weit darüber hinaus. Denn die Modernisierung unserer Infrastruktur ist längst nicht mehr nur ein verkehrspolitisches Thema. Sie ist die Voraussetzung für Wachstum, Wohlstand und Resilienz.
Umso nachdenklicher stimmen mich aktuelle Medienberichte, die wieder einmal aufzeigen, dass zwischen großen politischen Ankündigungen und der Realität auf den Baustellen eine deutliche Lücke klafft. Mit großen Tönen wird der Eindruck erweckt, dank Sondervermögen und Rekordschulden sei ausreichend Geld vorhanden. Tatsächlich aber bleibt davon noch immer zu viel auf der Strecke, versickert im allgemeinen Haushalt oder landet in anderen Ministerien – statt dort anzukommen, wo es dringend gebraucht wird: in unserer Infrastruktur.
Oder mit anderen Worten: Neuer Minister, alte Probleme? Über Steffen Bilgers Erfolg wird entscheiden, wie gut er sich innerhalb der Bundesregierung durchsetzen kann und ob er es schafft, vorhandene Mittel zu sichern, Prioritäten zu setzen und Projekte tatsächlich umzusetzen. Dafür wünsche ich ihm viel Erfolg. Denn noch mehr Stagnation kann sich Deutschland nicht leisten.
August 2026

