IRVING (SR). Vernetzte Baumaschinen, KI-Assistenten und intelligentes Flottenmanagement halten Einzug auf Baustellen. Die digitalen Möglichkeiten auf der Baustelle machen rasante Fortschritte. Doch zwischen technischer Vision und gelebter Praxis klafft oft noch eine erhebliche Lücke. Ogi Redzic, Chief Digital Officer von Caterpillar, erklärt im Gespräch mit der Baublatt-Redaktion, welche Technologien sich wirklich bewähren, warum Akzeptanz entscheidend ist – und wo Daten im Alltag konkreten Mehrwert schaffen.
Baublatt: Die Bauindustrie befindet sich mitten im digitalen Wandel. Welche digitalen Werkzeuge sind bereits heute im Baustellenalltag relevant und welche noch nicht?
Ogi Redzic: Entscheidend sind Technologien, die Verfügbarkeit, Produktivität und Sicherheit konkret verbessern. Digitale Werkzeuge funktionieren gut, wenn sie sich nahtlos in den Arbeitsalltag einfügen und Baumaschinen am Laufen halten, Teams effizienter arbeiten lassen oder zur Sicherheit beitragen. Erzeugen sie hingegen zusätzliche Komplexität, werden sie nicht angenommen. Vernetzte Maschinen und Transparenz über den Fuhrpark steigern bereits die Auslastung und reduzieren ungeplante Stillstände. Integrierte Technologien wie Cat Detect verbessern die Wahrnehmung von Gefahren. Assistenzsysteme wie Maschinensteuerungen verringern Nacharbeit und verkürzen Taktzeiten, indem sie Planungs- und Ausführungsdaten zwischen Baustelle und Büro verknüpfen. Mithilfe des Cat KI-Assistenten finden die Teams schneller die richtigen Antworten und lösen Probleme effizienter. Grundlage dafür sind belastbare Maschinen-, Betriebs- und Servicedaten, auf deren Basis fundierte Entscheidungen getroffen werden können. Wenn digitale Technologien im Hintergrund dabei unterstützen und den tatsächlichen Arbeitsablauf optimieren, werden sie Teil der täglichen Praxis – dann findet echte Transformation statt.


Baublatt: Woran erkennt ein Bauunternehmer, dass sich digitale Lösungen von Caterpillar für das eigene Geschäft auszahlen? Und ab welchem Zeitpunkt amortisieren sich digitale Lösungen wie Flottenmanagement- oder Assistenzsysteme normalerweise?
Ogi Redzic: Kunden erkennen den Nutzen typischerweise im laufenden Betrieb – durch höhere Produktivität und mehr Sicherheit. Aus finanzieller Sicht summieren sich diese Effekte schnell. Weniger Leerlauf, niedrigerer Kraftstoffverbrauch, weniger ungeplante Reparaturen und eine höhere Maschinenverfügbarkeit gleichen die Investitionen in On-Board-Technologie und digitale Lösungen häufig aus. Zunächst zeigt sich der Nutzen darin, dass Maschinen betriebsbereit sind. Die Leerlaufzeiten sinken, die Auslastung steigt und die Wartung verlagert sich von reaktiven Eingriffen hin zu planbaren Maßnahmen. Wenn Daten in VisionLink eingespeist werden, können die Teams Soll-Ist-Vergleiche anstellen, Engpässe erkennen und gegensteuern, noch bevor der Zeitplan unter Druck gerät. Werden On-Board-Technologien wie Grade Control und Payload mit dem Büro vernetzt, steigt die Produktivität. Mit Cat Detect erhalten die Kunden einen Überblick über zentrale Sicherheitsindikatoren. Sicherheitsrelevante Ereignisse und Muster werden auf Flottenebene zusammengeführt, unterstützen Bedienerschulungen und bieten die Möglichkeit, Risiken proaktiv zu verringern. Auf lange Sicht führt dies zu weniger Störungen.
Baublatt: Bauunternehmen stehen unter massivem Kosten- und Termindruck. Wo bringt die Digitalisierung nachweislich den größten wirtschaftlichen Nutzen? Bei der Produktivität, bei der Instandhaltung oder beim Personal?
Ogi Redzic: In der Instandhaltung zeigen sich die Effekte der Digitalisierung am schnellsten. Ungeplante Betriebsausfälle zählen zu den größten Kosten- und Terminrisiken. Wenn diese durch eine Zustandsüberwachung und Zustandsanalysen planbar werden, ergibt sich sofort ein wirtschaftlicher Nutzen. Für die Kunden bedeutet dies: weniger böse Überraschungen, eine höhere Maschinenverfügbarkeit und eine verlässlichere Zeitplanung. Überdies können Kunden den Ist-Zustand direkt nachvollziehen und auf der Grundlage der Daten aus den vernetzten Maschinen belastbare Prognosen erstellen. Digitale Werkzeuge helfen dabei, die Effizienz und Produktivität der vorhandenen Flotte zu steigern. Die Einbindung von Grade Control oder Payload verbessert die Einsatzplanung, reduziert Nacharbeiten und ermöglicht die Erkennung von Engpässen, noch bevor sich diese auf den Projektablauf auswirken. Im Personalmanagement zeigen sich positive Effekte der Digitalisierung auf längere Sicht. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels schaffen datenbasierte Erkenntnisse in Bezug auf Bedienerverhalten, sicherheitsrelevante Vorfälle und Auslastung die Grundlage für einen kontinuierlichen Betrieb und die Risikominimierung. Technologien wie Cat Detect erhöhen die Sicherheit von Arbeitsabläufen und führen zu stabilen Ergebnissen, auch bei wechselnden Teams. All diese Effekte bauen aufeinander auf: Eine konsequente Instandhaltung sorgt für Stabilität, die sich positiv auf Produktivität und Marge auswirkt. Das Personalmanagement wiederum sichert langfristig die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.
Baublatt: Welche Daten sollten Bauunternehmen heute aktiv nutzen, und welche sind von geringerer Bedeutung?
Ogi Redzic: In Bauunternehmen entstehen große Datenmengen. Die entscheidende Frage ist, welche davon helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Der Fokus sollte darum auf entscheidungsrelevanten Betriebsdaten liegen, also solchen Daten, die sich direkt auf Maschinenverfügbarkeit, Kosten, Sicherheit und Termineinhaltung auswirken. Dazu zählen vor allem für die Instandhaltung relevante Daten wie Fehlercodes, Fluidanalysen sowie geplante Instandhaltungsmaßnahmen. Werden diese Daten zuverlässig und gebündelt bereitgestellt, sind Kunden und Händler in der Lage, Instandhaltungsmaßnahmen proaktiv zu planen, anstatt nur auf Maschinenausfälle zu reagieren. Weiß der Kunde, welche Maschinen im Einsatz oder nicht ausgelastet sind, kann er den Maschineneinsatz optimieren, seine Kosten senken und die Gesamtkapitalrendite verbessern. Mit der Weiterentwicklung der Flottenfunktionen von VisionLink wollen wir unseren Kunden diesen unmittelbaren operativen Mehrwert bieten. Große Mengen nicht entscheidungsrelevanter Rohdaten sind für Bauunternehmen dagegen von geringerer Bedeutung. Dazu zählen ungefilterte Telemetriedaten, Einzelberichte oder Kennzahlen, die zunächst manuell ausgewertet werden müssen. Die Aufgabe digitaler Plattformen besteht darin, relevante Informationen zu filtern, zu priorisieren und weiterzugeben. Plattformen wie Helios sorgen für eine hohe Datenkonsistenz und -qualität, während Werkzeuge wie der Cat KI-Assistent einen schnellen Zugriff auf relevante Informationen bieten. Mit unseren digitalen Lösungen möchten wir unsere Kunden so unterstützen, dass sie sich auf ihr operatives Geschäft konzentrieren können und nicht auf die Verwaltung von Daten.
Baublatt: In der Praxis scheitert der Einsatz digitaler Systeme häufig an mangelnder Akzeptanz. Wie lässt sich sicherstellen, dass Daten zur Unterstützung der Bediener eingesetzt werden und diese nicht überfordern?
Ogi Redzic: Grundsätzlich gilt, dass Daten den Bedienern dabei unterstützen sollen, ihre Arbeiten besser zu erledigen. Dashboards oder Analysen sind im Baustellenalltag keine Hilfe, anders als relevante Meldungen. On-Board-Technologien sind darauf ausgelegt, einfaches, situationsbezogenes Feedback zu geben, das den Bedienern dabei hilft, sicherer, präziser und effizienter zu arbeiten, ohne Daten interpretieren oder ihre Arbeitsweise ändern zu müssen. Digitale Plattformen übernehmen eine andere Funktion: Systeme wie VisionLink bündeln und filtern Daten auf Flotten- und Baustellenebene. Dadurch sind die Verantwortlichen in der Lage, Muster und Prioritäten zu erkennen. Die Bediener erhalten dagegen nur die für sie relevanten Informationen. Diese Trennung ist entscheidend, um eine Überforderung zu vermeiden. Ein Beispiel dafür ist, wie Cat Detect zur Verbesserung der Sicherheit beiträgt. Das System konzentriert sich darauf, Risikosituationen zu erkennen und diese Erkenntnisse für Schulung und Coaching von Bedienern zu nutzen. Wenn Bediener erleben, dass Baustellen sicherer werden, erkennen sie auch den konkreten Mehrwert digitaler Systeme.
Baublatt: Welche KI-Anwendungen haben bereits Marktreife erreicht und bei welchen handelt es sich aus Ihrer Sicht noch um eine Zukunftsvision?
Ogi Redzic: Das läuft darauf hinaus, wo KI heute bereits verlässlich reproduzierbare operative Ergebnisse liefert. Bereits ausgereift ist KI im Bereich Predictive Maintenance. Dafür müssen Daten analysiert werden, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Das hilft Kunden und Händlern, Maßnahmen zu planen und ungeplante Stillstandszeiten zu reduzieren. Der Cat KI-Assistent ist bereits täglich im Einsatz. Er unterstützt Bediener, Servicetechniker und Flottenverantwortliche dabei, schnell auf maschinenspezifisches Wissen und relevante Erkenntnisse zuzugreifen, ohne in verschiedenen Handbüchern oder Systemen nachschlagen zu müssen. Das reduziert die Reibungsverluste im Arbeitsalltag, und zwar sowohl im Büro als auch auf der Baustelle. Wenn es um die gesamte Baustelle geht, also die Echtzeitkoordination von Maschinen, Personal, Zeitplänen und Baustellenbedingungen, ist KI eher noch ein Zukunftsthema. Denn dafür sind eine belastbare Datengrundlage, konsistente Plattformen und eine zuverlässige Konnektivität über gemischte Flotten hinweg erforderlich. Plattformen wie Helios schaffen diese Grundlage, doch der Einsatz von KI auf diesem Niveau erfordert Zeit und eine hohe operative Disziplin. Klares Fazit: KI ist dort ausgereift, wo Probleme klar definiert und Daten verlässlich verfügbar sind. Die Zukunft besteht darin, diese Prinzipien auch auf komplexere Entscheidungen auf Baustellenebene zu übertragen.
Baublatt: Stillstandszeiten sind kostspielig. Wie zuverlässig sind heutige Prognosen zum Instandhaltungsbedarf und zu Maschinenausfällen?
Ogi Redzic: Prognosen müssen nicht exakt sein, um einen hohen Nutzen zu bieten. Die Zuverlässigkeit von vorausschauender Instandhaltung und Zustandsüberwachung reicht aus, damit der Kunde von einer reaktiven auf eine proaktive Instandhaltungsstrategie umstellen kann. Allein durch einen solchen Wechsel werden Störungen beseitigt, die Flottenverfügbarkeit verbessert und die Gesamtbetriebskosten gesenkt. Analysetools sind in der Lage, auf Basis vernetzter Maschinendaten Muster zu erkennen, die auf ein erhöhtes Ausfallrisiko hindeuten, und dies bereits lange bevor es tatsächlich zu einem Maschinenausfall kommt. Mit VisionLink wird all dies sichtbar, sodass Kunden und Händler gemeinsam festlegen können, wann welche Maßnahmen am besten umgesetzt werden. Die Zuverlässigkeit ergibt sich dabei aus der Datenkonsistenz und -menge, nicht daraus, dass jede einzelne Prognose perfekt ist. Der entscheidende Punkt ist die Planbarkeit. Mit geplanten Stillstandszeiten wird die Planung zuverlässiger, denn Ersatzteile und Personal können frühzeitig bereitgestellt werden, und die Maschinen sind insgesamt länger im Baustelleneinsatz.

Baublatt: Wie verändert die vorausschauende Instandhaltung die Zusammenarbeit zwischen Bauunternehmen, Händlern und dem Hersteller Caterpillar?
Ogi Redzic: Durch vorausschauende Instandhaltung lässt sich die Zusammenarbeit verbessern, wenn Kunden und Händler in VisionLink denselben Workflow nutzen. Anstelle von Fehlermeldungen, die einen hohen Kommunikationsaufwand verursachen, stimmen Kunden und Händler ihre Maßnahmen direkt miteinander ab. Sie erhalten zentral einen Einblick in relevante Informationen wie in den Maschinenzustand oder Inspektionsberichte. Das verringert den Zeitaufwand und die Zahl der manuellen Übergaben. Mitarbeiter der Händler, die sich um das Condition Monitoring kümmern, haben eine Schlüsselrolle inne. Sie werten die Zustandsdaten der Maschinen aus und stellen klare Empfehlungen unmittelbar in VisionLink bereit, die den einzelnen Maschinen und konkreten Serviceeinsätzen zugeordnet sind. Auf diese Weise erhalten die Kunden eine verlässliche Handlungsempfehlung anstelle von Rohdaten. Die Händler wiederum haben eine klare Grundlage, um Ersatzteilbeschaffung, Personaleinsatz und Termine gezielt zu planen. All das sorgt für eine bessere Planbarkeit und beschleunigt die Entscheidungsprozesse. Eine vorausschauende Instandhaltung wird zu einem gemeinsamen, transparenten Prozess zwischen Kunde und Händler – von der Zustandsanalyse über die Empfehlung bis hin zur Umsetzung der Maßnahmen.
Baublatt: Denken Sie, dass irgendwann der Punkt erreicht wird, an dem die Maschinen praktisch selbst erklären können, wenn eine Instandhaltungsmaßnahme erforderlich ist?
Ogi Redzic: Ja, die Entwicklung geht dahin, dass die Maschinen Probleme nicht mehr nur melden, sondern klar erklären, was gerade passiert und welche nächsten Schritte erforderlich sind. Heute stellt die Maschine die Daten bereit und Mitarbeiter der Händler mit Expertise im Condition Monitoring prüfen diese. Sie stellen ihre Empfehlungen direkt in VisionLink ein. Perspektivisch werden Fähigkeiten wie der Cat KI-Assistent auf der Maschine dazu beitragen, einen Teil dieses Kontextes direkt sichtbar zu machen und zu erklären. Dadurch werden Bediener und Servicetechniker bedarfsgerecht unterstützt. Gleichzeitig bleiben eine belastbare Datengrundlage und die Expertise der Händler entscheidend, um die richtigen Serviceentscheidungen zu treffen.
Baublatt: Bauunternehmen betreiben in der Regel gemischte Flotten. Wie offen sind die Systeme von Caterpillar gegenüber Maschinen anderer Hersteller und bestehenden Softwarelösungen?
Ogi Redzic: Unser digitaler Ansatz trägt dieser Realität Rechnung. Das zentrale Prinzip ist einfach: Die Kunden sollen ihre gesamte Flotte als eine Einheit steuern können und nicht als Ansammlung von Fahrzeugen und Maschinen einzelner Marken oder Systeme. VisionLink ist eine Plattform für die gesamte Flotte. Sie unterstützt Maschinen von Caterpillar sowie Off-Highway- und On-Highway-Fahrzeuge von Fremdherstellern und kann Daten von mehr als 50 OEMs und Drittanbietern im Bereich Telematik integrieren. So können die Kunden gemischte Flotten in einer einheitlichen operativen Übersicht zusammenführen und gleichzeitig ihre bereits vorhandenen Telematiklösungen weiter nutzen. Für die Kunden bedeutet das vor allem Transparenz und Konsistenz. Informationen zu Flottenzustand, Auslastung und Instandhaltung werden an einem zentralen Ort gebündelt, sodass Entscheidungen für sämtliche Einheiten getroffen werden können.
Baublatt: Wo sehen Sie derzeit die größte Lücke zwischen technologischer Vision und tatsächlicher Umsetzung auf den Baustellen und worin liegen die konkreten Ursachen für diese Lücke?
Ogi Redzic: Die Technologie zur Gewinnung von Daten ist weitgehend vorhanden, doch auf Baustellen herrscht ein hoher Zeitdruck. Die Prioritäten sind klar: Sicherheit gewährleisten und den Baufortschritt sicherstellen. Sind digitale Erkenntnisse nicht direkt mit diesen täglichen Entscheidungen verknüpft, werden sie nicht genutzt. Diese Lücke zu schließen, bedeutet, digitale Lösungen konsequent auf den Baustellenalltag auszurichten. Bei Plattformen wie VisionLink liegt der Fokus darauf, Flottendaten zu konsolidieren und die sich daraus ergebenden Erkenntnisse direkt mit Instandhaltungs- und Serviceprozessen zu verbinden, auf welche die Kunden bereits zurückgreifen. Wenn digitale Lösungen die Entscheidungsfindung vereinfachen und sich an den realen Abläufen auf der Baustelle orientieren, bieten sie einen echten Mehrwert.

Baublatt: Wenn Sie sich in die Lage eines Bauunternehmers versetzen: Welche drei digitalen Themen sollten derzeit priorisiert werden, und welche können zurückgestellt werden?
Ogi Redzic: Wenn ich ein Bauunternehmen leiten würde, würde ich in digitale Lösungen investieren, die das Wachstum planbarer und den Betriebsalltag verlässlicher machen. Anschließend würde ich schrittweise komplexere Aufgaben angehen. Punkt eins ist die Flottenauslastung. Die Frage, wo Maschinen eingesetzt werden, wann die Flotte erweitert werden sollte und wie Arbeiten geplant werden, setzt eine klare und verlässliche Sicht auf die gesamte Flotte voraus. Die erweiterten Flottenfunktionen von VisionLink schaffen Transparenz über alle Maschinen hinweg, sodass Entscheidungen auf Fakten und nicht auf Annahmen basieren. Punkt zwei betrifft die Minimierung von Stillstandszeiten und die Umsetzung von Instandhaltungsmaßnahmen. Mit wachsender Betriebsgröße wird die Planbarkeit immer wichtiger. Digitale Lösungen sollten darauf ausgerichtet sein, die Zahl der Störungen zu reduzieren und Erkenntnisse über den Maschinenzustand direkt mit der Planung und Ausführung von Instandhaltungsmaßnahmen zu verknüpfen. So stehen die Maschinen genau dann zur Verfügung, wenn sie benötigt werden. Punkt drei betrifft die Sicherheit. Sicherheit ist die Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Es geht darum, die Zahl der Unfälle zu verringern, Menschen zu schützen und gleichzeitig einen reibungslosen Ablauf auf der Baustelle zu gewährleisten. Zurückstellen lassen sich hingegen weiterführende Analysen und Optimierungsansätze. Diese schaffen einen Mehrwert, sobald belastbare Datengrundlagen vorliegen.

Baublatt: Was unterschätzen Bauunternehmen aus Ihrer Sicht noch, wenn es um die Themen Digitalisierung und künstliche Intelligenz geht?
Ogi Redzic: Sie unterschätzen häufig, wie real und operativ diese Entwicklungen bereits heute sind. Viele gehen noch davon aus, dass Digitalisierung und KI Zukunftsthemen sind. Tatsächlich kommen diese Technologien bereits bei der Entwicklung von Maschinen und digitalen Systemen zum Einsatz und verbessern dabei im Hintergrund kontinuierlich Sicherheit, Instandhaltung und Produktivität. Und dies hat keineswegs nur theoretische, sondern ganz praktische Auswirkungen: Diese zeigen sich schon heute im operativen Geschäft dadurch, dass die Bauunternehmen weniger unliebsame Überraschungen erleben, fundierte Entscheidungen treffen und ihre Abläufe besser planen können. Erfolgreiche Unternehmen betrachten die Digitalisierung als festen Bestandteil ihres Tagesgeschäfts. Sie konzentrieren sich zunächst darauf, eine solide Datengrundlage und klare betriebliche Prozesse aufzubauen. Anschließend nutzen sie die KI systematisch zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen, anstatt sich darauf zu verlassen, dass KI allein für bessere Ergebnisse sorgt.
Baublatt: Ab wann ist die Digitalisierung auf der Baustelle aus Ihrer Sicht wirklich erfolgreich?
Ogi Redzic: Die Digitalisierung auf der Baustelle ist erfolgreich, wenn sie im Betriebsalltag kaum noch wahrgenommen wird und dem Kunden einen klaren Wettbewerbsvorteil verschafft. Das bedeutet, dass Technologie eine Unterstützung und keine Belastung darstellt. Maschinen sind bei Bedarf einsatzbereit, Stillstandszeiten werden geplant, Sicherheitsrisiken frühzeitig erkannt und Fortschritte werden sichtbar, und zwar ohne zusätzlichen Aufwand oder händisches Reporting. Wenn die Digitalisierung den Arbeitsalltag konsequent erleichtert und planbarer macht, erfüllt sie ihren Zweck.
Mai 2026

