Eine Kolumne von Zeppelin CEO Matthias Benz
Neulich habe ich einen Vorschlag unseres Vizekanzlers und Finanzministers Lars Klingbeil gelesen, eine Bundesgesellschaft für bezahlbaren Wohnungsbau zu gründen. Und ich dachte mir zuerst: Endlich kommt das Thema wieder spürbar auf oberster Ebene an. Denn unstrittig ist, dass wir beim Wohnungsbau echt vorankommen müssen und darüber in den letzten Monaten viel zu wenig gesprochen haben.
Der Bedarf wächst, und das ist längst mehr als eine konjunkturelle Frage. Es geht um Gerechtigkeit, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt. Bezahlbarer Wohnraum ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass unsere Gesellschaft und Wirtschaft funktionieren. Insofern ist es zunächst einmal ein wichtiges Signal, dass das Thema wieder aktiv politische Priorität bekommt. Aber die entscheidende Frage ist: Lässt uns dieser Ansatz wirklich schneller und günstiger bauen?
Ich bin da sehr skeptisch. Denn die eigentlichen Engpässe haben wir im System selbst. Und die liegen nicht primär beim Kapital oder bei der Frage, wer Projekte entwickelt, sondern bei Geschwindigkeit, Komplexität und Kosten. Ob ein Unternehmen baut oder eine Bundesgesellschaft – gebaut wird am Ende unter denselben Rahmenbedingungen, die uns aktuell ausbremsen.
Statt Kapazitäten also wieder auf den Aufbau neuer Strukturen zu konzentrieren, sollten die politisch Handelnden konsequent auf die Bremsklötze schauen: langwierige Genehmigungsverfahren, komplexe Vorgaben und immer höhere Standards, die Kosten treiben, aber nicht immer Mehrwert bringen. Wenn daran nichts geändert wird, sendet die Politik mit einem solchen Konstrukt vielleicht ein Signal, aber schafft noch keinen zusätzlichen Wohnraum.
Die Bau- und Immobilienbranche spricht das seit Jahren sehr klar an. Entscheidend sind schnellere Verfahren, weniger Komplexität und ein pragmatischer Blick auf Standards. Nur so wird Bauen und Wohnen wieder wirtschaftlich für alle Beteiligten.
Deshalb ist mein Fazit klar: Die Idee einer Bundesgesellschaft kann ein Zeichen sein, dass das Thema die notwendige Aufmerksamkeit bekommt. Und das ist gut so! Aber sie ist kein Heilmittel. Am Ende entscheidet nicht, wer baut, sondern ob überhaupt gebaut wird. Daran wird sich die Bundesregierung messen lassen müssen.
Mai 2026

