Vom Art-Bagger zum Arbeitsgerät

Zauberwürfel, Nokia-Handy, MTV-Logo, Super Mario, Snake oder Ninja Turtle: Sie prägten die Popkultur der 90er-Jahre. Diese Motive und noch viele mehr hat der Graffiti- und Art-Car-Künstler René Turrek im Farbspektrum der damaligen Zeit auf einem Cat Mobilbagger M322 für das Bauunternehmen Vollmer zum 90-jährigen Bestehen verewigt. Das Jubiläum liefert die Grundlage für die visuelle Zeitreise auf der Baumaschine, die damit zum Art-Bagger wurde.

Normalerweise sind Sportwagen seine Oberfläche, doch diesmal war der Oberwagen des Mobilbaggers die Leinwand für René Turrek. Die Baumaschine gehört zum Fuhrpark des Bauunternehmens Vollmer. Geschäftsführender Gesellschafter Mark Metzger wollte das Jubiläum nicht nur mit einer 90er-Jahre-Sommer-Beachparty feiern, sondern es sollte eine bleibende Erinnerung an den Meilenstein der Firmengeschichte auf den Baustellen sichtbar bleiben. Da kam es ihm gelegen, dass Gerald Weisser, Vertriebsleiter von Höcker Polytechnik, ein neues Objekt für René Turrek suchte, der mal „was richtig Großes“ zu einem Kunstwerk gestalten wollte. Höcker Polytechnik baut Lackier- sowie Absauganlagen und hat den Künstler schon öfter im Zuge des Influencer-Marketings unterstützt, damit er einen Porsche oder BMW veredeln konnte. „Ich kenne nur einen, der seine Baumaschinen pfleglich behandelt und der infrage kam“, so Gerald Weisser, der dem Bauunternehmer den Vorschlag unterbreitete, aus dem Arbeitsgerät einen Art-Bagger zu machen. Da das Bauunternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Zeppelin Niederlassung Paderborn einen neuen Cat M322 bestellt hatte, passte alles zusammen.

Viele Motive aus den 90er-Jahren hat Graffiti- und Art-Car-Künstler René Turrek auf dem Bagger verewigt. Foto: Zeppelin

Doch wo lackiert man einen 28-Tonnen-Bagger, wenn dafür eine staubfreie Umgebung nötig ist? Wilhelm Wellmeyer Fahrzeugbau bot dafür eine befahrbare Retrofit-Kabine von Höcker Polytechnik an, in der sonst Lkw ihren letzten Schliff erhalten. „Wir bauen viele industrielle Lackierkabinen. Diese war aufgrund der Spurweite und Größe geeignet, weil der Bagger reinfahren konnte, auch wenn es Zentimeterarbeit war. Außerdem konnte sie sein Gewicht aufnehmen“, so Gerald Weisser. Über Gitterroste wird ein gerichteter Luftstrom erzeugt. Die Luft wird von außen angesaugt, durch Feinfilter gereinigt und auf die gewünschte Temperatur erwärmt. Anschließend wird die konditionierte Luft im Deckenbereich eingeblasen, um einen laminaren, vertikalen Luftstrom für optimale Absaugbedingungen zu erzeugen.

Nachdem das Schleifen und Abkleben beendet war, wurden die Motive mit einem umweltfreundlichen und lösemittelarmen Lack per Spraydose aufgebracht und dann mit einer Klarlackversiegelung versehen. Der Prozess ist auf dem Instagram-Kanal des Art-Car-Künstlers dokumentiert. Dort zeigt er auch einzelne Schritte der Umsetzung, die mehrere hundert Stunden in Anspruch nahmen, und erklärt: „Ich gehe da ohne großen Plan ran. Erst durch die gefüllten Flächen wird mir bewusst, wie das Artwork aussehen wird“, so René Turrek, der bei diesem Vorhaben komplett freie Hand hatte.

In einer Lackierkabine von Höcker Polytechnik wird aus dem Arbeitsgerät ein Kunstwerk. Foto: Höcker Polytechnik

„Er hatte mein volles Vertrauen. Einzige Vorgabe: Es musste mit den 90er-Jahren zu tun haben. Es gibt zwar ein paar Videos auf dem Instagram-Kanal des Künstlers, in denen er kleine Einblicke in den Entstehungsprozess gab. Doch ich wusste bis zu unserer 90er-Jahre-Sommer-Beachparty nicht, wie der Bagger aussieht. Die Enthüllung war eine riesige Überraschung. Als ich die Folie entfernte und das Design zum Vorschein kam, war ich sofort begeistert“, sagt Mark Metzger über den Moment, über den René Turrek auf seinem Instagram-Account postete: „Allein dafür lohnt es sich, Künstler zu sein.“ Er wollte mit dem Kunstwerk positive Erlebnisse auf die Baustelle bringen. „Vielleicht weckt der Bagger auch das Interesse junger Leute für einen Job am Bau. Es ist bekannt, dass die Branche ein Nachwuchsproblem hat und es immer schwieriger wird, Personal zu finden“, so Mark Metzger.

Der Art-Bagger wird von Mark Metzger enthüllt. Foto: Höcker Polytechnik

Die Reaktion der rund 300 Gäste der Jubiläumsparty sprach für sich: Der Art-Bagger avancierte schnell zum beliebten Selfie-Motiv. Auch die Online-Community reagierte mit begeisterten Kommentaren wie „Bagger des Jahres“, „Kunst macht die Welt schöner“ oder „viel zu schade zum Arbeiten“. René Turrek sieht es gelassen: „Es ist gut, wenn mit Kunst gearbeitet wird, dann sieht sie wenigstens jeder.“ Denn auch wenn der Bagger zugleich Kunstobjekt ist, bleibt er ein Arbeitsgerät, das auf Kanalbaustellen und im Straßenbau eingesetzt wird. Noch steht nicht fest, wem die Ehre gebührt, auf dem Sitz des kunstvoll gestalteten Baggers Platz zu nehmen. „Natürlich setzt es den ersten Fahrer auch unter einen gewissen Druck, wenn er erstmals damit eine Havarie verursacht und das Kunstwerk einen Schaden nimmt. Doch der Künstler hat angeboten, dass er sich die Baumaschine nach einem Jahr anschaut und eventuelle Schäden ausbessert“, meint Mark Metzger. Somit kann sich der Art-Bagger weiterentwickeln.

Kasten: 90 Jahre Bodenhaftung – Vollmer gestaltet die Infrastruktur von Ostwestfalen

Eigentlich sind 90 Jahre im Tief- und Straßenbau allein schon ein Grund zum Feiern – beim Steinhagener Unternehmen Vollmer sind aller guten Dinge drei: Mit dem Firmenjubiläum fielen das 25-jährige Dienstjubiläum und der 53. Geburtstag von Mark Metzger zusammen, der als Geschäftsführender Gesellschafter den mittelständischen Familienbetrieb 2021 übernommen hatte. 1936 fiel der Startschuss mit bescheidenen Mitteln – der damals 28-jährige Wilhelm Vollmer legte mit der Reinigung von Straßengräben los und baute Wirtschaftswege. Das war der Grundstein für die heutigen Standbeine Erd-, Tief-, Kanal- und Straßenbau. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs das Unternehmen kontinuierlich und prägte in neun Jahrzehnten die Infrastruktur in der Region rund um Ostwestfalen, der man stets treu verbunden blieb. Das unterstrich auch Mark Metzger in seiner Ansprache zum 90-jährigen Bestehen.

Die Zeppelin Niederlassung Paderborn hat sich zu einem langjährigen Partner entwickelt. Den Jubiläumsbagger überreichte Niederlassungsleiter Christian Kutscha an Mark Metzger (rechts). Foto: Zeppelin

Dabei transportierte er noch weitere Botschaften: Qualität, Verlässlichkeit und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit stehen für ihn im Mittelpunkt, wenn Bauprojekte für öffentliche, gewerbliche und private Auftraggeber realisiert werden. Die Bandbreite reicht von der Hausmeistervertretung für die Gemeinde Steinhagen bis hin zu Drei-Millionen-Euro-Aufträgen. „Als mittelständisches Familienunternehmen geht es uns darum, langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen. Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir Wort halten. Wir haben Handschlagmentalität. Das zahlt dann auch auf unser positives Image ein, das wir genießen“, betont der Unternehmer. Er legt Wert auf Beständigkeit, die er nicht gleichsetzt mit Stillstand, sondern mit einer langfristigen Weiterentwicklung. „Mir ist wichtig, nachhaltig mit meiner Crew zu wachsen“, macht er deutlich. Rund 50 Mitarbeiter beschäftigt er, die er zur Jubiläumsfeier, ganz als 90er-Jahre-Sommer-Beachparty gestaltet, zusammen mit Kunden, Geschäftspartnern und Nachbarn eingeladen hatte. 60 Kubikmeter Sand bildeten dafür die Kulisse. Es gab eine Halle, komplett im Look der 90er gestaltet, in der Flipper und Computerspiele wie Hangman zum Daddeln einluden. Emsperlen, Loona und Micky Krause heizten dann musikalisch ein. Zur großen Überraschung geriet die Enthüllung eines Jubiläumsbaggers: Graffiti- und Art-Car-Künstler René Turrek hatte einen Cat Mobilbagger M322 mit 90er-Jahre-Motiven gestaltet. Das Unikat symbolisiert den Brückenschlag zwischen Tradition und Zukunft. Denn auch Mark Metzger richtet den Blick nach vorne – die Anforderungen, die heute an ein Bauunternehmen gestellt werden, das sich gegenüber großen Konzernen behaupten muss, verändern sich. „Da muss man permanent am Ball bleiben, aber man muss auch nicht jeden Trend mitmachen“, meint der Unternehmer, der sich nicht verbiegen will. Das bedeutet beispielsweise, seinen Maschinenpark beständig auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. „Natürlich haben wir Bagger mit 3D-Steuerung ausgestattet, aber es muss nicht der ganze Maschinenpark umgerüstet sein. Unsere Maschinen, die wir brauchen, müssen zu unseren Einsatzzwecken passen. Bei der Konfiguration dürfen sich auch die Fahrer einbringen“, macht er klar. Bei der Modernisierung des Maschinenparks setzt Vollmer auf langjährige Partner. So arbeitet das Unternehmen seit vielen Jahren mit der Zeppelin Niederlassung Paderborn zusammen, die den Familienbetrieb mit Baumaschinen, Service und technischer Beratung unterstützt.

So wichtig moderne Technik und leistungsfähige Maschinen für die Zukunft des Betriebs sind – den Erfolg eines Unternehmens machen aus Sicht von Mark Metzger jedoch vor allem die Menschen aus, die es über Jahrzehnte getragen haben. „Mit unserer 90er-Sommer-Beach-Party wollte ich den aktiven und ehemaligen Mitarbeitenden einfach Danke sagen. Mir geht es dabei um Wertschätzung der Leistung der Menschen, die über all die Jahre Vollmer begleitet und unterstützt haben“, so Mark Metzger. „Denn leider sind inzwischen Werte wie Respekt und Wertschätzung in unserer Gesellschaft arg in Mitleidenschaft gezogen. Wir müssen wieder mehr zusammenhalten. Es geht uns doch gar nicht so schlecht, auch wenn viele meinen, der Teller ist nur halb voll. Jeder redet nur darüber, dass sich was ändern muss, aber man muss schließlich auch selbst was dafür tun“, machte er deutlich. Den Worten ließ er Taten folgen: Auf Geschenke hat er verzichtet – stattdessen freute er sich über freiwillige Spenden für einen guten Zweck. Mit je 10 000 Euro unterstützte er zwei lokale Projekte: den Abiturjahrgang 2028 des Steinhagener Gymnasiums sowie die Kinder- und Jugendstiftung „Jedem Kind sein Hobby“. Mit diesem Engagement unterstrich Mark Metzger, dass für ihn unternehmerischer Erfolg und Verantwortung für die Region untrennbar zusammengehören.

August 2026