Berlin hat gewählt und die Linke ist stärkste Kraft geworden. Nun will sie den Volksentscheid von 2021 umsetzen, in dem sich die Bürger der Hauptstadt für die Vergesellschaftung bestimmter Wohnungsunternehmen ausgesprochen haben. Man kann das als demokratischen Auftrag verstehen. Man kann sich aber auch fragen, was es der Stadt und den Berlinern bringen soll. Meine Antwort: nichts, jedenfalls keinen einzigen neuen Quadratmeter Wohnraum.
Wer eine bezahlbare Wohnung sucht, findet nach einer Vergesellschaftung nicht mehr Angebot, sondern nur dasselbe Angebot unter einem anderen Eigentümer. Eine Vergesellschaftung würde – wenn überhaupt – nur die Miete einer kleinen Zahl von Mietern senken. Der großen Mehrheit ist allerdings nicht geholfen.
Ein weiteres Argument der Befürworter: Vergesellschaftung soll mögliches Fehlverhalten der Wohnungsunternehmen gegenüber ihren Mietern beenden, etwa bei unterlassenen Sanierungen. Das Anliegen ist nachvollziehbar, aber dafür haben wir gezieltere Werkzeuge: Mietrecht, Aufsicht und Gerichte. Mit der Vergesellschaftung würde stattdessen zum Vorschlaghammer gegriffen. Er trifft die ganze Branche und schadet dem Investitionsklima in der Stadt und in Deutschland.
Denn auch wenn die Linke wohl nicht jedes Wohnungsunternehmen vergesellschaften und jedem Kleinvermieter sein Eigentum wegnehmen will: Es geht um die Signalwirkung, die im Investitionsgeschäft nicht zu unterschätzen ist. Eine aktuelle Analyse des CESifo-Netzwerks zeigt, dass schon die bloße Unsicherheit über mögliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt Investitionen, Neubau und Sanierung bremst. Es muss also gar nicht erst zu einer Vergesellschaftung kommen. Es reicht, dass darüber gesprochen wird. Kapital ist dieser Tage ein scheues Reh und wer Investoren verunsichert, riskiert leere Baugruben.
Dabei zeigt Berlin gerade, wie es auch geht: Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel entstehen 5 000 neue Wohnungen, dazu Schulen, Kitas und Gewerbeflächen. Wir sind mit Zeppelin Rental seit dem ersten Spatenstich dabei. Dass es dieses Projekt gibt, liegt an verlässlichen Bedingungen, unter denen sich Bauen für alle Beteiligten lohnt. Und zwar auch der Bau geförderter Wohnungen, die in Tegel ausdrücklich dazugehören.
Wer mehr bezahlbaren Wohnraum will, muss schneller genehmigen, Standards pragmatischer gestalten, private wie öffentliche Investitionen mobilisieren und so vor allem mehr bauen und Angebot schaffen. Nur damit ist Mietern nachhaltig geholfen. Das ist vielleicht weniger spektakulär als eine Vergesellschaftung, aber es wirkt.
Die künftige Berliner Koalition wird sich an der Frage messen lassen müssen: Wie viele neue Wohnungen entstehen unter ihrer Verantwortung? Bei Vergesellschaftung lautet die Antwort: null. Bei Projekten wie in Tegel: tausende. Die Wahl sollte eigentlich nicht schwerfallen.
Oktober 2026

