Cat Bagger: Eine Frage der Perspektive

60 Zentimeter können im Materialumschlag einen Unterschied machen. Das gilt auch für einen Cat 374 und einen Cat 330, die im Schotterwerk Brugger Aufgaben zwischen Gewinnung, Aufbereitung und Baustoffrecycling übernehmen. Weil dabei neben Leistung und Reichweite vor allem der Blick auf den Arbeitsbereich zählt, stattete der Service der Zeppelin Niederlassung Böblingen beide Kettenbagger mit einer starren Kabinenerhöhung aus. Die Idee dahinter: Je höher der Fahrer sitzt, desto besser kann er Material, Arbeitsgerät und Umfeld überblicken. Das macht sich beim Beschicken der Siebanlage ebenso bemerkbar wie beim Anlegen von Haufwerken oder bei der Lkw-Beladung. Auch der Weg zum erhöhten Arbeitsplatz wurde mitgedacht. Neben der Kabine befindet sich eine Plattform, über die der Fahrer sicher ein- und aussteigen kann. Gleichzeitig schafft sie eine zusätzliche Standfläche, um die Scheibe leichter zu reinigen. Gerade im staubigen Umfeld eines Schotterwerks ist das weit mehr als eine Frage des Komforts.

Der Cat 374 löst den feinbankigen Kalk mit einem Reißzahn und lädt das Material anschließend mit einem 4,5-Kubikmeter-Löffel auf Dumper.

Wie unterschiedlich die Anforderungen an die beiden Kettenbagger ausfallen, zeigt das breite Aufgabenspektrum des Familienunternehmens. Brugger produziert in Dürbheim in dritter Generation Schotter, Sand und Betonsplitt. Beim Cat 374 geht es vor allem um große Materialmengen. Er löst den feinbankigen Kalk mit einem Reißzahn und lädt das Material anschließend mit einem 4,5-Kubikmeter-Löffel auf Dumper. „Sprengen müssen wir nur, wenn die Schichten stabiler sind und der Einsatz mit dem Reißzahn ein großer Kraftakt wäre. Dann schonen wir den Bagger. Doch wir haben hier kaum massive Schichten“, erklärt Geschäftsführer Leander Brugger. Gewonnen wird auf vier Sohlen bis in eine Tiefe von 78 Metern. Der Rohstoff weist einen hohen Reinheitsgrad und nur geringe lehmhaltige Bestandteile auf. Ein Teil des Materials wird zu Düngekalk aufbereitet.

Seit 1976 gewinnt Brugger am heutigen Standort im Steinbruch Burghalde bei Dürbheim Rohstoffe. Doch längst dreht sich dort nicht mehr alles ausschließlich um Primärmaterial. Schon 1990 begann das Unternehmen mit Verfüll- und Rekultivierungsarbeiten sowie dem Betrieb einer Erddeponie und einer Bauschutt-Recyclinganlage. Damit kam früh ein zweiter Stoffstrom ins Spiel. Heute werden neben Erdaushub auch Beton- und Asphaltabbruch sowie Mauerwerk angenommen und zu Recyclingbaustoffen aufbereitet. Dieser Bereich soll wachsen. „Wir wollen das Recycling in Zukunft noch weiter ausbauen“, kündigt Leander Brugger an. Außerdem plant er, den Betrieb in den kommenden Jahren zu erweitern.

Damit treffen im Schotterwerk Primär- und Sekundärrohstoffe aufeinander: Auf der einen Seite wird Jura-Kalk gewonnen und aufbereitet, auf der anderen Seite mineralischer Abbruch angenommen und wieder als Baustoff nutzbar gemacht. Beides erzeugt Materialströme. Gestein muss gelöst und geladen, Recyclingmaterial angenommen, aufbereitet, auf Halde gelegt, Siebanlagen zugeführt und fertiges Material verladen werden. Während der Cat 374 für die großen Massen zuständig ist, übernimmt der Cat 330 die Rolle des vielseitigen Allrounders. Er beschickt Siebanlagen, arbeitet im Recycling und übernimmt Ladeaufgaben. Außerdem beseitigt er den Abraum über dem nutzbaren Gestein. Dessen Mächtigkeit schwankt erheblich und reicht von rund einem halben bis zu acht Metern. Entsprechend breit fällt die Palette der Arbeitsgeräte aus. Löffel, Separatorschaufel, Greifer, Pulverisierer und Meißel erweitern sein Einsatzspektrum. Über einen am Stiel angebrachten Lasthaken kann der Kettenbagger darüber hinaus Transport- beziehungsweise Hebearbeiten übernehmen.

Gerade dieser Wechsel der Aufgaben zeigt, worauf es bei einer Maschine in einem kombinierten Gewinnungs- und Recyclingbetrieb ankommt. Nicht allein Motorleistung, Grabkräfte oder Reichweite entscheiden über die Praxistauglichkeit. Maschine, Arbeitsausrüstung und Ausstattung müssen zu den Abläufen im Werk passen. An der Abstimmung der beiden Cat Kettenbagger auf ihren Einsatz waren Zeppelin Verkaufsrepräsentant Nico Kiesler und Serviceberater Simon Honer beteiligt. Dabei ging es um die Ausstattung, die in keiner klassischen Leistungskennzahl auftaucht. Ein Beispiel ist das Steinschlagschutzgitter vor der Frontscheibe. Auf Wunsch erhielt es keine schwarze, sondern eine gelbe Lackierung. „Das ist für die Augen angenehmer“, erklärt Leander Brugger. Beim Cat 330 kommen zudem getönte Scheiben zum Einsatz. Auch der Cat 374 soll damit ausgerüstet werden. Der Grund liegt unmittelbar vor der Kabine: Bei intensiver Sonneneinstrahlung reflektiert der helle Jura-Kalk das Licht stark.

Geschäftsführer Leander Brugger (Mitte) mit seiner Tochter Elena-Marie Brugger (Zweite von links), Baggerfahrer Manuel Saier (Zweiter von rechts) und Hund Anton sowie mit Nico Kiesler (links), Zeppelin Verkaufsrepräsentant, und Simon Honer (rechts), Zeppelin Serviceberater. Fotos: Zeppelin

Solche Details spielten für Leander Brugger bei seiner Investitionsentscheidung ebenso eine Rolle wie die Betreuung der Maschinen. „Im Vorfeld der Investition habe ich mir viele Maschinen angeschaut und miteinander verglichen. Wichtig ist mir ein zuverlässiger Service. Da werde ich von Simon Honer und Nico Kiesler gut beraten und bin bei Zeppelin in Böblingen gut aufgehoben“, so der Geschäftsführer. Das zeigt sich dann eben an Details wie Assistenzsystemen, etwa einer Waage. Sie sind integrierte Bestandteile der neuen Maschinentechnik, die der Unternehmer stärker nutzen will.

Oktober 2026