Die Sonne gab mit weit über 30 Grad Vollgas, als die Firma Schwinger Granit in Nittenau die Belegschaft, Kunden, Geschäftspartner und die Bevölkerung aus der Region zu ihrem 150-jährigen Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür einlud. Knapp 8 000 Besucher waren laut Unternehmensleitung gekommen. Bereits vor rund einem Jahr begannen die Vorbereitungen dafür. Die Intention: der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und zu zeigen, wie Granit abgebaut und verarbeitet wird.
Vom Pferdefuhrwerk über die Dampflok bis zur digitalen Rohstoffproduktion: In 150 Jahren haben sich bei Schwinger Granit nicht nur die Transporttechnik, sondern auch die Gewinnung inklusive der Weiterverarbeitung grundlegend gewandelt. Das 1876 gegründete Unternehmen entwickelt den Natursteinabbau kontinuierlich weiter. Ein wichtiger Meilenstein war die Übernahme des Steinbruchs in Treidling bei Nittenau im Jahr 1974. Davor betrieb das Unternehmen drei Standorte im benachbarten Roßbach, wo auch aktuell wieder eine weitere Lagerstätte erschlossen werden soll, um die Arbeitsplätze für die kommende Generation zu sichern.

Anfangs wurden Granitblöcke in Handarbeit zu Pflastersteinen verarbeitet. 1913 hielt bereits der erste Steinbrecher Einzug. Im Laufe der Zeit änderte sich nicht nur der Abbau, sondern auch die hergestellten Produkte. Ab den 1960er-Jahren rückten Schotter und Splitt in den Fokus. Heute entstehen hochwertige Gesteinskörnungen – vom Gleisschotter für Hochgeschwindigkeitsstrecken und Bahnprojekte wie die Korridorsanierung Regensburg–Nürnberg oder Obertraubling–Passau bis hin zu Edelsplitten für die Asphaltindustrie. Schwinger Granit zählt zu den bedeutenden Produzenten von Schüttgütern in Süddeutschland für den Tief- und Brückenbau. Hergestellt werden außerdem Wasserbausteine für Uferbefestigungen, aber auch Sand, der im Wohnungsbau Anwendung findet.
Beliefert werden Bau- und Infrastrukturprojekte entweder über den eigenen Gleisanschluss oder per Lkw. Die eigene Flotte stand beim Jubiläum Spalier und die für die Gewinnung eingesetzten Baumaschinenriesen präsentierten sich ebenso. Besucher nutzten die seltene Gelegenheit, einmal einen Cat Muldenkipper 775G zu besteigen. Ein anderer Gigant weckte ebenfalls das Interesse: ein Cat Tieflöffelbagger 395 samt dem gewaltigen Felslöffel, vor dem die Besucher für ein Selfie posierten.

Wie abgestimmt das Zusammenspiel der Großgeräte ist, zeigte sich den Besuchern bei den Fahrten in den rund 100 Meter tiefen Tagebau. Schon am frühen Vormittag bildeten sich lange Warteschlangen für die geführten Touren, auf denen es Gelegenheit gab, die Rohstoffgewinnung aus nächster Nähe zu erleben. Dabei wurde deutlich, mit welchem Aufwand die Schüttgüter entstehen, wenn Baumaschinen den Abbau in Angriff nehmen und das durch kontrollierte Sprengungen gelöste Vorkommen zur Aufbereitung verladen wird. Für viele Besucher überraschend: Künstliche Intelligenz ist inzwischen Teil der Rohstoffgewinnung. Ein Kamerasystem erfasst das Material im Baggerlöffel und unterstützt die Qualitätssicherung. Mit solchen Technologien richtet sich das Unternehmen auf die Zukunft aus. Handarbeit, wie sie in der Anfangszeit des Steinbruchs noch selbstverständlich war, spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle – etwa beim Befüllen von Gabionen.

Die Zeppelin Niederlassung Straubing begleitete den Tag der offenen Tür und präsentierte moderne Technologien wie 3D-Maschinensteuerungen sowie Lösungen für das digitale Flottenmanagement. Die Anwendung wird auch bei Schwinger Granit intensiv und in der Fortführung von Cat Productivity genutzt, um Maschineneinsätze, Materialströme und Produktionsprozesse auszuwerten. Die gewonnenen Daten helfen dabei, Abläufe zu verbessern, die Wirtschaftlichkeit zu steigern und den Kraftstoffverbrauch zu senken. Stetig wird im Betrieb an der Optimierung der Maschinen in der Gewinnung und Verladung gefeilt. Davon konnte sich auch Holger Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Zeppelin Baumaschinen, selbst ein Bild machen, der persönlich dem langjährigen Kunden zum 150-jährigen Jubiläum gratulierte und ein limitiertes Sondermodell überreichte.
Für die jüngsten Besucher gab es Mitmachaktionen wie im Sand versteckte Juwelen und Goldtaler, die freigebuddelt wurden, oder ein Geschicklichkeitsspiel mit einem Cat Minibagger. Ergänzend vermittelten Informationsstände zum Leitstand oder zur Sprengung Wissenswertes rund den Steinbruch. Mit einem Quiz wurden Fakten abgefragt. Gesucht wurde die richtige Antwort auf die Frage: Aus wie viel einzelnen Steinen besteht eine Tonne Gleisschotter? Wer die Antwort – rund 3 000 einzelne Granitsteine – wusste und Glück hatte, konnte etwa eine von fünf Fahrten mit dem Muldenkipper gewinnen. „Viele Menschen nutzen täglich Straßen oder die Bahn, kennen aber die Entstehung der dafür benötigten Baustoffe nicht. Mit unserem Tag der offenen Tür wollten wir der Öffentlichkeit und zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Einblicke in unsere Arbeit geben und ihnen die Bedeutung regionaler Rohstoffgewinnung für die Infrastruktur vermitteln“, so Florian Schwinger, der das Unternehmen zusammen mit seinem Vater Jörg Schwinger und seinem Großvater Horst Schwinger führt.
August 2026

