Erster Cat Hochlöffelbagger 395 auf Bewährungsprobe beim Edelsplittwerk Schwerz

Quarzporphyr kennt kein Pardon. Das vulkanische Gestein zählt zu den härtesten und verschleißintensivsten Rohstoffen. Baumaschinen, die den Abbau übernehmen, stehen unter Dauerbelastung – jeder Ladezyklus ist ein Härtetest für die Ausrüstung und den Stahlbau. Im Edelsplittwerk Schwerz der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH, die zur Kemna-Gruppe gehört, stellt sich nun ein neuer Akteur der Aufgabe, das abrasive Gestein zu fördern. Dort ging deutschlandweit der erste in Serie gefertigte Cat Hochlöffelbagger 395 in den Einsatz. Bei Politikern gilt die Hundert-Tage-Frist als erste Bewährungsprobe – im Rohstoffabbau hat die neue Gewinnungsmaschine ebenfalls diese Marke erreicht. Auch wenn für eine fundierte Bewertung unter den anspruchsvollen Einsatzbedingungen noch weitere Erfahrungen gesammelt werden müssen, gibt es ein erstes Feedback aus der Praxis.

Comeback eines Klassikers: Zur bauma 2025 legte Caterpillar erstmals seit 15 Jahren wieder einen neuen Hochlöffelbagger als Vorserienmodell auf. Ein Jahr später ist der Cat 395 FS in Deutschland angekommen und stellt sich im Edelsplittwerk Schwerz der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH einer besonderen Bewährungsprobe: Dort trifft er auf Quarzporphyr, einen extrem harten und abrasiven Rohstoff. Mit verstärkter Hochklappschaufel und zusätzlichem Verschleißschutz wurde die Maschine speziell auf die hohen Belastungen abgestimmt. Die ersten hundert Betriebsstunden hat der neue Hochlöffelbagger bereits hinter sich. Foto: Zeppelin    

Zur bauma 2025 legte Caterpillar erstmals seit 15 Jahren wieder einen neuen Hochlöffelbagger als Vorserienmodell auf und bot der Baumaschinengattung eine große Bühne, um sich auf der Messe ins Rampenlicht zu setzen. Dort machten sich auch André Krug, Verkaufsleiter vom Geschäftsbereich Konzernkunden bei Zeppelin, sowie Jörg Reining, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH, erstmals mit den Einzelheiten vertraut. Aufgrund des für 2026 geplanten Austauschs des am Standort Schwerz im Einsatz befindlichen Gewinnungsgeräts wurden Ende 2025 Gespräche über eine mögliche Ersatzinvestition konkret. Gerade bei dem Einsatz eines Hochlöffelbaggers im Quarzporphyrabbau geht es eben nicht nur um den Maschinenverkauf, sondern auch um die Abstimmung von Einsatzkonzept, Ausrüstung und Service. Mit ins Boot geholt wurden Daniel Gruber, Servicekoordinator Geschäftsbereich Konzernkunden bei Zeppelin, und Fred Kraus, leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Leipzig. Das vulkanische Hartgestein setzt Maschinen sowie Verschleißteile einer hohen Belastung aus. „Unser Ziel ist es, die Maschinen gemeinsam mit dem Kunden bestmöglich auf die jeweiligen Einsatzbedingungen abzustimmen, um maximale Verfügbarkeit und die niedrigsten Kosten pro Tonne zu erzielen“, so André Krug. Unterstützt wurde er dabei von Carolin Peter aus dem Vertriebsinnendienst des Konzernkundenbereichs, welche die Abstimmung der beteiligten Fachbereiche koordinierte.

Die 5,2 Kubikmeter große Hochklappschaufel wurde zusätzlich verstärkt.

Selbst nach der erfolgten Sprengung zeigt sich in Schwerz, wie widerstandsfähig das Material ist. Denn es bleiben immer noch vereinzelt Felsbrocken zurück, die für eine Weiterverarbeitung im Brecher zu groß sind. Die Lösung: die Klappschaufel des Hochlöffelbaggers nimmt eine tonnenschwere Knäpperkugel auf, die auf den Quarzporphyr trifft und ihn dann mit gewaltiger Aufprallenergie zerkleinert. Erst dann kann das Material auf Muldenkipper verladen werden. Aufgrund der Abrasivität des Materials wurden zusätzliche Vorkehrungen getroffen, welche die robuste Konstruktion verstärken. Lange Standzeiten sind ein entscheidender Faktor für einen wirtschaftlichen Betrieb, auf den die Kemna-Gruppe und die Mitteldeutsche Baustoffe GmbH Wert legen und auf deren Anforderungen Zeppelin reagiert hat. „Bei uns gilt die Devise: Viel hilft viel“, bringt es Jörg Reining im Hinblick auf den Verschleißschutz auf den Punkt. So wurde die 5,2 Kubikmeter große Hochklappschaufel zusätzlich verstärkt, die damit ein Gewicht von elf Tonnen erreicht. „Da beim Knäppern Steinschlag auftreten kann, wurden die Zylinder besonders geschützt und die Anlenkung der Schaufel bekam noch einen zusätzlichen Gummiaufsatz“, erklärt Fred Kraus. Zum Schutz des Fahrers erhielt die Kabine eine Steinschlagschutzverglasung.

Im Edelsplittwerk Schwerz ging deutschlandweit der erste in Serie gefertigte Cat Hochlöffelbagger 395 in den Einsatz.

Beim Lösen und Verladen des Quarzporphyrs wirken auf die Zähne extreme mechanische Belastungen. Neben hohen Eindringkräften führt der abrasive Charakter des Gesteins zu einem überdurchschnittlich hohen Verschleiß der sieben Zahnspitzen. „Aktuell testen wir drei Lösungen. Die derzeit eingesetzte Variante zeigt bereits deutliche Verschleißerscheinungen und ist inzwischen stumpf, sodass wir noch auf der Suche nach der für unseren Einsatz optimalen Konfiguration sind“, so Sebastian Krüger, Leiter Produktion und Technik bei der Mitteldeutschen Baustoff GmbH. So sollen als nächster Schritt deutlich schwerere Zähne eingesetzt werden. Der Gedanke dahinter: Die größere Materialstärke soll dem Verschleiß länger standhalten und die Standzeiten erhöhen. Erst die weiteren Praxiserfahrungen werden zeigen, welche Lösung unter den anspruchsvollen Bedingungen die besten Ergebnisse erzielt.

Daniel Gruber, Servicekoordinator Geschäftsbereich Konzernkunden bei Zeppelin, Fred Kraus, leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Leipzig, Marius Hübner, Betriebsleiter der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH, Jörg Reining, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH, André Krug, Verkaufsleiter vom Geschäftsbereich Konzernkunden bei Zeppelin, und Carolin Peter, Vertriebs­innendienst des Zeppelin Konzernkundenbereichs (von links). Fotos: Zeppelin

Die Suche nach der optimalen Konfiguration endet jedoch nicht beim Hochlöffelbagger. Bereits zum Jahresende soll in Schwerz ein neuer Cat Muldenkipper 775 Kinetic seinen Betrieb aufnehmen. Auch hier sind Anpassungen für den anspruchsvollen Einsatz angedacht wie eine Auskleidung der Mulde samt Bordwanderhöhung. Der Muldenkipper verfügt über eine neue Rohrrahmenkonstruktion, die für einen niedrigeren Schwerpunkt, mehr Stabilität und ein sicheres Fahrverhalten auch in anspruchsvollem Gelände mit stellenweise bis zu 16 Prozent Steigung sorgt. Gleichzeitig wächst das Ladevolumen durch den neu gestalteten Muldenkörper um rund zehn Prozent. Mit einer Nutzlast von rund 77 Tonnen ist die Maschine auf hohe Förderleistungen ausgelegt. Zudem verbessert die neue Vorderachsaufhängung das Fahrverhalten und ermöglicht einen kleineren Wenderadius, was insbesondere auf den engen Fahrwegen Vorteile bringt. Auch im Fall des Skw sind lange Standzeiten ein wesentliches Kriterium für den Rohstoffbetrieb. Damit setzt er den Ansatz wie schon beim Cat 395 konsequent fort, wo nicht allein technische Daten im Vordergrund stehen, sondern die Frage, wie sich die Maschine unter den extremen Bedingungen hinsichtlich Verschleiß, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit bewährt. Gerade im Quarzporphyrabbau sind eben nicht nur hohe Grab- und Losbrechkräfte gefragt, sondern auch eine robuste Konstruktion für das vulkanische Hartgestein, das in Schwerz seit 1880 gewonnen wird. Inzwischen erfolgt der Abbau in hundert Metern Tiefe auf sieben Sohlen – Sohle acht ist bereits aufgefahren und wird dann über kurz oder lang ebenfalls von dem neuen Cat Hochlöffelbagger erschlossen werden. „Das Feedback des Fahrers ist bislang positiv. Der Bagger hat ausreichend Leistungsreserven. Die ersten hundert Betriebsstunden sind für uns jedoch nur eine Momentaufnahme. Entscheidend wird sein, wie sich der Cat 395 über die kommenden Jahre unter den anspruchsvollen Bedingungen im Quarzporphyrabbau bewährt“, so Marius Hübner, Betriebsleiter der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH.

Oktober 2026