Boom von Rechenzentren: Was auf die Bauwirtschaft zukommt  

Investitionen in Milliardenhöhe, ein enormer Bedarf an Ressourcen wie Strom und Wasser und Rechenleistungen, die einem Vielfachen bisheriger Rechenzentren entsprechen: Der Boom der Rechenzentren entwickelt sich in Deutschland zu einem wichtigen Wachstumsmarkt für die Bauwirtschaft. In Deutschland findet aktuell ein massiver Ausbau der Rechenkapazität statt, die sich nach den Plänen der Bundesregierung bis 2030 verdoppeln soll. Nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt insgesamt 99 neue Rechenzentren in Planung, 41 davon befinden sich bereits im Bau.  

Warum steigt die Nachfrage nach Rechenkapazität so stark?

Bisher spielten Rechenzentren hauptsächlich eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung digitaler Anwendungen, etwa beim Betrieb von Websites, Cloud-Diensten und bei der Datenspeicherung. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und dem zunehmenden Cloudcomputing wächst jedoch der Bedarf an Rechenkapazität kontinuierlich. Zusätzlich sorgt der weltweite Boom der künstlichen Intelligenz für einen erheblichen zusätzlichen Bedarf. Sowohl für den Betrieb der KI-Modelle als auch für Forschung und Entwicklung neuer KI-basierter Anwendungen werden enorme Rechenkapazitäten benötigt.  

Dabei unterscheiden sich auf KI ausgelegte Rechenzentren grundlegend von klassischen Anlagen, die etwa für cloudbasierte Anwendungen genutzt werden. Während dort in der Regel CPUs verwendet werden, kommen in den Server-Racks neuer KI-Rechenzentren vor allem GPUs zum Einsatz. Diese Grafikprozessoren bieten eine höhere Leistungsdichte, weisen jedoch auch einen deutlich höheren Stromverbrauch und entsprechend eine stärkere Wärmeentwicklung auf. Zentrale Themen beim Bau und Betrieb neuer Rechenzentren sind deshalb die Kühlung der Server-Racks, eine leistungsfähige Stromversorgung sowie die Nutzung der entstehenden Abwärme.  

Wie entwickelt sich der Markt für Rechenzentren in Deutschland?

Zwar liegt der Schwerpunkt des weltweiten Ausbaus von Rechenkapazitäten in den USA, wo führende KI- und Softwareanbieter Projekte mit Zielgrößen von über einem Gigawatt, mehreren Hunderttausend eingesetzten GPUs und eigenen Kraftwerken für die Stromversorgung verwirklichen. Im Zuge der Debatte um mehr digitale Souveränität und eine verringerte Abhängigkeit von den USA wird aber auch in Europa und speziell in Deutschland der Ausbau der Rechenkapazität vorangetrieben.  

Neben der geplanten EU-Initiative zum Bau von fünf sogenannten KI-Gigafactorys und der im Frühjahr 2026 vorgestellten Rechenzentrums-Strategie der deutschen Bundesregierung ist bereits jetzt eine steigende Anzahl neuer Rechenzentrumsprojekte in Deutschland zu beobachten. Neben US-Tech-Konzernen wie Google, Microsoft oder Amazon, die auch in Deutschland vor allem bei Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von mehr als hundert Megawatt für einen Großteil der Bauprojekte verantwortlich sind, kündigen mittlerweile auch deutsche und europäische Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe Milliardeninvestitionen in neue Rechenzentren an.  

Was bedeutet der Boom der Rechenzentren für die Bauwirtschaft?  

Die Milliardeninvestitionen machen den Bau von Rechenzentren zunehmend zu einem Wachstumsmarkt für die Bauwirtschaft. Nach Angaben der Allianz-Versicherung steigt nicht nur die Anzahl der Rechenzentren, sondern auch das Investitionsvolumen pro Anlage. Während bisher mit Kosten von 200 bis 300 Millionen US-Dollar pro Anlage kalkuliert wurde, liegen große Rechenzentren mittlerweile bei Investitionsvolumen zwischen 500 Millionen und zwei Milliarden US-Dollar. Bei einigen Großprojekten können die Projektkosten sogar bis zu 20 Milliarden US-Dollar erreichen.  

Wie stark der Rechenzentrumsboom inzwischen das Geschäft großer Baukonzerne prägt, zeigt das Beispiel Hochtief: Der international tätige Konzern vermeldete in seinem Halbjahresbericht zur ersten Hälfte des Jahres 2026, dass Planung und Bau von Rechenzentren mittlerweile rund 25 Prozent des gesamten Auftragsbestands ausmachen würden. Neben Projekten in den USA, wo die US-Tochter Turner unter anderem als Generalunternehmer für den Bau eines Rechenzentrums des Meta-Konzerns in Indiana verantwortlich ist, realisiert Hochtief auch ein Rechenzentrum in Berlin, dessen Anschlussleistung bei 36 Megawatt liegen soll.  

2025 nahm Hochtief sein erstes Edge-Rechenzentrum des Typs Yexia in Betrieb. Errichtet wurde es in Massivholzbauweise und mit energieeffizienten Systemen wie Wasserkühlung und Abwärmenutzung. Foto: Hochtief  

Auch für weitere Baukonzerne wie die Porr oder die Strabag hat sich der Bau von Rechenzentren mittlerweile zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Dabei geht es längst nicht allein um den Hochbau, sondern die Projekte stellen hohe Anforderungen an Energieversorgung, Leitungsbau, Kühlung und technische Gebäudeausrüstung und eröffnen damit verschiedenen Bereichen der Bauwirtschaft zusätzliche Geschäftsfelder. Neben deutschen und österreichischen Unternehmen engagieren sich zunehmend internationale Generalunternehmer bei Rechenzentrumsprojekten. Insbesondere das irische Unternehmen John Paul Construction nutzt dabei seine langjährige Erfahrung im Bau von Rechenzentren und setzt Projekte wie FRA3H für NTT Data oder das Rechenzentrums-Cluster im Rheinischen Revier für Microsoft um.  

 Aktuelle Bauprojekte in Deutschland im Überblick:   

1. Microsoft   

Microsoft kündigte 2024 Investitionen in den Bau eines neuen Rechenzentrums-Clusters im Rheinischen Revier in Höhe von 3,2 Milliarden Euro an. Konkret sollen an den Standorten Bergheim, Bedburg und Elsdorf Rechenzentren entstehen. Microsoft will damit unter anderem zusätzliche Cloud-Kapazitäten in Deutschland schaffen, die Verfügbarkeit von KI-Diensten erhöhen und gleichzeitig mehr digitale Souveränität Europas ermöglichen. Der Spatenstich erfolgte am 12. März 2026 in Bergheim, während die Baugenehmigung für Bedburg auch bereits erteilt wurde. Am 1. Juli 2026 wurde zudem bestätigt, dass die Erweiterung des Projekts um ein viertes Rechenzentrum in Grevenbroich geplant ist. Ein bedingter Kaufvertrag für eine geeignete Fläche wurde bereits unterschrieben; noch steht das Projekt unter Vorbehalt. Zunächst müsse zusammen mit der Stadt ein Bebauungsplan entwickelt werden. Microsoft betont, dass es zum Umweltschutz beitrage, indem seit 2025 der gesamte Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen bezogen werde. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass bei den neuen Standorten im Rheinischen Revier auf ein neues Kühlungsverfahren gesetzt wird, das auf einem zirkulären Wasserkreislauf anstelle von Verdunstungskühlung basiert, wodurch der Wasserverbrauch stark gesenkt werden soll.  

Spatenstich in Bergheim im Rheinischen Revier, wo Microsoft mehrere KI-Rechenzentren in Deutschland errichten wird. Foto: Microsoft 

2. NTT Data

Der japanische IT-Dienstleister NTT betreibt bereits Rechenzentren im Großraum Frankfurt, in Berlin und München. Im Rahmen einer umfassenden Investitionsstrategie wurden in den letzten Jahren neue Rechenzentren in Berlin und Frankfurt angekündigt. Diese sollen vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden und die entstehende Abwärme soll in die städtischen Fernwärmenetze integriert werden. Besonders sticht das geplante Rechenzentrum Frankfurt 6 hervor, das ab 2027 in Nierstein am Rhein auf dem Gelände einer ehemaligen US-Militärbasis entstehen und nach der Fertigstellung eine Netzwerkleistung von 482 Megawatt erreichen soll. Geht man von dieser Leistung aus, wäre FRA 6 nicht nur das größte Rechenzentrum in Deutschland, sondern auch das drittgrößte unter den europaweit in Planung befindlichen. Größer wären lediglich die geplanten Zentren in Portugal und Stockholm. Aufgrund der enormen Rechenleistung wird davon ausgegangen, dass FRA 6 hauptsächlich für den Einsatz von KI-Anwendungen konzipiert ist. Während FRA 6 noch in der Planungsphase ist, werden FRA 5 und ein Rechenzentrum in Berlin bereits aktiv gebaut. Konkret wurde der Auftrag für das Projekt in Berlin Anfang 2026 an die Firma Hochtief vergeben, während mit einer Fertigstellung im Jahr 2029 gerechnet wird. FRA 5 wiederum befindet sich, Stand September 2026, aktiv im Bau.  

3. Google  

Im Rahmen eines Investitionspakets in Höhe von 5,5 Milliarden Euro im Großraum Frankfurt, das Google am 11. November 2025 ankündigte, plant der Konzern neben dem Ausbau bestehender Infrastruktur im Rechenzentrum Hanau auch den Bau eines neuen Rechenzentrums in Dietzenbach. Das Rechenzentrum in Hanau wurde 2023 eröffnet und ist bis jetzt das einzige Rechenzentrum von Google in Deutschland. Der Ausbau der Kapazitäten in Hanau und der Neubau in Dietzenbach sollen nach Unternehmensangaben dazu beitragen, Rechenkapazität für KI-Anwendungen bereitzustellen. Weiter wurde angekündigt, dass geplant sei, die entstehende Abwärme der Anlage in Dietzenbach in das Fernwärmenetz der Stadt einzuspeisen und so bis zu 2.000 Haushalte mit Fernwärme zu versorgen. Über die genaue Verteilung der Investitionssumme auf die beiden Standorte sowie andere Google-Standorte in Deutschland sind bis jetzt keine konkreten Zahlen bekannt. Während in Hanau im April 2026 bereits der Spatenstich für die Erweiterung stattfand, ist über den Status des Projekts in Dietzenbach bis auf die Auswahl des Grundstücks noch nichts bekannt.  

Das Google-Rechenzentrum in Hanau wird erweitert, um der wachsenden Nachfrage nach KI- und Cloud-Diensten gerecht zu werden. Foto: Google  

4. Schwarz Digits  

Bei Schwarz Digits handelt es sich um die Digitalsparte der Schwarz Gruppe mit Sitz in Heilbronn, zu der auch Lidl und Kaufland gehören. Ursprünglich handelte es sich nur um die hauseigene Digitalabteilung mit der Aufgabe, den Eigenbedarf an Rechen- und Serverkapazität zu erfüllen. Mittlerweile bietet das Unternehmen auch Leistungen für externe Kunden an und wirbt mit Datensicherheit und Datenschutz nach EU-Standards. Im Rahmen der bis dato größten Einzelinvestition in der Firmengeschichte investiert die Schwarz Gruppe elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum im brandenburgischen Lübbenau. Am 17. November 2025 erfolgte der Spatenstich auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohlekraftwerks. Auf dem insgesamt 13 Hektar umfassenden Areal soll ein modernes Rechenzentrum mit 200 MW Anschlussleistung entstehen, in dem bis zu 100.000 GPU-Chips installiert werden können. Laut Unternehmensangaben soll zudem ein Anschluss an das städtische Fernwärmenetz erfolgen, um die bei der Chipkühlung anfallende Abwärme als umweltfreundliche Wärmequelle nutzen zu können. Die Fertigstellung der ersten Gebäude ist für Ende 2027 geplant.

Schwarz Digits Datacenter Lübbenau. Foto Rendering Schwarz Digits  

Oktober 2026