Sebastian Behr aus Deutschland, seit 2007 Mitglied im Zeppelin-Fahrerclub, hat die Caterpillar Operator Challenge nicht nur einmal, sondern gleich dreimal abgeräumt. 2022 holt er sich den zweiten Platz. 2023 verpasste er Platz drei um zwei Sekunden. „Das muss diesmal besser werden“, kündigt er an. Beim Halbfinale der Caterpillar Operator Challenge schnitt er als Drittbester ab und darf wieder zum Finale. Ein Gespräch über den besonderen Reiz, sich in verschiedenen Baumaschinen-Disziplinen mit den besten Fahrern Europas zu messen.
Baublatt: Wenn in Málaga die Bagger-Elite zur Caterpillar Fahrermeisterschaft anrückt, waren Sie die letzten Male immer sehr erfolgreich – so auch diesmal. Herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz. Zufrieden mit dem Ergebnis?
Sebastian Behr: Ich habe mich sehr gefreut, unter die ersten Drei gekommen zu sein und es wieder ins Finale nach Las Vegas geschafft zu haben.

Baublatt: Die Konkurrenz ist nicht ohne, oder?
Sebastian Behr: Es war ein harter Wettkampf – die Konkurrenz war diesmal besonders groß. Viele Fahrer waren das erste Mal dabei. Besonders stark war ein 18-jähriger Teilnehmer. Ich habe eigentlich gedacht, dass ich mich bei der Übung mit der Raupe ganz gut geschlagen habe. Denn laut Schiedsrichter war ich der erste, der es fehlerfrei und am schnellsten geschafft hat. Es war deutlich einfacher, dabei die Assistenzsysteme zu nutzen. Aber dann trat ein 18-Jähriger an. Er absolvierte die Übung ohne Unterstützung schneller als ich. Vor ihm hat jeder seinen Hut gezogen. Diesmal hat er es noch nicht nach Las Vegas geschafft, aber von ihm wird man in Zukunft sicher noch hören.
Baublatt: Wenn man die Caterpillar Operator Challenge nicht nur einmal, sondern gleich dreimal abgeräumt hat und in dem Familienbetrieb Ihres Vaters, Reuen Tief- und Straßenbau, einen Cat Mobilbagger M319 steuert und somit quasi tagtäglich im Training ist, bereitet man sich denn dann auf ein Halbfinale wie dieses vor?
Sebastian Behr: Darauf kann man sich nicht speziell vorbereiten. Man weiß nicht, welche Aufgaben sich Caterpillar mit welchen Maschinen ausgedacht hat. Ich sitze jeden Tag auf dem Bagger. Da muss ich nicht mehr üben. In unserem Betrieb gibt es auch Raupen, die ich zwar nicht so oft fahre, aber auch damit kann ich umgehen. Anders ist es mit einem Dumper und Radlader, diese haben wir nicht.
Baublatt: Was war denn diesmal die schwierigste Aufgabe?
Sebastian Behr: Die Übung mit der Raupe war sehr anspruchsvoll. Man musste zuerst einen Reifen an Ölfässern vorbeischieben, ohne diese zu berühren. Dabei musste das Schild immer von rechts nach links gedreht werden. Den Reifen davor durfte man nicht verlieren. Es hätte Fehlerpunkte gegeben, wenn man mit dem Schild den Boden berührt hätte. Dann waren Seile gespannt und darauf lagen Rohre, nicht viel größer als eine Blechdose. Sie musste man anschließend über die Seile schieben. Das kostete Nerven, aber war nicht die einzige Übung, die uns gefordert hat. Mit dem Radlader musste man erst durch einen Parcours fahren. Anschließend damit Material mit 4,5 Tonnen zielgenau auf einen Dumper verladen. Dann musste man die Schaufel wechseln und durch eine Gabel ersetzen. Damit ein Rohr auf einen Anhänger platzieren, ein anderes Rohr runternehmen und ablegen. Dann die Gabel wieder durch die Schaufel ersetzen und es ging rückwärts durch den Parcours. Da war nicht weniger höchste Konzentration nötig.
Baublatt: Und wie haben Sie die Übung absolviert?
Sebastian Behr: Es ging ganz ordentlich, auch wenn ich Strafpunkte erhalten habe, weil ich aufgrund der Geschwindigkeit etwas Schotter auf der Strecke verloren habe. Am Tag eins lief es ganz gut, da war ich noch auf Platz drei, aber am nächsten Tag habe ich beim Dumper gleich drei Fehler gemacht, die mich 150 Strafpunkte gekostet haben. Da dachte ich, das war’s dann wohl. Aber als letztes hatte ich die Raupenübung vor mir und die lief wieder ganz gut. Man hatte diesmal kein Gefühl dafür, wo man im Wettbewerb steht.
Baublatt: Spannend bis zum Schluss.
Sebastian Behr: Absolut. Es war im Wettbewerb nicht möglich abzuschätzen, wo man im Vergleich zum Wettbewerb steht. Denn man wusste nicht, wie die Fehler in welche Strafpunkte umgerechnet wurden. Das haben wir erst am Schluss erfahren. Das machte es so nervenaufreibend.
Baublatt: Wenn man sich immer wieder bei den internationalen Fahrer-Wettbewerben qualifiziert, drängt sich die Frage auf, ob Sie nicht schon mal gefragt wurden, andere Fahrer zu schulen?
Sebastian Behr: Nein, ich wurde noch nicht gefragt. Aber ich wäre dafür der Falsche, weil ich nicht die Geduld dafür hätte. Ich habe hohe Ansprüche, wie man eine Baumaschine bewegen muss. Das A und O ist, dass man sich als Fahrer vorher Gedanken macht, wie man eine Aufgabe schnell und effizient lösen kann, ohne dabei Material unnötig zu bewegen.
Baublatt: Worauf kommt es denn nun an, wenn man die Fahrermeisterschaft gewinnen will?
Sebastian Behr: Technisches Können ist wichtig, aber man muss die Nerven behalten und sich auf den Punkt genau konzentrieren. Jeder Fehler rächt sich. Strafpunkte sind bitter. Jeder steht unter einem enormen Druck, weil es auch um Geschwindigkeit geht. Nur wer zu hundert Prozent auf den Wettbewerb fokussiert ist, wird die Aufgaben gut meistern. Der Sieger und der Zweitplatzierte haben die Aufgaben diesmal hervorragend gelöst. Ich denke, dass wir drei ein starkes europäisches Team sind. Wir sind zuversichtlich, dass wir beim Finale gute Chancen haben, in der Länderkategorie gut abzuschneiden.
Baublatt: Dann drücken wir dafür fest die Daumen.
November 2025

