Ganz Deutschland fieberte mit: Gelingt es, den in der Ostsee auf einer Sandbank gestrandeten Buckelwal zu retten? In einer Hauruck-Aktion wurden Maschinisten zusammengetrommelt, Transporte im Eilverfahren organisiert und schwere Baumaschinen aufgefahren. Einer, der mithalf, dass der Wal überleben konnte, war Piet Braunschweig. Seit 2023 fährt er Lkw für das Lohnunternehmen Hoffmann, für das er normalweise auf der Großbaustelle des Fehmarnbelt-Tunnels Transportarbeiten im Zuge der schweren Erdbewegung ausführt. Kurzfristig sprang er ein, setzte sich ans Steuer eines Cat Kettenbaggers 323 und unterstützte seine Kollegen, die einen Cat Longreachbagger 330 LRE und eine Cat Raupe D2 vor dem Timmendorfer Strand bewegten. Bis in die Dunkelheit hinein haben sie die Dutzenden Helfer, allen voran Biologe Robert Marc Lehmann, unterstützt und auf seine Kommandos gehört. Piet Braunschweig berichtet über die einmalige Rettungsaktion mit Cat Maschinen, die dazu beitrug, dass sich der Wal freischwimmen konnte.
Baublatt: Wie kam es dazu, dass Sie mit Ihrem Bagger bei der Walrettung am Timmendorfer Strand im Einsatz waren?
Piet Braunschweig: Mein Chef, Matthias Hoffmann, rief an und sagte: Du musst sofort los. Normalerweise fahre ich Lkw, aber ich kann auch mit Baggern umgehen. Ich habe dann mit meinem Kollegen den Bagger per Tieflader hergebracht. Dann sind wir gleich zurück und haben noch die Raupe geholt. Den Longfrontbagger brachte dann ein Spediteur.
Baublatt: Ging das denn so schnell mit den Transportgenehmigungen?
Piet Braunschweig: Da haben alle an einem Strang gezogen: Mein Arbeitgeber, die Firma Hoffmann, Zeppelin und die Spedition Kersten. Auch die Einsatzkräfte haben uns unterstützt. Die Polizei und Ordnungskräfte haben dann vor Ort alles abgesperrt, damit wir die Maschinen sicher und schnell abladen konnten. Die Kommunikation lief echt gut. Man wollte, dass wir kommen und helfen. Wir haben das alles unentgeltlich gemacht, weil wir wollen, dass der Wal lebt und Richtung Atlantik schwimmt. Denn nur dann ist er laut Biologe auch in Sicherheit.

Baublatt: So eine Aktion zeigt: Es geht doch voran in Deutschland, wenn man will. Wie haben Sie die Situation vor Ort erlebt?
Piet Braunschweig: Es herrschte große Aufregung und es gab einen riesigen Medienhype. Ich glaube, ich war noch nie so oft im Fernsehen zu sehen.
Baublatt: Welche konkrete Aufgabe hatte Ihr Bagger bei der Rettungsaktion?
Piet Braunschweig: Mit einem Schwimmbagger wurde eine Rinne angelegt, damit sich der Wal freischwimmen konnte. Wir haben uns auf dem Landweg vorgearbeitet und versucht, von dort die Sandbank zu erreichen, die dann der Longfrontbagger wegbaggern sollte. Je schneller, desto besser – hieß es für die Überlebenschancen des Wals. Das hat schließlich auch geklappt: Mein Kollege hatte dann mit seinem Longfrontbagger die Sandbank erreicht und konnte dann in enger Abstimmung mit Robert Marc Lehmann den Wal anstupsen, damit er die freigebaggerte Rinne erreichte. Das war wohl der entscheidende Impuls. Denn damit machte der Wal einen Satz von 40 Metern und hatte es dann nicht mehr weit ins tiefe Wasser. Gerne hätten wir weitergemacht – das helle Licht der Baumaschinen gibt es natürlich her, dass wir auch nachts sicher arbeiten können. Leider wurde uns aber von der Polizei mitgeteilt, dass wir aufhören sollten. Das war für uns unbegreiflich, dass das nicht mehr erwünscht war.

Baublatt: Wieso sollten Sie aufhören?
Piet Braunschweig: Umweltschützer standen am Steg und dachten wohl, dass wir dem Wal zu nahe kommen und ihn verletzen könnten. Das war völliger Quatsch. Sie konnten vom Ufer aus gar nicht sehen, in welchem Abstand wir zum Wal standen, und sie wissen auch nicht, wie vorsichtig und filigran so ein Bagger arbeiten kann.
Baublatt: Welche Rolle spielt dabei das Feingefühl des Fahrers – gerade in einer so sensiblen Situation?
Piet Braunschweig: In so einer Situation ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Man darf nicht einfach drauflosbaggern, sondern muss sehr kontrolliert und überlegt vorgehen. Entscheidend ist, die Tiefe jederzeit im Blick zu behalten – gräbt man zu tief, steht sofort das Grundwasser an und schafft zusätzliche Risiken. Deshalb muss jeder Aushub sitzen. Gefragt ist ein langsames, präzises und fein abgestimmtes Arbeiten, Schritt für Schritt und mit Blick auf das Umfeld sowie die Gesamtsituation. Technik unterstützt dabei, aber am Ende ist es die Erfahrung des Fahrers, die den Unterschied macht.
Baublatt: Was dachten Sie dann am Morgen, als der Wal verschwunden war?
Piet Braunschweig: Die Freude war riesengroß. Er schien es geschafft zu haben. Das hat uns auch der Biologe Robert Marc Lehmann bestätigt, dass wir mit unseren Baumaschinen geholfen haben, den Wal zu retten. Leider hat sich dann die Rettungsaktion in eine andere Richtung entwickelt, die uns alle im Team sehr enttäuscht hat.

Baublatt: Inwiefern unterscheidet sich ein solcher Einsatz von Ihrer täglichen Arbeit auf der Baustelle in Fehmarn?
Piet Braunschweig: Es war was ganz anderes. Auf Fehmarn gibt es einen festen Tagesablauf. Ich weiß genau, was ich mit meinem Lkw machen muss. Auch hier wussten wir, was wir tun – etwa, wie wir einen Weg bauen mussten. Meine Kollegen haben auch schon Sand aufgeschüttet nach einer Sturmflut. Allerdings kam es hier bei diesem Einsatz hin und wieder zu einem Stillstand, weil man auch was ausprobieren musste, um den Wal freizubekommen.
Baublatt: Wie haben Sie denn die Rettungsaktion erlebt?
Piet Braunschweig: Im Laufe des Tages hatten wir uns an das Tier herangebaggert. Als Fahrer hat man ein Auge auf sein Umfeld und achtet darauf, was um einen herum passiert. Ich konnte immer wieder den Wal beobachten. Auf der einen Seite ist es natürlich schlimm, dass wir überhaupt hier baggern mussten, damit der Wal freikommt. Auf der anderen Seite ist es faszinierend. Ich habe in meinem Leben noch nie einen Wal aus dieser Nähe gesehen. Selbst durch die Scheibe im Bagger habe ich den Wal gehört, wenn ich gebaggert habe. Das war Gänsehaut pur.

Baublatt: Wie lange waren Sie denn noch vor Ort?
Piet Braunschweig: Am nächsten Tag haben wir gleich damit begonnen, den Strand wieder so herzustellen, als wäre nichts gewesen. Mein Bagger und die Raupe sind am nächsten Tag wieder zurück nach Fehmarn gebracht worden. Nur der Longfrontbagger blieb noch länger, um die Spuren der Rettungsaktion zu beseitigen.
Baublatt: Was sagt denn so ein Einsatz über die Vielseitigkeit des Jobs und über die Verantwortung aus, die ein Fahrer wie Sie hat?
Piet Braunschweig: Das ist gigantisch. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich ja theoretisch kein Baggerfahrer bin, sondern eigentlich ein reiner Lkw-Fahrer. Mein Chef hat mich mitgenommen und sofort gesagt: Du kommst auch mit und hilfst beim Auf- und Abladen. Dass ich mitbaggern durfte, ist eine große Wertschätzung und Ehre. Das war eine einmalige Chance und ein Einsatz, den ich nie vergessen werde. Das ganze Team, inklusive meines Chefs, würde es sofort wieder machen – wir wären sofort bereit, dem Wal erneut zu helfen.
April 2026

