KI trifft Know-how

Ein Kommentar von Sonja Reimann

Baumaschinen auf blankes Eisen zu reduzieren, ist längst zu kurz gegriffen. Bagger, Radlader und Co. gelten zwar noch immer als pure Kraftpakete, aber sie sind intelligent vernetzt und ihr Einsatz ist datengetrieben. Sensoren erfassen Betriebszustände und Algorithmen erkennen Muster in Temperaturverläufen, Vibrationen oder Druckschwankungen und setzen sie dann in Relation zum Verschleiß. In Verbindung mit KI lässt sich zukünftig punktgenau ermitteln, wann ein Filter ausfällt, ein Hydraulikschlauch porös und ein O-Ring undicht wird. Solche Wehwehchen einer Baumaschine erkennen gestandene Werkstattmeister und Monteure auf einen Blick – dank ihrer Erfahrung, ihrer Routine und ihrem Bauchgefühl.

BU: Durch KI wird das Jobprofil wird anspruchsvoller und es entstehen neue Rollen – vom klassischen Monteur hin zum digitalen Instandhaltungsmanager. Foto: Adobe Stock/MDSHAFIQ

Schon heute und bald noch viel stärker können sie auf Daten zählen und diese für sich arbeiten lassen, um Kosten zu senken, Ausfallzeiten zu reduzieren sowie die Sicherheit im Umgang mit Baumaschinen zu erhöhen. Software anstelle von Schraubenschlüsseln sind die wirksameren Werkzeuge, die mit Präzision, vorausschauend und auch noch rund um die Uhr die richtigen Diagnosen für Wartung und Reparatur liefern. Das bringt große Veränderungen für die Werkstatt mit sich: Statt auf Störungen zu reagieren, wird sie zunehmend zum proaktiven Partner im Instandhaltungsprozess und zum strategischen Dreh- und Angelpunkt für Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit, um potenzielle Ausfälle frühzeitig zu erkennen und gezielt zu verhindern. Die Werkstatt greift damit nicht erst dann ein, wenn ein Bauteil kaputt ist, sondern wenn die KI sagt: „Jetzt sofort wechseln.“ Hat damit das Know-how der Werkstattprofis ausgedient und sind die Monteure nur noch Assistenten der KI?

Der Service rund um Baumaschinen ist im Wandel: Eine Werkstatt wird sich nicht mehr nur auf die reine Reparatur beschränken, sondern ihr Aufgabengebiet wird sich erweitern, wenn Mitarbeiter den Verschleiß oder möglichen Ausfall per Dashboard monitoren. Die Datenanalyse wird eine große Rolle spielen, technische Probleme an Maschinen zu lösen und ungeplante Stillstände zu verhindern. Damit einhergehen neue Anforderungen an das Personal – ihr Jobprofil wird anspruchsvoller und es entstehen neue Rollen – vom klassischen Monteur hin zum digitalen Instandhaltungsmanager. Zum technischen Wissen wird digitale Kompetenz rund um die Datenanalyse nötig sein. Das wird relevanter werden, wenn Echtzeitdaten, Wartungsempfehlungen und sogar automatisierte Ersatzteilbestellungen in­einandergreifen. Das Zusammenspiel von Mechanik, Hydraulik, Elektrik und Elektronik müssen Techniker durchdringen und gleichzeitig die richtigen Schlussfolgerungen aus den Algorithmen ziehen, wenn sie zur Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Baumaschinen beitragen wollen.

Noch sind Fragen offen, wie zuverlässig die generierten Prognosen im Hinblick auf einen Maschinenausfall sind, wie genau der Verschleiß von Baumaschinen erfasst wird und wie Faktoren von außen wie Schmutzpartikel, Vibrationen und Temperatur die aufgezeichneten Werte beeinträchtigen. Die KI kann nur zuverlässige Aussagen treffen, wenn die Daten, die sie füttert, auch aussagekräftig sind. Kommt es hier zu Fehlern, sind falsche Interpretationen vorprogrammiert. Daher wird der Mensch immer die letzte Verantwortung tragen und die finale Entscheidung treffen, ob es Sinn macht, den Ölfilter zu wechseln oder erst später. Die KI wird ihn dabei unterstützen, den passenden Zeitpunkt zu finden. Letztendlich geht es dann auch darum, ob Mitarbeiter den Annahmen der KI vertrauen und diese akzeptieren oder diese auch kritisch hinterfragen. Nur wenn sich daraus echte Vorteile ergeben, indem sie für weniger Stillstand auf den Baustellen sorgt, wird die KI von Mitarbeitern der Werkstatt angenommen.

In jedem Fall bedingt das eine das andere: KI und Werkstattprofis sind keine Konkurrenten, sondern Partner, die sich gegenseitig ergänzen. Die KI lernt aus der Erfahrung der Technikspezialisten – der Basis, auf der sie im Service aufbaut. Und umgekehrt lernen die Mitarbeiter, aus Mustern präventive Maßnahmen abzuleiten.

November 2025