Der Wandel im Recycling zeigt sich heute im täglichen Umschlag von Material, das dem Wertstoffkreislauf zugeführt wird. Wo Schredder, Schrottschere und Gleisanschluss ineinandergreifen, entscheidet die Leistungsfähigkeit der Umschlagtechnik darüber, wie zuverlässig Materialströme laufen und Waggons oder Walking-Floor-Lkw bedient werden. Die Anforderungen an Reichweite, Präzision und Verfügbarkeit sind hoch, denn jede Verzögerung wirkt sich unmittelbar auf den Materialfluss aus. Mit der Entscheidung für neue Cat Umschlagbagger stärkt die Oehle Rohstoffverwertung GmbH aus Singen genau diesen Kernbereich.
Ein Werbeflyer, den Zeppelin Verkaufsrepräsentant Nico Kiesler an Geschäftsführer Dirk Oehle schickte, erregte dessen Aufmerksamkeit: „Kaufen Sie auf keinen Fall eine Baumaschine, bevor Ihnen mein Angebot vorliegt. Das weckte meine Neugier“, so der Unternehmer, der sich dann von ihm und Alexander Tress, Verkaufsleiter Materialumschlag und Recycling vom Vertriebszentrum Baden-Württemberg/Schwaben, beraten ließ, während Simon Honer, Zeppelin Serviceberater, das Servicekonzept vorstellte. Caterpillar war für den Firmenchef keine unbekannte Marke. Trotzdem wollte er wissen, wie ein Umschlagbagger des Herstellers bei den Fahrern ankommt – und so schickte Zeppelin den Cat MH3024 ins Rennen, der sich mit vergleichbaren Maschinen messen lassen musste. Auf den Prüfstand kamen der Fahrerkomfort, das Ansprechverhalten der Hydraulik sowie Wartungszugänglichkeit. „Da lag die Cat Maschine vorne. Von Vorteil war auch, dass sich individuelle Fahrerprofile über das Display einfach einspeichern lassen. Mir war die Rückmeldung der Fahrer wichtig. Sie sagen: Die Menüstruktur ist einfach und verständlich und es gibt nicht zig Untermenüs, durch die man sich klicken muss“, so Dirk Oehle.
Gewählt wurde der Cat MH3024 aufgrund der Ausleger-Reichweite von elf Metern – das ist ausreichend, um die gepressten Pakete auf Lkw für Gießereien zu verladen. Ein breiteres Aufgabengebiet muss der MH3026 mit einer Reichweite von 13 Metern abdecken. Er soll das Sortieren übernehmen, Walking-Floor-Lkw und Güterwaggons beladen, aber auch die Schrottschere und den Schredder beschicken. Deswegen erhielt er einen Schnellwechsler OQC65, denn er soll im Wechsel einen Fünf-Schalen-Greifer oder Magnet bedienen. Geplant ist noch die Anschaffung eines Zweischalengreifers.
„Das Gesamtpaket hat gepasst“, so Dirk Oehle. Ein wesentlicher Aspekt ist für ihn der Serice und die Verfügbarkeit der Monteure. „Auf unserem Platz muss sich was drehen. Wenn es mal klemmt, will ich wissen, woran wir sind und wie es weitergeht. Steht eine der Umschlagmaschinen, kann sie den ganzen Ablauf blockieren und wir können dann Waggons unter Umständen nicht mehr be- oder ausladen“, so Dirk Oehle, der in so einem Fall von seinem Baumaschinenlieferanten auf einen zuverlässigen Informationsfluss setzt. „Dass wir gleich zwei Umschlagbagger liefern durften, ist ein großer Vertrauensbeweis. Jetzt müssen wir zeigen, dass es läuft“, betont Alexander Tress.

Die ersten 30 Tage hat der Cat MH3026 laut der VisionLink-Auswertung im Schnitt 8,7 Liter an Sprit in der Stunde verbraucht. „Ein wirklich guter Wert. Anhand des Leerlaufs merkt man, dass der Fahrer weiß, was er zu tun hat“, so Alexander Tress. Dennoch will der Unternehmer, dass Zeppelin über die Projekt- und Einsatztechnik die Mitarbeiter schult und seine Umschlagbagger-Fahrer die Möglichkeiten der Technik voll ausschöpfen können. Inzwischen erleichtern Assistenzsysteme wie eine Hub- und Reichweitenbegrenzung sowie eine integrierte Waage die Bedienung.
Das Unternehmen hat seinen Ursprung im Jahr 1958, als der Großvater von Dirk Oehle als Fuhr- und Lohnunternehmer loslegte. „Schon von Anfang an war das Geschäft sehr stark auf Schrott ausgerichtet. Die Aufbereitung von Stahl und NE-Metallen bildet bis heute unsere wesentlichen Standbeine, aber nicht ausschließlich“, erklärt Dirk Oehle, Geschäftsführer und Firmeninhaber. In den 60er-Jahren widmete sich der Betrieb bereits dem Recycling von Glasflaschen und übernahm als einer der ersten den Umschlag von Glasbehältern. Sogar in der angrenzenden Schweiz war man damals aktiv. Doch das änderte sich mit der Preisentwicklung. „Der Absatzmarkt in der Schweiz ist heute aber noch aus einem weiteren Grund schwierig geworden, weil inzwischen andere Spielregeln gelten. Die europäische Abfallrichtlinie macht die Dokumentation und Berichtsführung über Ländergrenzen hinweg bürokratisch sehr aufwendig“, so Dirk Oehle. Daher traten andere Geschäftsfelder auf den Plan wie die Aufbereitung von Baustellenmischabfällen und Altpapier, auch wenn das nur einen kleinen Teil ausmacht. Anders ist es mit Altholz, das ebenso wie Restmüll immer mehr an Bedeutung gewinnt. Soeben wurde ein Fünf-Jahres-Vertrag mit den Konstanzer Wertstoffhöfen für die Entsorgung unter Dach und Fach gebracht. Neben Kommunen gehören Industrie- und Privatkunden zum Kundenkreis, die Wertstoffe bringen oder abholen lassen. „Wichtig ist uns, eine große Bandbreite anbieten zu können. Im Prinzip recyceln wir alles außer die Schwiegermutter“, formuliert Dirk Oehle zugespitzt das Spektrum des Familienbetriebs. „Das sorgt für einen Lacher, aber es beschreibt ganz gut unsere Vielfalt im Recycling von Rohstoffen“, meint der Geschäftsführer und Betriebsinhaber, der das Unternehmen zusammen mit seiner Frau und Schwester führt.

Vor über 25 Jahren gehörten gerade einmal zwei Bagger und zwei Lkw zum Inventar, als der Umzug an den heutigen Standort in Singen mitten ins Industriegebiet erfolgte. Mit den Jahren kamen Schrottschere, mobiler Schredder und Magnetabscheider zur Trennung von NE und FE dazu. Heute betreibt das Unternehmen drei Umschlagbagger. Beschäftigt werden rund 16 Mitarbeiter. Im Umkreis von 60 Kilometern zieht Dirk Oehle die Grenze für das Einzugsgebiet – acht Lkw sind im Umlauf, um bei den Kunden das Material für das Recycling abzuholen. „Wir müssen Effizienz reinbekommen: Alles, was weiter weg ist, wäre aufgrund der hohen Spritpreise unwirtschaftlich“, macht er klar. Quasi vor der Haustür befindet sich der Containerbahnhof – ein Gleisanschluss führt auf das rund 15 000 Quadratmeter große Gelände. Dort werden Bahnwaggons Richtung Italien für die Stahlindustrie und Aluminium verarbeitende Industrie be- und entladen. Die Leidenschaft für das Recyclinggeschäft steht nicht nur ihm, sondern dem ganzen Team ins Gesicht geschrieben. „Man merkt, ob jemand für seinen Beruf brennt, so wie es unsere Mitarbeiter tun. Das spiegeln Kunden im Gespräch wider, die uns bestätigen, dass bei uns ein freundlicher Umgangston herrscht“, so Dirk Oehle. Umgekehrt nimmt er auch bei seinen Lieferanten wahr, ob sie mit Leidenschaft bei der Sache sind. Begeisterungsfähigkeit gehört für ihn auch zum eigenen Unternehmertum. „Man muss sich immer wieder fordern, überlegen, wo man sich weiterentwickeln will, über den Tellerrand schauen und bereit für Veränderungen sein“, ist er überzeugt. Neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen zu sein, führte dazu, dass inzwischen KI im Recyclingbetrieb bei der Auftragsannahme eingesetzt wird. „Rufen Kunden bei uns an und es kann gerade niemand ans Telefon gehen, dann übernimmt eine KI das Kundengespräch und klärt den Bedarf ab. Das ist für manchen Kunden eine Umstellung, aber auch wir müssen lernen, wie wir die KI immer besser darauf trainieren“, so Dirk Oehle, der bereit ist, im Recycling immer wieder neue Wege zu gehen.
April 2026

