„Berechne die Einsparungen durch den Einsatz von Telematik zur Wartungsoptimierung bei einer Flotte von zehn Baggern.“ Wer das bei Chatbot Copilot promptet, verursacht laut Schätzungen einen Energieverbrauch von 0,56 Wh – das entspricht ungefähr dem Energiebedarf einer LED-Lampe für eine Minute. Ganz andere Dimensionen erreicht ein Prompt wie: „Erstelle eine ausführliche Dokumentation über den kompletten Einsatz einer Flotte von Baumaschinen beim Bau einer Autobahnbrücke. Beschreibe alle Phasen, füge fotorealistische 4K-Bilder jeder Maschine hinzu und generiere ein zehnminütiges Video, das den gesamten Ablauf mit Drohnenperspektiven und Echtzeit-Datenvisualisierung zeigt.“ Das zu generieren, benötigt so viel Energie, wie ein Smartphone 50-mal vollständig aufzuladen. Die Quintessenz: Künstliche Intelligenz (KI) funktioniert nicht ohne Strom für Server, Speicher und Netzwerktechnik, aber auch für Gebäudeinfrastruktur oder die Kühlung. KI-Anwendungen und die weltweit steigende Nachfrage nach KI-Technologien erfordern eine enorme Rechenleistung und haben einen regelrechten Bauboom ausgelöst. Für Baufirmen ergibt sich daraus ein wachsendes Geschäftsfeld.

Laut Marktforschungsergebnissen werden bis 2030 bis zu sieben Billionen US-Dollar in Rechenzentren investiert. Diese gewaltige Summe tragen vor allem Technologieunternehmen in den USA und China. Branchenriesen wie Amazon, Microsoft und Google erzielten im zweiten Quartal 2025 fast zwei Drittel des weltweiten Cloud-Umsatzes. Zusammen mit chinesischen Unternehmen wie Alibaba und Tencent erreichten ihre Investitionsbudgets im Jahr 2025 hunderte Milliarden US-Dollar. Die USA werden bis 2028 mit 81 Gigawatt für etwa zwei Drittel des weltweiten Strombedarfs von Rechenzentren verantwortlich sein und gleichzeitig zum größten Markt werden. Auch Chinas Bedarf wächst rasant. Allein im Großraum Peking befinden sich mittlerweile rund zehn Prozent der globalen Hyperscale-Kapazität. Europa liegt zwar deutlich zurück, verzeichnet aber ein jährliches Wachstum von 43 Prozent bei geplanten Projekten. London und Dublin sind mit jeweils über einem Gigawatt an Strombedarf die größten Standorte, gefolgt von Amsterdam, Frankfurt, Paris und Mailand.
Aktuell machen Rechenzentren für KI rund 15 Prozent der gesamten, in Deutschland installierten Kapazitäten aus. Bis zum Jahr 2030 sollen sich diese vervierfachen: von derzeit 530 Megawatt auf dann 2 020 Megawatt Anschlussleistung. Der Anteil von KI-Rechenzentren an den deutschen Gesamtkapazitäten wird dann bei 40 Prozent liegen. Insgesamt sind in Deutschland derzeit 2 000 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von jeweils mehr als hundert Kilowatt installiert, darunter hundert größere Rechenzentren mit mehr als fünf Megawatt Leistung. Die Leistung aller deutschen Rechenzentren ist 2025 um neun Prozent auf 2 980 Megawatt gewachsen. Anfang 2026 soll erstmals die Marke von 3 000 Megawatt und 2030 von 5 000 Megawatt überschritten werden. Verglichen mit 2024 werden sich Deutschlands Rechenzentrumskapazitäten dann nahezu verdoppelt haben. Das sind Ergebnisse der Bitkom-Studie „Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen – Update 2025“, die vom Borderstep Institut durchgeführt wurde. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder stellt klar: „Deutschland muss sicherstellen, dass wir über ausreichend leistungsfähige Rechenzentren verfügen. Nur so können wir unsere digitale Souveränität stärken und zu den internationalen Technologieführern aufschließen. Die Rechenzentrumsbetreiber brauchen dafür verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie vor allem eine stabile Versorgung mit günstigem Strom.“

Jedes Jahr werden in den USA mehr als viermal so viele Kapazitäten hinzugebaut, wie in Deutschland überhaupt installiert sind. Die großen Techkonzerne schieben gewaltige Investitionen an: Goldman Sachs schätzt, dass bis Ende 2026 rund 737 Milliarden US-Dollar in neue Rechenzentren fließen. Auch Baumaschinenriese Caterpillar profitiert von dem Boom, denn Rechenzentren brauchen gigantische Energiemengen, für die das Unternehmen Generatoren und Turbinen liefert. Laut Bloomberg legte die Sparte Energy & Transportation im vierten Quartal um 25 Prozent zu und war damit der größte und am schnellsten wachsende Geschäftsbereich des Unternehmens. Anders als in den USA existieren hierzulande noch keine Mega-Rechenzentren, die ausschließlich für KI-Anwendungen betrieben werden. Die leistungsstarken IT-Systeme in deutschen Rechenzentren sind im Vergleich zu Datacentern im Ausland deutlich kleiner. Doch auch hierzulande tut sich was bei KI-Gigafactories. Anfang Februar ging in München Deutschlands erste KI-Fabrik in Betrieb. Sie wurde von der Telekom, Nvidia und Polarise aufgebaut. Dafür wurde im Rahmen der laufenden Revitalisierung des Tucherparks, eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte, ein ehemaliges Rechenzentrum mit einer Fläche von etwa 10 700 Quadratmetern entkernt und modernisiert. Mitte November stellte Google sein größtes Investitionsprogramm für Deutschland vor. Bis 2029 sollen 5,5 Milliarden Euro – etwa in Cloud- und KI-Infrastruktur – investiert werden. Das Rheinische Revier ist ein Schwerpunkt des Investitionspakets von Microsoft, mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro das größte der Firmengeschichte in Deutschland. Hier wird ein neues Rechenzentrum beheimatet sein, mit dem die Verfügbarkeit von Cloud-Services in ganz Deutschland signifikant steigt.
Doch es sind nicht Techkonzerne allein, die Investitionen vorantreiben. Auf dem 13 Hektar großen Gelände des ehemaligen Kraftwerks in Lübbenau investiert wiederum Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe, elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum. Es handelt sich dabei um die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Das Rechenzentrum wird mit einer Anschlussleistung von zunächst rund 200 Megawatt geplant und ist in zwei Bauabschnitten modular erweiterbar. Bis zu 100 000 GPUs können im Rechenzentrum installiert werden. Diese werden unter anderem für das Training großer Modelle mit KI-Inferenz eingesetzt. Der erste Bauabschnitt mit drei Modulen wird bis Ende 2027 fertiggestellt. Ein besonderer Fokus des Bauvorhabens liegt auf nachhaltiger Grundstücksentwicklung. Das Rechenzentrum wird im Regelbetrieb zudem vollständig mit Grünstrom betrieben. Das Projekt setzt auf Brownfield-Entwicklung statt auf Greenfield-Bau. Dazu wurde das 13 Hektar umfassende Gelände des ehemaligen Kraftwerks Lübbenau aufwendig zurückgebaut und renaturiert. Über 20 000 Kubikmeter Beton und Steine, 110 Tonnen Stahl und 20 Tonnen Holz wurden so getrennt, recycelt und als Ressourcen wiederverwendet. Damit folgt das Vorhaben der ganzheitlichen Kreislaufstrategie der Schwarz-Gruppe. Diese zielt darauf ab, Ressourcen zu schonen, Abfälle zu reduzieren und Wertstoffe in ihren Kreislauf zurückzuführen. Neben einer gezielten Rückführung von Materialien und Rohstoffen in den eigenen Wirtschaftskreislauf werden auf dem Gelände unter anderem Photovoltaikflächen verbaut, die jährlich bis zu 520 000 kWh erneuerbare Energie erzeugen.

Auf den Investitionsbedarf stellen sich Baufirmen ein. Hochtief gab Anfang November bekannt, dass sich der Wert des Konzern-Auftragsbestands an Rechenzentren in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 mehr als verdoppelt habe. Auch Porr sieht ein Wachstumspotenzial von Datencentern. Dazu sagt ihr CEO, Karl-Heinz Strauss: „Der zunehmende Einsatz von Cloud-Technologien und KI-Anwendungen sorgt für einen wachsenden Bedarf an Dateninfrastruktur. Die Porr spielt hier eine zentrale Rolle und gestaltet diese Infrastruktur aktiv mit. Mit den bisher errichteten Projekten konnten wir ein ums andere Mal unsere umfassende Kompetenz als Komplettanbieter unter Beweis stellen.“ Datencenter zu planen und zu bauen, erfordert spezielles Know-how. „Es gibt besondere Anforderungen einerseits an die Stromversorgung des Objekts, an Klima- und Kühlsysteme und letztlich an die Sicherheit der gespeicherten Daten. Natürlich muss der Generalunternehmer eine hohe Qualität, Pünktlichkeit und die Einhaltung der Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften gewährleisten“, so Karl-Heinz Strauss.
Doch genau die Komplexität könnte auch wiederum dem Wachstum Grenzen setzen. Zumindest geht das aus dem aktuellem Allianz Commercial-Bericht „The Data Center Construction Boom“ hervor, der Umfang und mögliche Risiken des weltweiten Baubooms untersuchte. „Bauprojekte, die so komplex und umfangreich sind wie Rechenzentren, erfordern einen erheblichen Zeit- und Ressourcenaufwand“, meint Matthias Neeff, Head of Construction Europe bei Allianz Commercial. Das führt unter anderem zu steigenden Baukosten. Diese sind von 200 bis 300 Millionen US-Dollar pro Projekt auf teilweise über 20 Milliarden US-Dollar angestiegen. Laut den Experten von Allianz Commercial kosten durchschnittlich große Rechenzentren mittlerweile bereits zwischen 500 Millionen und zwei Milliarden US-Dollar. Neben den höheren Baukosten erfordert die Komplexität des Baus und Betriebs von Rechenzentren einen speziellen Versicherungsschutz für Risiken wie Stromversorgungsprobleme, Baumängel, Brände oder Naturkatastrophen. Eine der größten Herausforderungen ist der rasant steigende Strombedarf, der Kapazität und Infrastruktur des Stromnetzes zu überfordern droht. Der Energiehunger von Rechenzentren weltweit wird sich bis 2030 voraussichtlich mehr als verdoppeln und auf rund 945 Terawattstunden steigen. Das entspricht etwas mehr als dem heutigen Verbrauch ganz Japans mit seinen 124 Millionen Einwohnern. Um Stromausfälle zu vermeiden, die mit 45 Prozent die Hauptursache für gravierende Störungen sind, versuchen Rechenzentrumsbetreiber zu-
nehmend, ihre Abhängigkeit vom Stromnetz zu reduzieren. Sie versuchen ihren Strom vor Ort selbst zu erzeugen. Feuer und Überhitzung stellen ebenfalls erhebliche Risiken für Rechenzentren dar und können zu schweren Schäden oder Betriebsunterbrechungen führen. Große Rechenzentren können zudem bis zu 19 Millionen Liter Wasser pro Tag verbrauchen. Dies entspricht dem Wasserverbrauch einer Stadt mit bis zu 50 000 Einwohnern. Zunehmend strengere Kühlanforderungen treiben den Wasser- und Strombedarf in die Höhe, während steigende globale Temperaturen die Ausfallsicherheit von über der Hälfte der weltweit führenden Rechenzentren gefährden. Dies hat das Risikoprofil von Rechenzentren verändert und zu höheren Bau- und Versicherungskosten beigetragen. Doch wie sich das auf den Bau von Rechenzentren auswirkt, lässt sich noch nicht absehen. „Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Wachstum von Rechenzentren nachlässt, doch könnte der Aufwärtstrend der Branche gebremst werden“, so Matthias Neeff.
Februar 2026

