Eine Kolumne von Zeppelin CEO Matthias Benz
In einem Jahr kann viel passieren, so heißt es – oder es passiert eben auch fast nichts. Genau das ist leider Realität, seit die Bundesregierung vor einem guten Jahr das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität verabschiedet hat. Sicher, die Mittel standen erst ab Oktober zur Verfügung. Aber das erklärt nicht, warum wohl bis zu 95 Prozent dieser Gelder zweckentfremdet wurden oder lediglich die Inflation ausgleichen, während auf Straße, Schiene und in den Netzen praktisch nichts ankommt. Das bestätigt, was wir bei Zeppelin und viele unserer Kunden seit Langem erleben: Das Geld ist bewilligt, aber es kommt in der realen Wirtschaft nicht an.
Dabei wollten und sollten wir längst liefern. Infrastruktur ist schließlich nicht irgendein Nebenprojekt, sondern das Betriebssystem unserer Wirtschaft. Es entscheidet darüber, ob wir unseren Wohlstand sichern, im internationalen Wettbewerb bestehen und ausreichend resilient sind, um den Herausforderungen unserer Zeit standzuhalten. Und doch erleben wir immer wieder dasselbe Muster: Wir kennen die Herausforderungen, wir kennen Lösungen, wir haben Ressourcen – aber wir kommen nicht ins Machen. Was fehlt, ist der Mut zu pragmatischen Entscheidungen, notwendigen Reformen und die Bereitschaft, Prioritäten zu setzen. Am Tag nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz dämpfte der Bundeskanzler erneut die Hoffnungen: Nach dem ausgefallenen „Herbst der Reformen“ sei nun auch im Frühjahr nichts Wesentliches zu erwarten.
Allerdings: Auch wir als Wirtschaft stehen in der Verantwortung, handlungsfähiger zu werden. Aus diesem Grund arbeiten wir bei Zeppelin derzeit an einem Update für unsere Organisation – mit dem klaren Anspruch, näher an unseren Kunden zu sein, schneller zu entscheiden und noch verlässlicher unser Service‑ und Leistungsversprechen einzulösen. Gerade diese Erfahrung zeigt uns, wie entscheidend klare Prioritäten, eindeutige Verantwortlichkeiten und der Mut zu pragmatischen Entscheidungen sind. Denn Wirkung entsteht nicht allein durch perfekte Konzepte, sondern durch konsequente Umsetzung.
Diese Aspekte – Prioritäten setzen, Strukturen klären, mutig entscheiden und Austausch mit dem Umfeld – sind nicht exklusiv für Unternehmen. Sie könnten auch staatlichen Institutionen helfen, die mit denselben Bremsklötzen ringen. Wenn Milliarden bereitstehen, aber zu selten dort ankommen, wo sie gebraucht werden, dann liegt das selten an mangelnden Einsichten, sondern an denselben Mustern, die wir aus unseren eigenen Prozessen kennen. Daher geht es uns nicht darum, den Finger in die Wunde zu legen. Wir wollen an ihrer Heilung mitwirken. Denn wenn Wirtschaft und Staat an den gleichen Stellschrauben drehen, kommen wir gemeinsam deutlich schneller und effizienter voran.
Lassen Sie es uns also gemeinsam anpacken. Jeder trägt etwas bei – wir als Unternehmen mit unseren eigenen Hausaufgaben und unserer Erfahrung, Politik und Verwaltung mit dem Mut, aus diesen Erfahrungen etwas zu machen. Wir übernehmen gemeinsam Verantwortung. Und dann kommen die Gelder auch dort an, wo sie ihre Wirkung entfalten sollen und müssen. Das sind wir bei diesen Dimensionen dem Steuerzahler und auch nachfolgenden Generationen schuldig. Und deshalb heißt es nun: Einfach mal machen – und zwar zusammen.
April 2026

