Klebsand gewinnen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Grube sicher in Form bleibt: Im Tagebau von EKW in Eisenberg laufen diese Aufgaben parallel. Denn das Gelände verändert sich ständig. Unterschiedliche Materialschichten treffen auf Niederschläge und Erosion, Wasser sucht sich neue Wege und Abbaukanten verändern ihre Konturen. Das verlangt Aufmerksamkeit. Eine andere Herausforderung beginnt dort, wo unterschiedliche Bodenmassen lagenweise zu dauerhaft sicheren Halden aufgebaut und Böschungen profiliert werden. Mit einer neuen Cat Raupe D5 LGP hat EKW seinen Maschinenpark genau für diese Anforderungen erweitert.

Mal schluffig, mal steinig, mal stark lehmhaltig: EKW nimmt Fremdmassen aus verschiedenen Baumaßnahmen der näheren Umgebung an. Für den Aufbau einer Halde ist das keineswegs belanglos. Die unterschiedlichen Materialien reagieren verschieden auf Wasser, Verdichtung und Erosion. Was eingebaut wird und wie es eingebaut wird, entscheidet deshalb mit darüber, wie sich eine Böschung langfristig verhält. Genau hier setzt eine der jüngsten Investitionen des Unternehmens an. Mit einer Cat D5 LGP hat EKW seinen Maschinenpark um eine Planierraupe von der Zeppelin Niederlassung Frankenthal, geliefert von Daniel Marquardt und Jean-Pascal Stark, erweitert. „Durch den Umbau unserer Grube haben wir eine Raupe gesucht, die uns langfristig dabei unterstützt, die Arbeitssicherheit im Haldenmanagement zu verbessern und das Abraummanagement effizienter zu gestalten“, erklärt Michael Dombrow, Betriebsleiter von EKW. Wer Böschungen nur als aufgeschobene Erdmassen betrachtet, unterschätzt die Aufgabe. Dabei geht es nicht darum, große Mengen möglichst schnell zu verschieben, sondern vielmehr mit der Baumaschine die eingebrachten Massen kontrolliert zu verteilen. Die Ausstattung der Maschine orientierte sich deshalb eng an den tatsächlichen Bedingungen in der Grube.
Die Wahl des LGP-Laufwerks folgt unmittelbar aus diesem Einsatzprofil. Breite Ketten sollen die Aufstandsfläche vergrößern, was der Verarbeitung der heterogenen Fremdmassen entgegenkommt. Denn die Raupe bewegt sich überwiegend auf Material, das etwa beim Aushub von Regenrückhaltebecken der kommunalen Hochwasserschutzsysteme oder bei der Erschließung von Neubaugebieten anfällt und zur Grube gebracht wird. Über die breiten Ketten soll dieses Material gleichmäßig überfahren und verdichtet werden. So sollen Schwachzonen innerhalb des Schüttkörpers möglichst vermieden werden. Denn bleibt eingebautes Material zu locker, kann es sich verformen oder am Hang ins Rutschen geraten. Umso wichtiger ist ein kontrollierter und gleichmäßiger Aufbau der Halde. Für die Profilierung wurde die Cat D5 LGP mit einem Sechs-Wege-Schild ausgestattet. Dessen Kapazität liegt bei rund 4,2 Kubikmetern. Eine Schildseite lässt sich für den Transport einklappen. Entscheidend für EKW war jedoch vor allem die Beweglichkeit des Schildes beim späteren Profilieren der Abraumhalden.


Dabei spielt auch die Wasserführung eine wesentliche Rolle. Durch die lagenweise Profilierung können gezielt Gefälle hergestellt werden, über die Niederschlagswasser abgeleitet wird. Wasserstau soll gar nicht erst auftreten. Das ist im Grubenbetrieb von großer Bedeutung. Lang anhaltende Niederschläge können Sickerwasser entstehen lassen und den Porenwasserdruck erhöhen. In der Folge können die Scherfestigkeiten des Bodens sinken. Gleichzeitig greifen Niederschläge die Oberfläche an und fördern Erosion. „Vor allem die Oberflächenentwässerung und das gezielte Ableiten des Niederschlagswassers haben einen Einfluss auf die langfristige Stabilität und die Erosion“, erklärt Michael Dombrow.
Dabei endet das Wassermanagement nicht an der Böschung. Wird das Niederschlagswasser gezielt in technische Gewässer geführt, verbindet EKW damit zugleich einen ökologischen Mehrwert. Sicherheit, Wasserführung und die Gestaltung des Grubengeländes greifen dadurch ineinander. Unterstützung bekommt der Fahrer beim Herstellen der Geländeformen durch die in der D5 LGP eingesetzte 2D-Steuerung. Planierautomatik und Neigungssensoren unterstützen bei der Führung des Schildes. Gerade beim Profilieren wiederkehrender Neigungen lässt sich damit Maschinentechnik mit dem Können des Fahrers verbinden. Das ist für EKW auch mit Blick auf den Fachkräftemangel relevant. Noch verfügt der Betrieb über zwei erfahrene Maschinisten, die mit konventioneller Technik groß geworden sind und sich mit den neuen Assistenzsystemen vertraut gemacht haben. Dass die Akzeptanz der Fahrer bei der Investitionsentscheidung eine Rolle spielte, verschweigt Michael Dombrow nicht. Die Fahrer kannten Cat bereits und konnten sich mit der Maschine identifizieren. Entsprechend groß war laut dem Betriebsleiter die Freude, als die D5 LGP auf den Hof kam.
Doch für EKW endete die Investitionsentscheidung nicht bei Fabrikat, Laufwerk und Ausstattung. Ebenso wichtig war die Frage, was passiert, wenn die Technik einmal nicht funktioniert. Eigene Mechaniker hält das Unternehmen für den Maschinenpark nicht mehr vor. Hier kommt die Zeppelin Niederlassung Frankenthal ins Spiel. Für EKW war darum auch die räumliche Nähe zu deren Werkstatt und zu festen Ansprechpartnern entscheidend. Eine technische Störung soll nicht dazu führen, dass die Raupe über längere Zeit stillsteht.
Zum Einsatz kommt die D5 LGP auch beim derzeitigen Umbau der Grube. Neue Wege sollen es den Lkw ermöglichen, die Fremdmassen künftig innerhalb der Grube abzukippen, statt sie von oben über die Kante einzubauen. Beim Wegebau und der Gestaltung der neuen Geländeformen arbeitet EKW mit dem Baggerbetrieb M. Stelzer aus Göllheim zusammen. Der Subunternehmer ist zugleich in die Klebsandgewinnung eingebunden und trägt das Material im Tiefschnitt mit einem Kettenbagger und Sieblöffel ab. Anschließend übernimmt ein Radlader das gelockerte Material und transportiert es zur Aufgabestation für die mechanische Aufbereitung. Zunächst werden Sandstein und Tonbrocken größer als 120 Millimeter ausgeschieden. Vom Kastenbeschicker geht es über Förderbänder weiter zum Vorsieb, wobei das Material unter 40 Millimeter abgetrennt wird. Das Überkorn durchläuft einen Walzenbrecher. Danach treffen beide Materialströme wieder zusammen und werden einem Feinsieb zugeführt. Dort erfolgt die Absiebung auf unter sieben Millimeter. Dieses Material wird anschließend über Förderbänder in der Lagerhalle eingelagert.
Das verbliebene Überkorn geht einen anderen Weg. Es wird in einem gasbefeuerten Drehtrommelofen getrocknet, anschließend über eine Prallmühle aufbereitet und über ein Sieb klassiert. Später wird es bei der Mischung wieder zugegeben. Soweit der theoretisch klar strukturierte Prozess. In der Praxis mischt allerdings ein Faktor kräftig mit, der sich nicht steuern lässt: das Wetter. Feuchtigkeit beeinflusst die Siebung. Da der Klebsand nach dem Abbau direkt über ein Schwingsieb geführt wird, nimmt die Effizienz bei Niederschlägen ab. Die Rohstoffgewinnung konzentriert sich deshalb auf die Sommermonate. Der Vorrat in der Lagerhalle bekommt dadurch strategische Bedeutung. Dort wird Material eingelagert, damit die Versorgung der Kunden auch dann aufrechterhalten werden kann, wenn die Bedingungen draußen eine effiziente Gewinnung erschweren.

Typisch ist der Eisenberger Klebsand für seinen bindefähigen, tonmineralhaltigen und feuerfesten Quarzsand, entstanden vor rund 30 Millionen Jahren durch Verwitterung, Entfestigung und Umlagerung von Schichten des Buntsandsteins. Seine Besonderheit liegt nach Angaben des Betriebsleiters vor allem in zwei Eigenschaften: Mächtigkeit und Reinheit des Rohstoffvorkommens, das über größere Flächen vergleichsweise homogen auftritt. Ganz ohne Störstellen geht es trotzdem nicht. Tonschichten mit Eiseneinschlüssen und Steineinschlüssen unterbrechen das nutzbare Material immer wieder und müssen während des Abbaus getrennt werden. „Wichtig ist ein nahezu eisenfreies Material“, bringt Michael Dombrow eine zentrale Qualitätsanforderung auf den Punkt. Die Ausgangsbedingungen sind gut: Der Eisenanteil des Naturprodukts liegt bei weniger als einem Prozent. Hinzu kommen ein hoher Quarzanteil sowie Kaolinit, dessen Anteil im Feinkornbereich zunimmt. Aufgrund dieser Zusammensetzung bietet sich Klebsand für die Feuerfestindustrie an. Typische daraus hergestellte Produkte sind Stampf-, Spritz-, Gieß- und Vibrationsmassen. Damit hängt die Nachfrage nach dem Eisenberger Rohstoff unmittelbar an der Entwicklung industrieller Abnehmer. Und dort verschieben sich derzeit die Gewichte. Besonders Veränderungen in der Automobilindustrie wirken sich nach Einschätzung von Michael Dombrow auf die Gießereiindustrie aus. Sinkende Stückzahlen und die zunehmende Elektromobilität machen sich bemerkbar. Andere Anwendungen gewinnen dagegen an Bedeutung. Michael Dombrow verweist etwa auf den Bau von Groß- und Schiffsmotoren sowie Notstromaggregaten, doch können solche Anwendungen die hohen Stückzahlen aus klassischen automobilen Serienanwendungen nicht ohne Weiteres ersetzen. Damit hat die Transformation der Industrie für einen Rohstoffproduzenten wie EKW ganz konkrete Auswirkungen auf die Absatzmärkte.
Doch der Wandel beschäftigt EKW nicht nur auf der Absatzseite, sondern auch im eigenen Betrieb. Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umwelt- und Arbeitsschutz steigen. EKW hat deshalb seine bestehenden Zertifizierungen nach DIN EN ISO 9001 für Qualitätsmanagement und DIN EN ISO 50001 für Energiemanagement zu einem integrierten Managementsystem erweitert. Seit 2024 ist das Unternehmen zusätzlich nach DIN EN ISO 14001 für Umweltmanagement sowie DIN EN ISO 45001 für Arbeitsschutzmanagement zertifiziert. Auf dem Betriebsgelände erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 605 Kilowattpeak installierter Leistung Strom. Rund 23 Prozent des eigenen Bedarfs lassen sich laut Michael Dombrow damit über das Jahr decken. Folgerichtig hat sich das Unternehmen auch mit der Frage beschäftigt, wie sich der Maschinenpark künftig elektrifizieren ließe. Bei den Flurförderfahrzeugen setzt man deshalb in Zukunft auf elektrische Antriebe. Doch die Diskrepanz zwischen technischer Möglichkeit und betrieblicher Praxis ist bei den Baumaschinen laut Betriebsleiter nicht gelöst. Während der Abbauphasen arbeitet EKW nach Angaben des Betriebsleiters zehn Stunden täglich an sechs Tagen in der Woche. Für dieses Einsatzprofil kamen batterieelektrische Baumaschinen bislang nicht infrage. Denn bei aller Veränderung gilt in Eisenberg ein ziemlich bodenständiger Maßstab: Die Technik muss zur Grube passen, nicht die Grube zur Technik.
Oktober 2026

