Bis zu hundert Meter ragen Windkraftanlagen in die Höhe, die das Wörmann-Team bundesweit zurückbaut. Wenn deren Zeit abgelaufen ist oder das Repowering ansteht, also der Ersatz älterer Anlagen durch leistungsfähigere neue, müssen Rotor, Gondel, Turm und Fundamente wieder verschwinden. Dann beginnt eine Demontage, bei der Krantechnik, Schwerlastlogistik, Abbruch und Recycling ineinandergreifen. Das Wörmann-Team übernimmt nach eigenen Angaben den vollständigen Rückbau von Windenergieanlagen vom Maschinenhaus und den Rotorblättern über den Turm bis hin zum Fundament. Hinzu kommen auf Wunsch die Entsorgung der Komponenten beziehungsweise die Logistik für den Weiterverkauf einzelner Teile oder kompletter Anlagen. Für die Arbeiten auf der Rückbaustelle hat sich der Rückbauspezialist kürzlich Verstärkung geholt: Ein Cat Kurzheckbagger 319, geliefert von Zeppelin Gebietsverkaufsleiter Markus Knippschild von der Niederlassung Paderborn, soll dort anpacken, wo Leistung gefragt, aber der Platz knapp ist.
Die Wurzeln der Unternehmensgruppe liegen in der Verkehrstechnik und Schwertransportbegleitung. Gegründet wurde das Wörmann-Team 2002 in Schloß Holte-Stukenbrock. Heute reicht das Leistungsspektrum von Verkehrslenkung sowie BF3- und BF4-Begleitung über die Planung und Begleitung von Schwertransporten bis zum kompletten Rückbau von Windenergieanlagen. Wie eng diese Geschäftsfelder miteinander verzahnt sind, zeigt sich spätestens dann, wenn Rotorblätter, Maschinenhäuser oder Turmsegmente bewegt werden. Dann sind nicht nur Kran und Abbruchgerät gefragt. Auch Transportwege müssen geprüft, Genehmigungen abgestimmt und gegebenenfalls Strecken für die großen Komponenten vorbereitet werden.

Auf den Rückbaustellen geht es häufig eng her. Zwischen tonnenschweren Komponenten muss auf vergleichsweise begrenzter Fläche gearbeitet werden. Für das Wörmann-Team, zu dem Maik Cord-Brüning gehört, ist das inzwischen Tagesgeschäft. Er ist als Bauleiter unterwegs und treibt derzeit mehrere Baustellen in Thüringen gleichzeitig voran. Gerade wurden in der Nähe von Eisenach Anlagen demontiert, wenig später geht es zur nächsten Baustelle bei Bad Langensalza.
Doch Maik Cord-Brüning koordiniert die Arbeiten nicht nur, sondern sitzt auch selbst im Bagger. Bauleitung findet für ihn nicht aus dem Baucontainer heraus statt, sondern vielfach vom Fahrersitz aus. Sein Job ist, Rotorblätter zu zersägen, Turmsegmente zu positionieren oder Stahlschrott zu verladen. „Ich mache draußen alles von A bis Z“, beschreibt er seinen Arbeitsalltag. Seit über zehn Jahren ist er im Unternehmen, das von Nils Wörmann geleitet wird. „Mein Chef und ich kennen uns von klein auf. Das, was ich hier draußen auf den Baustellen mache, habe ich mir selbst angeeignet“, erklärt er.
Beim eigentlichen Abbau spielt große Krantechnik die entscheidende Rolle. Das Wörmann-Team setzt dafür laut Maik Cord-Brüning unter anderem einen LTM-1750-Kran ein. Bei einer für das Unternehmen typischen Anlage kann die Demontage bei entsprechenden Bedingungen innerhalb eines Tages erfolgen. Entscheidend sind allerdings Wind und Wetter. Gerade beim Abnehmen der Rotoren und anderer großer Komponenten gibt der Wind den Takt vor: Werden die zulässigen Windgeschwindigkeiten überschritten, kann nicht weitergearbeitet werden. Dabei setzt Wörmann nicht ausschließlich auf klassische Demontageverfahren, sondern setzt auch eigene technische Lösungen ein.
Ist die Windkraftanlage am Boden, verschiebt sich der Schwerpunkt. Aus einer Kranbaustelle wird zunehmend eine Aufbereitungs- und Logistikfläche. Genau dort beginnt die Arbeit der Bagger wie des neuen Cat 319 und des Cat 340. Turmsegmente müssen umgesetzt, positioniert und für die weitere Zerlegung vorbereitet werden. Die Einbauten aus den Stahltürmen werden getrennt und verschiedene Materialien für die Verwertung sortiert. Die weitgehend von Einbauten befreiten Stahlsektionen können anschließend mittels Brenntechnik auf transportfähige Größen gebracht und verladen werden.
Nach Möglichkeit lässt Maik Cord-Brüning diese Arbeiten auf bestehenden Kranstellflächen durchführen, um unnötige Eingriffe in zusätzliche Flächen zu verhindern. Dahinter steckt mehr als reine Ordnung auf der Baustelle. Windparks liegen häufig auf oder zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Entsprechend eng stimmt er sich nach eigenen Angaben mit Landwirten und Flächeneigentümern ab. Zusätzliche Eingriffe sollen vermieden werden. Ein vermeintlich kurzer Weg quer über den Acker ist für ihn tabu. Wenn eine Fläche für einen Hilfskran oder andere Technik benötigt wird, wird sie geschützt. Statt unnötig neue Arbeitsbereiche anzulegen, versucht er, die ohnehin vorhandenen Kranstellflächen für die Zerlegung der Anlagenkomponenten zu nutzen. Müssen Maschinen oder Krane dennoch auf Ackerflächen arbeiten, werden diese nach Aussage des Bauleiters entsprechend vorbereitet und beispielsweise mit Platten geschützt.

Besondere Anforderungen stellt die Zerlegung der Rotorblätter. Ihre Verbundwerkstoffe machen die weitere Behandlung ungleich komplizierter. Der Abbruchspezialist Wörmann bereitet dafür Schneidplätze vor. Maik Cord-Brüning setzt eine am Bagger geführte Spezialsäge ein und zerlegt damit die Rotorblätter abschnittsweise. Wasser bindet beim Schneidprozess entstehenden Staub sowie Partikel. Die Teilstücke werden anschließend aufgenommen, verladen und zu spezialisierten Verwertungsbetrieben transportiert.
Gerade dieser Teil des Rückbaus zeigt, wie sehr sich das Aufgabenspektrum verändert hat. Es reicht längst nicht mehr aus, eine ausgediente Anlage lediglich zu demontieren. Erst wenn Komponenten getrennt, transportfähig gemacht und den vorgesehenen Verwertungswegen zugeführt werden, schließt sich die Prozesskette. Doch nicht jedes Bauteil einer ausgedienten Windenergieanlage muss zwangsläufig zum Entsorgungsfall werden. Über WEA24 vermarktet die Unternehmensgruppe zudem Komponenten von Windkraftanlagen online. Wörmann bietet außerdem an, die Logistik für den Weiterverkauf einzelner Anlagenteile oder sogar kompletter Anlagen zu organisieren. Damit bewegt sich das Unternehmen an der Schnittstelle von Demontage, Wiederverwendung, Recycling und Logistik.
Bei der Projektplanung berücksichtigt Wörmann nach eigenen Angaben deshalb nicht nur die Geländebeschaffenheit und die Anforderungen von Kran- und Schwertransporten, sondern ebenso Erd- und Rekultivierungsarbeiten, regionale Entsorgungskosten und Marktbedingungen. Auf der Rückbaustelle greifen viele dieser Aufgaben unmittelbar ineinander: Flächen müssen vorbereitet, Großkomponenten bewegt, Materialien getrennt und Transporte organisiert werden. Dafür braucht das Team neben Großkranen und Schwerlasttechnik auch Baumaschinen, die flexibel zwischen unterschiedlichen Arbeitsschritten wechseln können.
Eine solche Rolle soll künftig der neue Cat Kurzheckbagger 319 übernehmen. Bislang setzte Maik Cord-Brüning für diese Arbeiten eine kleinere Maschine ein, die er nach mehr als zehn Jahren ersetzen wollte. Dabei war für ihn klar, dass die nächste Maschine eine Klasse größer ausfallen sollte: Gefragt waren mehr Leistungsreserven. Verschiedene Fabrikate wurden verglichen. Bei der Maschinenwahl spielte für ihn insbesondere die Robustheit im harten Einsatz eine wichtige Rolle. Die Entscheidung für den neuen Cat 319 war für ihn deshalb konsequent, obwohl das Modell noch neu auf dem Markt ist.
Für den Einsatz im Windpark spricht vor allem das Kurzheckkonzept. Es verbindet die Leistungsfähigkeit einer Maschine der rund 20-Tonnen-Klasse mit kompakten Abmessungen für begrenzte Arbeitsräume. Das ist für die Wörmann-Baustellen entscheidend. Auf den vorhandenen Kranstellflächen liegen Turmteile, Rotorblätter und weitere Komponenten, während gleichzeitig gearbeitet, sortiert und verladen werden muss. Jeder Meter Arbeitsraum zählt.
Mit seinem Kurzheckkonzept bringt der Cat 319 wesentliche Voraussetzungen für solche Einsatzbedingungen mit. Der Schwenkradius beträgt 1 750 Millimeter, die Motorleistung 98,9 kW beziehungsweise 136 PS. Für Maik Cord-Brüning geht es allerdings weniger um Zahlen auf dem Datenblatt als darum, was die Maschine mit unterschiedlichen Anbaugeräten tatsächlich leistet. Denn ein klassischer Tieflöffel wird am neuen Cat 319 während des Windkraftrückbaus eher die Nebenrolle spielen. Geplant sind Einsätze mit Säge, Greifer und Magnet. Die höhere Hydraulikleistung gegenüber seiner bisherigen Maschine erweitert für Maik Cord-Brüning die Einsatzmöglichkeiten. Gerade bei der Rotorblattzerlegung ist das wichtig: Die Maschine muss das vergleichsweise schwere Sägeanbaugerät sicher führen und zugleich auf engem Raum gut zu positionieren sein. Daneben soll der Cat 319 Material sortieren und verladen. Dabei möchte Maik Cord-Brüning auch das Wägesystem der Maschine nutzen, um beispielsweise die Beladung von Lkw besser im Blick zu behalten. Weitere Assistenzfunktionen will er im laufenden Einsatz nach und nach erproben.
Was die Standsicherheit betrifft, werden an die Baumaschine klare Erwartungen gestellt. „Ich weiß bei meinen Maschinen genau, wo die Grenzen liegen“, sagt er. Für die wirklich schweren Aufgaben steht Maik Cord-Brüning ein Cat Kettenbagger 340 zur Verfügung. Dieser übernimmt das Bewegen schwerer Turmsegmente und Arbeiten, bei denen Masse und Reichweite gefragt sind. Auch der Rückbau der Fundamente gehört zu seinen Arbeiten. Dabei ist für Maik Cord-Brüning entscheidend, dass diese nicht einfach knapp unter der Geländeoberkante verschwinden. Schließlich soll der Boden anschließend wieder seiner vorgesehenen Nutzung zugeführt werden können. So entsteht eine klare Arbeitsteilung: Der Cat 340 übernimmt die schweren Brocken, der kompaktere Cat 319 die vielseitigen Aufgaben dazwischen. Er soll sägen, greifen, sortieren und verladen und dabei genau dort arbeiten, wo für größere Maschinen der Platz knapp wird.
Oktober 2026

